Das grosse Schweigen
Was kann gegen die Entwertung der Zukunft getan werden? Vorschlag zuhanden der Schweizerischen Nationalbank.
Hans Geiger ist emeritierter Professor am Institut für Banking und Finance an der Universität Zürich. Von 1970 bis 1996 war er tätig bei der SKA, der heutigen Credit Suisse.
Was kann gegen die Entwertung der Zukunft getan werden? Vorschlag zuhanden der Schweizerischen Nationalbank.
Banker sind in ihrem Beruf auf das Vertrauen der Kunden und der Öffentlichkeit angewiesen, genauso wie die Ärzte. Während letztere in Umfragen über Vertrauenswürdigkeit stets gut abschneiden, finden sich die Finanzberater am unteren Ende der Rangliste, gerade noch vor den Politikern. So geht es nicht. Denn alle klassischen Bankgeschäfte sind
Bis zur Finanzkrise war der Finanzplatz international ein Vorzeigeobjekt der Schweiz. Die Banken wurden bewundert, wenn auch nicht geliebt. Dann stürzte die UBS und wurde vom Staat zweimal gerettet. Die erste Rettung war eine wohl nötige Meisterleistung und hat der Schweiz im nachhinein sogar Milliardengewinne beschert. Die zweite war unnötig
Der Bundesrat und die Schweizer Banken demontieren unseren Finanzplatz. Sie tun das in einem labilen Umfeld. Das Finanzsystem der westlichen Welt hat sich seit 2008 ebenso selbst demontiert und befindet sich in einem kritischen Zustand. Europa und die USA erkaufen sich mit der Droge des billigen Geldes kurzfristige Sicherheit und
Vertrauen beflügelt die Wirtschaft. Das gilt in besonderem Mass für das Bankgeschäft, das auch als Kreditgewerbe bezeichnet wird. Kredit steht für Vertrauen. Die einzigartige Position des schweizerischen Finanzplatzes hat viel mit Vertrauen zu tun: Vertrauen in die Banken, Vertrauen in die Schweiz. Im Englischen gibt es zwei Ausdrücke für Vertrauen:
Die Schweiz hatte das Bankgeheimnis. Es wurde durch befreundete Staaten, die schweizerische Regierung und unsere Banken innert weniger Jahre demontiert. Das Bankgeheimnis machte, wie der verstorbene Bankier Hans J. Bär 2004 visionär voraussah, die Banken und die Schweiz «fett, aber impotent». Heute sieht sich die Schweiz in einer Sackgasse. Was
Die Selbstdemontage des Finanzplatzes dreht sich um das Wort «Bankgeheimnis». Das Wort wird missbraucht und hat seinen Sinn verloren. Ein sinnloses Wort zu verwenden ist schädlich. Es verwirrt den Verstand. Man sollte das Wort verbieten. Ist die Sprache sinnlos, wird das Denken sinnlos. Dabei war alles so klar. Das Bankgeheimnis
Den ersten Dolchstoss haben Bundesrat und Finma dem Bankgeheimnis mit der Lieferung der Daten von 250 UBS-Kunden an die USA am 18. Februar 2009 versetzt. Der zweite folgte ein halbes Jahr später, als der Bundesrat ein Abkommen mit den USA zur Amtshilfe in Steuersachen abschloss. Darin versprach die Schweiz,
Wie der Staat den bar zahlenden Bürger zum potentiellen Geldwäscher erklärt
Die erste Rettung der UBS durch den Staat im Oktober 2008 war vielleicht nötig. Sicher war sie gut gemacht. Die zweite Rettung war sicher unnötig und sicher miserabel gemacht. Unnötig für die UBS und miserabel für die Schweiz. Das kam so: Seit dem Frühling 2008 wussten die UBS, die Eidgenössische
Am Anfang der Selbstdemontage des Finanzplatzes Schweiz steht paradoxerweise eine geglückte Aktion: die Rettung der UBS durch den Staat vor sechs Jahren. Seither gibt Bundesbern den Ton an. Doch Erfolg macht blind. Bern hat seither manchen Flop gebaut. Wir erinnern uns: Im Frühjahr 2007 zählte sich die UBS in ihrem
Bis 2007 waren die Banken ein Vorzeigeobjekt der Schweiz. Man war stolz auf sie – und das galt selbst für kritische Publizisten und Politiker. Der Beitrag des Finanzplatzes zur Wertschöpfung (12 Prozent) und zu den Steuereinnahmen (14 Prozent) war gross und unbestritten. Zürich und Genf waren bezüglich Wettbewerbsfähigkeit die einzigen
«Geld ist geprägte Freiheit», schrieb Dostojewski. Aber wer heute ein Auto mit Bargeld zahlt, ist verdächtig. Und wer Geldtransaktionen über 10000 Franken vornimmt, muss sich rechtfertigen. Wird Geld zur geprägten Unfreiheit?