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Christian Saehrendt

Kunsthistoriker in Thun und Berlin. 2012 schrieb er «Die radikale Absenz des Ronny Läpplinger» (Walde & Graf), in dem ein gescheiterter Provinzkünstler durch sein Verschwinden gegen Kapitalismus und…

Das kann dann mal weg

Das kann dann mal weg

Skandal in der Kunstwelt! Das landeseigene nordrhein-westfälische Spielcasino «Westspiel» in Aachen verscherbelte zwei Bilder von Andy Warhol in einer Auktion von Christie’s – mit dem Ziel, den NRW-Landeshaushalt zu sanieren und neue Investitionen in die Casinolandschaft tätigen zu können. Verwundert rieb sich mancher die Augen: ein Spielcasino mit

Lange Nächte

Lange Nächte

Das Museum (aber auch die Galerie, die Kunsthalle u.ä.) gilt vielen Menschen als eher unbehaglicher Ort intellektueller Anstrengung und emotionaler Kontrolle. Auf dieses Unbehagen reagieren pädagogische Programme und festliche Events, speziell die «Langen Museums-nächte». Sie sollen, Achtung, ein «kunstfernes Publikum» anlocken. Durch Wein (seltener: Weib), manchmal Gesang, aber

Art Consultant in U-Haft

Art Consultant in U-Haft

«Art Consultant» – mit diesem Berufsbild verbindet man Lachsschnittchen satt, Prosecco bottomless, Art-Basel-Preview und anschliessend Dinner beim Sammler auf Sylt. Kann so ein Job überhaupt gefährlich werden? Allenfalls für den Cholesterinspiegel vielleicht. Helge Achenbach jedenfalls wurde zugeschrieben, das «Art Consulting» in Deutschland erfunden zu haben. Nun sitzt der rheinische

Monumentale Hässlichkeit im öffentlichen Raum

Monumentale Hässlichkeit im öffentlichen Raum

Kunstobjekte im öffentlichen Raum sind keine Seltenheit mehr. Sie dienen Kommunen, Staaten und Unternehmen als Ausweis ihrer Modernität, sind Zeichen des Wohlstands und des Bürgerstolzes. In gewisser Weise sind sie die Nachfolger der Herrscher- und Personendenkmäler vergangener Epochen, wirken aber oftmals mickriger und, ja, mittelmässiger. Dabei trifft die Künstler oft

Bilder vom heiligen Bill

Bilder vom heiligen Bill

Wer als gläubiger Mensch, Tourist oder – wie ich – als Ruhesuchender im Berner Münster einkehrt, wird von den dort seit neustem installierten Bildschirmen überrascht sein. Statt Fernsehpredigten, wie man vielleicht hätte erwarten können, zeigen Videos rätselhaft handelnde, stumme Menschen in Slow Motion und HD. Mein Gott, ist es etwa Kunst? Hat

Männer im Museum – eine bedrohte Species?

Männer im Museum – eine bedrohte Species?

Wissenschaftliche Untersuchungen haben sich der Frage gewidmet, wer gerne und wer weniger gerne über Kunst spricht, sich mit Kunst beschäftigt. Ergebnis: «Kunst» ist eher ein weibliches Gesprächsthema, ist eher in der Oberschicht und bei Menschen mittleren Alters verbreitet. Männer, Jugendliche und «Bildungsferne» gelten als «kunstscheu» und meiden Museen und Galerien.

R.I.P. Christoph Schlingensief

R.I.P. Christoph Schlingensief

München – vor der Feldherrnhalle steht ein Karree aus Absperrgittern. Die Passanten schauen mässig interessiert, ein paar arabische Touristen ziehen vorüber, behängt mit Einkaufstaschen von Nobelmarken. Innerhalb der Absperrung befinden sich: ein Redner, einige Damen mittleren Alters, ein Rollstuhlfahrer, der innerhalb des Karrees unaufhörlich umherkurvt. Ausserhalb der Absperrung sind ca. 30

Die Kunst der Stunde: Performance Art

Performance Art gilt weithin als die Kunstform der Stunde. Ständig und überall «beleben» Performances das Kunstgeschehen! Während im artverwandten Happening der 1960er und 1970er Jahre noch eine gewisse Komik angelegt war, herrscht bei der Performance heute aber ein heiliger Ernst vor. Das liegt vor allem daran, dass dem Publikum nie

Hilfe, ich hasse Kunst!

Von Zeit zu Zeit werden am Rande des Kunstbetriebs schrille Stimmen laut, die den Kunstmarkt mit Hasstiraden und Zerstörungsphantasien bedenken – und damit die Kunst gar zu retten versprechen. Dieses Phänomen kennt die Kunstgeschichte seit den Futuristen. Hinzu kommt der unterschwellig stets vorhandene Kunsthass des Stammtischs, hinter dem sich allerdings meist

Painter of the People

In Schottland läuft der Countdown zur Volksabstimmung über den Austritt aus dem Vereinigten Königreich. Im September 2014 werden wir vielleicht Zeugen dieser Sezession. Doch neue Nationen brauchen stets auch künstlerische Exponenten, kulturelle Aushängeschilder – so liegt es nahe, in der Glasgower Kelvingrove Art Gallery einen Blick auf die Retrospektive von Jack

Bünzliges Bümpliz

Die afghanische Graffiti-Künstlerin «Shamsia» (aka Ommolbanin Hassani) ist im Westen sehr beliebt. Ihr Markenzeichen sind lebensgrosse Frauenfiguren in leuchtendblauen Burkas, die sie auf die grauen und durchlöcherten Mauern der afghanischen Hauptstadt Kabul sprüht. Der jungen Künstlerin und Kunstschuldozentin wird hoch angerechnet, dass sie zumindest den Anspruch der Frauen auf

Sehnsucht und Elend des Kunstsammlers

Ohne die Sammler würde der Kunstmarkt zweifellos nicht funktionieren. Einerseits ist der gesamte Kunstbetrieb von einer tiefen Dankbarkeit ihnen gegenüber erfüllt, andererseits von latenter Aggression. Daher ist es an der Zeit, hier einmal einen Blick auf die Motive und Gemütszustände der Konsumenten, der Kunstkäufer und Sammler zu werfen. 1. Das

Venice Worst 5

Ja, Venedig bietet in diesem Jahr eine Kunstausstellung der Superlative. Zur Orientierung tragen aber hier nicht nur «Must-See»-Bestenlisten bei, sondern auch Listen famoser Flops. Hier sind sie: Viel Wind um Nichts: Angola Der historische Palazzo Cini mit seiner italienischen Altmeistersammlung bietet jeder Art von Kunst eine grossartige Kulisse,