In dieser Ausgabe
Dossier
Nur öko ist nicht nachhaltig
Wilhelm Tell kannte nachhaltiges Handeln. Heute ist das Wort alltäglich, doch seine volle Bedeutung bleibt oft unbekannt: Nachhaltigkeit ist ein komplexer ökonomisch-sozio-ökologischer Dreiklang. Die Ökonomie muss den Grundton setzen, denn Nachhaltigkeit ist wirtschaftlich oder sie ist nicht.
Du musst dein Leben ständig ändern!
Wenn die Moderne auch eine Ansammlung von Erfolgsgeschichten darstellt, dann deshalb, weil sie das unternehmerische Moment entdeckt hat. Nachhaltig agiert nicht, wer nach Erhaltung des Bestehenden strebt. Nachhaltig sind jene, die es auf Investition und Innovation abgesehen haben.
Die Nachhaltigkeitsprämie
«Nachhaltigkeit» ist ein Begriff, der nun bereits seit Jahren Hochkonjunktur hat: Kein politischer Vorstoss – von der Verkehrs- über die Bevölkerungspolitik bis hin zu Rettungsaktionen für Finanzplätze –, der sich nicht mit diesem Label schmücken würde. Im Sport gibt es die «12 Prinzipien für Nachhaltigkeit», in der Vermögensanlage soll nachhaltiges Investieren Balsam
Der lange Weg nach Rio
Seit Rio 1992 ist «Sustainable Development» ein universales ökonomisches Postulat: Natürliche Lebensgrundlagen dürfen nur soweit beansprucht werden, dass künftige Generationen sie gleichermassen nutzen können. Ein persönlicher Bericht zur Entstehungsgeschichte.
«Man kann ja lernen…»
Er will die Mehrwertsteuer durch eine Energiesteuer ersetzen und glaubt, Nachhaltigkeit sei ein Luxusphänomen. Martin Bäumle über kurzfristiges Denken und Ökofortschritte, die gar keine sind.
Nachhaltigkeit lässt sich messen
Wer Geld anlegt, hat eine Verantwortung dafür, wohin es fliesst. Klare Kriterien helfen einer wachsenden Gruppe von Anlegern zu erkennen, in welchen Unternehmen Nachhaltigkeit nicht nur Marketingargument ist, sondern auch wirklich praktiziert wird.
Aktuelle Debatten
Weitere Beiträge
Editorial
Adolf Muschg gehört zur Geschichte dieses Magazins. Seinen ersten Essay schrieb der Schriftsteller 1981 über Max Frisch und helvetische Engstirnigkeit, seinen bisher letzten 2003 über den Widersinn der Rechtschreibreform. Muschg ist ein Citoyen, ein unbequemer Geist, ein Autor mit ungeheurem Schreibdrang. Wir haben dieses Jahr über Karl Schmid korrespondiert, und
Über nachhaltigen und modernen Miserabilismus
Als ich zufällig im jüngsten Positionspapier des Bundesrats zur «Agenda für eine Nachhaltige Entwicklung» zu lesen begann, glaubte ich an eine Verwechslung.1 Diese willkürliche Aneinanderreihung von Begriffswolken, so sagte ich mir, kann unmöglich von der Landesregierung stammen. Wie sich zeigte, habe ich mich getäuscht. Das Elaborat wurde zwar von
Geisterjäger
Letzthin sah ich die «Gespenster» des norwegischen Dramatikers Henrik Ibsen. Das Theaterstück hält – verkleidet im Schafspelz eines Familiendramas – einer Gesellschaft den Spiegel vor, die sich in trägem Konservatismus und in sozialen Zwängen eingerichtet hat. Worum geht’s? Mutter Helene schickte ihren Sohn Osvald mit sieben Jahren aus dem heimatlichen Norwegen
Schliesst die Kommentarspalten!
Online-News-Portale gehören zur heutigen Medienwelt. Und zu ihnen gehören Leserkommentare. Diese dienen der öffentlichen Meinungsbildung. So lautet die Theorie aller mir bekannten Medienexperten. Aber: Stimmt diese politisch hochkorrekte Meinung? Dummes Zeug! Leserkommentare dienen nur dazu, dem von den Verlagen umworbenen Medienkonsumenten vorzugaukeln, er sei wichtig, seine Meinung gefragt.
Der Zaun
Der alte Stahlzaun ist angerostet, an vielen Stellen ist die Farbe abgeblättert. Dennoch ist er unverrückbar, unüberwindlich. Wer ihn überklettert, wird zurückgebracht. Mit einer Feile wären nur die dünnen Querstäbe zu durchtrennen. Ohnehin würde ein Durchlass wenig nützen. Wer nicht sogleich aufgegriffen wird, könnte sich zwar kurzzeitig auf der Insel
Die «richtige Entscheidung» ist eine falsche Idee
Zentral oder dezentral organisieren? Global oder lokal? In China investieren oder besser nicht? Freier Handelsvertreter oder Angestellter im Aussendienst? Langsam und wenig ändern oder rasch und viel? Diversifizieren oder konzentrieren? Fusionieren oder aus eigener Kraft wachsen? Anweisungen befolgen oder unternehmerisch handeln? Und jeder Chef weiss auch: Dem Mitarbeiter dienen ist
Hofnarr? – Bürgerlicher Anarchist!
Rechtsprofessor David Dürr hält ein zivilisiertes Zusammenleben ohne Staat für möglich. Sein Sohn Baschi Dürr, freisinniger Regierungsrat, hält das für schöne Theorie, aber unpraktisch. Das Vater-Sohn-Duo diskutiert über Wehrpflicht, Scharia und ihre Differenzen.
Die goldene Steuerkarte
Steuerzahler sind eigentlich weder Schuldner noch Deppen, sondern Gönner und Träger des Gemeinwesens. Wie müsste ein Steuersystem aussehen, das dies verdeutlicht? Konkreter Vorschlag für eine Reform, die aus Untertanen freie Bürger macht.
Rauchende Köpfe
Was haben der Marlboro-Man und Don Draper, der New Yorker Werber aus der US-Serie «Mad Men», gemeinsam? Die dauerbrennende Zigarette. Sie steht bei beiden für ungezähmte Freiheit und Männlichkeit. Im wirklichen New York verströmt der Rauch einer Zigarette aber schon lange keine Freiheit mehr. Die örtliche Anti-Tabak-
Der Finanzplatz wird langsam gekocht
Bis zur Finanzkrise war der Finanzplatz international ein Vorzeigeobjekt der Schweiz. Die Banken wurden bewundert, wenn auch nicht geliebt. Dann stürzte die UBS und wurde vom Staat zweimal gerettet. Die erste Rettung war eine wohl nötige Meisterleistung und hat der Schweiz im nachhinein sogar Milliardengewinne beschert. Die zweite war unnötig
…des Schweizer Fussballs
Fussball ist die wichtigste Nebensache der Welt. Er füllt Stadien, bringt Männer zum Verzweifeln, Brüllen und Weinen, fördert oder untergräbt lokalen und nationalen Stolz. Vor der WM 2014 fragen wir uns: Wie halten wir Schweizer es damit? Bestandesaufnahme: Der Oberwalliser Sepp Blatter steht der (nach der katholischen Kirche) mächtigsten nichtstaatlichen
Ökonomische Mindestbildung statt Mindestlohn
Die jüngsten wirtschafts- und sozialpolitischen Debatten der Schweiz zeichnen sich vor allem durch eines aus: ökonomische Ignoranz.
Einmal ohne Gott, bitte!
Wenn Atheisten Weihnachtsmenüs kochen und sich in Kirchen trauen, scheint die Welt auf dem Kopf zu stehen. Doch kommt so das Leben ins Lot. Die Brüchigkeit unseres Daseins mit Ritualen zu kitten, ist ein urmenschliches Bedürfnis – und ein zunehmend gutes Geschäft.
Die Infantilgesellschaft und das grosse Grinsen
Bin ich ein «Kulturpessimist», wenn ich feststelle, was jedermann feststellen kann – dass nämlich der heutige globale Kulturbetrieb bei all seiner phänomenalen Buntheit und Diversität eben doch nur ein graues Gesamtbild abgibt? Es geht mir keineswegs darum, den vorherrschenden Zeitstil, der die Stilvielfalt zur Stillosigkeit verkommen lässt oder, umgekehrt, die Stillosigkeit
Lasst euch nicht abrichten!
Macht Digitalisierung neugierig oder blöde? Schadet zu viel Wachstum? Wird China die Welt revolutionieren? Hängt Schweizer Moral vom Kontostand ab? Adolf Muschg stellt die richtigen Fragen zur richtigen Zeit in diesem grossen Streitgespräch.
Das Buch im Netz
Das «soziale Buch», der «klügste Mensch im Facebook» und das «Wort als Betriebssystem» – Verleger André Gstettenhofer über die wichtigsten Digitaltendenzen und die Schweizer Online-Ohnmacht in der Verlagsbranche.
Das Netz im Buch
Hinter unseren Bildschirmen warten tausend menschliche Träume auf ihre multimediale Erfüllung. Aber im Netz – und in unserem Umgang damit – lauern auch Gefahren, die in ihrer Tragweite bisher kaum bemessen werden können. Ein idealer Stoff für viele Schriftsteller. Was fängt die Literatur damit an?
Kurzvermessung der digitalen Welt
Das Netz verändert Lebens- und Verlagswelt – aber verändert es auch die Literatur? Der Schriftsteller Daniel Kehlmann über unmögliche Romankonstellationen, unmögliche Userkommentare und über digitale Verantwortung.
Painter of the People
In Schottland läuft der Countdown zur Volksabstimmung über den Austritt aus dem Vereinigten Königreich. Im September 2014 werden wir vielleicht Zeugen dieser Sezession. Doch neue Nationen brauchen stets auch künstlerische Exponenten, kulturelle Aushängeschilder – so liegt es nahe, in der Glasgower Kelvingrove Art Gallery einen Blick auf die Retrospektive von Jack
Irritierende Idylle
Auf meinem Flugticket stand wieder einmal «Switzerland». Schon fast Touristin im eigenen Land, liess ich mich für einen Sonntagsausflug auf den Pilatus begeistern. Auf nach Alpnach! Die Zugabteile voller Touristen und Wandergruppen, vor dem Fenster der Vierwaldstättersee, die goldene Herbstsonne – rasch wurde mir bewusst, wie sehr ich meine Heimat vermisst
Nacht des Montas mit Lukas Spinner
Der Pfarrer Lukas Spinner pflegt eine Kultur des offenen Hauses.