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Monumentale Hässlichkeit im öffentlichen Raum

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Kunstobjekte im öffentlichen Raum sind keine Seltenheit mehr. Sie dienen Kommunen, Staaten und Unternehmen als Ausweis ihrer Modernität, sind Zeichen des Wohlstands und des Bürgerstolzes. In gewisser Weise sind sie die Nachfolger der Herrscher- und Personendenkmäler vergangener Epochen, wirken aber oftmals mickriger und, ja, mittelmässiger. Dabei trifft die Künstler oft die geringste Schuld: Die Entwürfe, mit denen Wettbewerbe und Ausschreibungen gewonnen werden, sind meist weit besser als ihre Realisierung. Wieso?

Viele Personen und Ämter beanspruchen ihr Mitspracherecht, so dass am Ende zahlreiche Kompromisse den Entwurf verwässern und, ja, verhunzen. Es geht aber auch anders! Wer in Interlaken oder Basel den ICE nach Berlin besteigt und im dortigen Hauptbahnhof den falschen Ausgang nimmt, steht fassungslos vor einem riesigen technoiden Blechgaul, aufgebockt auf einem mit runden Fenstern versehenen Sockel, in dessen Innerem rostige Eisenteile und alte Backsteine liegen. Kein Kompromiss schmälerte hier den Entwurf, denn der Künstler Jürgen Goertz ist ein Spezi des langjährigen deutschen Bahnchefs Hartmut Mehdorn – und der Alu-Gaul nicht die Frucht eines öffentlichen Wettbewerbs, sondern quasi eines Mehdorn-Dekrets. Schon Jahre zuvor hatte Goertz eine ganz ähnliche Pferdeskulptur vor einem Gebäude der damals noch von Mehdorn geleiteten Heidelberger Druckmaschinen AG realisiert. Nach seiner Tätigkeit bei der Deutschen Bahn sass Mehdorn übrigens im Vorstand der verlustreichen Fluggesellschaft Air Berlin, seit März 2013 ist er Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH – Sie wissen schon: des Flughafens, dessen Eröffnung stets «kurz bevorsteht».
Das Bahnhofs-Blechpferd in seiner monumentalen Hässlichkeit, eine Art Mehdorn-Mahnmal für Missmanagement und Macher-Gehabe, wird also gerade abgelöst durch einen weiteren grossen Art-Trend, den man in Deutschland selbstverständlich nicht verschläft: die sich selbst perpetuierende «Kunst am Bau» mit Siegel BER.

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