In dieser Ausgabe
Dossier
Für ein Gymnasium von Welt
Die neue Weltsprache heisst Informatik. Will Bildung im 21. Jahrhundert ankommen, muss sie sich mit Algorithmen beschäftigen. Wann folgen Gymnasien der Parole?
Zurück zum Zweiermodell
1995 haben die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) und der Bund das Typenmodell der Maturität durch ein Wahlfachmodell abgelöst. 20 Jahre danach sind nicht nur Retouchen bei der Benotung vorzunehmen, sondern es ist aufgrund der umfangreichen Evaluationen und Studien wieder ein Typenmodell einzuführen. Dabei sind auch interessante deutsche Entwicklungen
Undicht bleiben
Walther Ch. Zimmerli befürwortet höhere Abschlüsse und gesellschaftliche Reife. Mathias Binswanger warnt hingegen, dass längeres Schullernen die Berufslehre schwächt. Ein Streitgespräch über Maturaquoten und Kontingente für Bildungsausländer.
Die gute alte Gegenwart
Das Gymnasium steht unter Denkmalschutz – zumindest jenes in der Zürcher Enge. Viel ist dort wie eh, doch auch Neues hat Einzug gehalten: Von der Freundlichkeit des Hausmeisters bis zur Exotik der Maturathemen überrascht bei einem Augenschein so einiges. Eine Rückkehr in die gymnasiale Gegenwart.
Aktuelle Debatten
Weltuntergang in der Beiz
Acht Menschen zwischen 25 und 40 machen sich Gedanken zur Schweiz der Zukunft. Werden die Jungen bald von einem konservativen Rentnerheer beherrscht? Werden wir alle reicher? Werden wir besser? Oder gehen wir unter wie einst die Maya?
…des konsequenten Weiterwurstelns
Die Saure-Gurken-Zeit bringt es deutlicher denn je ans Licht: Politik und Medien inszenieren eine gegenseitige Bespiegelung und fabrizieren Trugbilder, um über das Fehlen schmerzhafter Politik – die sich um reale Probleme kümmern würde – hinwegzutäuschen. Ob nun ein umtriebiger Politiker seinen Beamtenposten wegen seines dürftigen Leistungsausweises verliert und sich
Ideal und idealisiert – die Schweizer Berufslehre
Auf den Arbeitsmärkten Südeuropas sind die Folgen der Staatsschuldenkrise längst nicht verdaut, Arbeitslosigkeit bleibt das übermächtige Malaise am Mittelmeer. Besonders spüren es junge Generationen. Man braucht gar nicht erst nach Spanien zu blicken, auch in Italien ist fast die Hälfte der nicht in Ausbildung befindlichen Jugendlichen bis 24 Jahre unfreiwillig
Weitere Beiträge
Debatte ohne Ende
Zuwanderung, Bilateralismus, Neutralität: es sind grosse Worte, an denen wir uns am kommenden 17. September abarbeiten werden. Ihnen allen liegt eine noch grössere Frage zugrunde – jene nach dem Selbstverständnis der Schweiz. Wir wollen die Verständigung vorantreiben, die Selbstbilder aufeinandertreffen lassen, und zwar in einer Debatte coram publico mit den Autoren
Publizisten und Unternehmer II
Ich habe das mal untersucht: Die Mainstream-Medien unterscheiden durchaus zwischen Manager und Unternehmer. Der eine denkt kurzfristig, der andere langfristig; der eine denkt nur an sich, der andere auch an seine Leute. Der eine ist ein skrupelloser Opportunist, der andere ein halbwegs verantwortungsvoller Akteur. Der eine ist zum Abschuss
«Aktivismus»
Aktiv ist attraktiv. Ein Mittel gegen den unwirschen Darm heisst deshalb Aktivkohle, Putzmittel wirken aktiv gegen Schmutz, Senioren sind nicht nur vital, sondern auch rundum aktiv, und wer es besonders gut meint, wird proaktiv tätig, agiert also, bevor er aktiv wird, was eigentlich doppelt gemoppelt ist, aber egal: doppelt hält
Die nächste Katastrophe…
Wer ist für die Klimakatastrophen dieser Welt verantwortlich? Der moderne Mensch, wer denn sonst. Er zerstört die Umwelt, verpestet die Luft, vermüllt die Meere, vergiftet die Atmosphäre. Durch seinen zerstörerischen Lebensstil, seine Konsumwut, seinen Mobilitätswahn. Wenn wir so weitermachen, wird die Erde bald unbewohnbar. Sagen die Klimaexperten. Und predigen uns
Ferndiagnose: kollektive politische Hypochondrie
Mehr Mut zu Wettbewerb würde die Schweiz von absurden Pseudoproblemen ablenken.
Auf zur «neuen Eidgenossenschaft»!
Stärkere EU-Integration oder Abschottung? Das ist nicht die Frage. Es gibt einen dritten Weg: eine «neue Eidgenossenschaft». Sie macht die Schweiz wohlhabender, gerechter und unabhängiger. Sie erhöht die Standortattraktivität. Und sie regelt die Zuwanderung neu. Ein konstruktiver Vorschlag.
Gavrilo Princips Brüder
Wäre der Erste Weltkrieg vermeidbar gewesen, wie Niall Ferguson in diesem Magazin behauptet? Die Weltkriegsforschung streitet sich seit 100 Jahren über historische Details, verliert sich in Mächtepsychologie und vernachlässigt einen Faktor: die Demographie.
Heimat am Horizont
Warschau, New York, Tokio – die Nomadin Joanna Bator passiert mühelos geographische wie zeitliche Grenzen. Ein Gespräch über die polnische Nachkriegszeit, japanische Subkulturen und zukünftige Generationen.
Unheilvolle Überforderung
Die gegenwärtige Geldpolitik der Zentralbanken ist historisch beispiellos. Leben wir tatsächlich in einer Welt, in der alles anders ist und alte Gesetzmässigkeiten nicht mehr gelten? Warum monetäre Theorien für Ihren Geldbeutel bedeutender sind als die nächste Lohnanpassung.
Warum wollen wir das tun?
Aus eigener Erfahrung in internationalen Unternehmungen und aus Gesprächen ist mir aufgefallen, dass heute oft dieselben Fragen gestellt werden: 1. Was kostet es? 2. Wie kann man es messen? 3. Wie machen es die anderen? 4. Bis wann kannst du es liefern? 5. Was willst du von mir? Diese Fragen
Tänzchen am Abgrund
Der Euro zeigt es: zu viel Einheit verdirbt den Brei. Der europäische Freundschaftsverbund hält dann am besten, wenn man ihn lose lässt – forciert man die Nähe, schwindet der Friede. Wer ist schuld an der Misere? Die Frivolität einer Generation, die keine Ernstfälle mehr kennt.
Nationalstolz: Inspiration Deutschland
Ich hatte während der Fussball-WM ein eindrückliches Erlebnis in einer Berliner Beiz, als vor dem Final ein deutscher Kollege neben mir aufstand und die Nationalhymne inbrünstig mitsang. Auf Nachfrage gab er an, dass für ihn als ehemaligen DDR-Bürger die Hymne für den Mauerfall und die neue, grenzenlose Freiheit
Wie sieht die Zukunft des Euro aus?
Ich bin diesbezüglich optimistischer als viele Kollegen und glaube: In fünf Jahren werden die Kinderkrankheiten des Euros kuriert sein. Zunächst wird sich langsam, aber sicher die Erkenntnis durchsetzen, dass nationale Regierungen unfähig sind, ihre Finanzen in den Griff zu kriegen. Sie können schon jetzt nicht mehr ungehindert Geld drucken wie
Zensur?
«Man sieht in diesem Jahr, hundert Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs, oft historische Photographien von Schlachtfeldern in Nordfrankreich und Belgien. Alle denken: Nie wieder. Unglaublich ist es in diesem Kontext, dass ein schweizerischer Uhrenhersteller mit Kriegsbildern Reklame macht, neulich in dieser Zeitung. Unter der Überschrift ‹Welcome to our
Unfreiheit
Ist ein Mensch, der alles, was ihm aufgetragen ist, aus freien Stücken zu tun glaubt, ein freier Mensch? Für seinen Diensteifer erhält er Kleidung, Nahrung, Wohnung, Zeit zu Spiel und Erholung. Er darf heiraten, Nachkommen zeugen, Verwandte und Freunde besuchen, Hobbies pflegen und denken, was ihm einfällt. Er hat nichts
Die fünf besten Motörhead-Alben
No Sleep ’til Hammersmith (1981) Eines der wichtigsten Live-Alben überhaupt und bislang einziger Nummer-1-Hit Motörheads. Musik, die nicht Kunst ist, sondern Energie; nicht Geist, sondern Körper. Das Schlagzeug galoppiert wie Fury auf Speed, die Gitarren wecken Assoziationen an Gischtkronen auf stürmischer See. Enthalten sind einige Klassiker des
«So here we are again!»
In der Eishalle Wetzikon sitzt Lemmy Kilmister, 68, Gründer von Motörhead, mit Limonade statt Jack & Coke. Der Arzt hat sein Liebingsgetränk verboten. Doch die Rocklegende macht weiter – sein Versprechen: auf der Bühne sterben. Zurück in Wetzikon wirkt er frischer als erwartet.
Institut für wache Kreaturen
Der Kunsthistoriker und ehemalige Documenta-Leiter Roger M. Buergel leitet seit bald einem Jahr das kleine Zürcher Johann-Jacobs-Museum, das er radikal umgebaut und neu positioniert hat. Ein Gespräch über Kaffee, falsches Porzellan, globale Handelswege und deren Einfluss auf die Kunst.
Monumentale Hässlichkeit im öffentlichen Raum
Kunstobjekte im öffentlichen Raum sind keine Seltenheit mehr. Sie dienen Kommunen, Staaten und Unternehmen als Ausweis ihrer Modernität, sind Zeichen des Wohlstands und des Bürgerstolzes. In gewisser Weise sind sie die Nachfolger der Herrscher- und Personendenkmäler vergangener Epochen, wirken aber oftmals mickriger und, ja, mittelmässiger. Dabei trifft die Künstler oft