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Tomáš Sedláček

Tomáš Sedláček ist Chefvolkswirt der ČSOB und lehrt Wirtschaftsgeschichte an der Karls-Universität Prag. International bekannt wurde er durch sein Buch «Die Ökonomie von Gut und Böse» (2012).

In welcher Art von Wirtschaft möchten Sie leben?

In welcher Art von Wirtschaft möchten Sie leben?

Kennen Sie die Elben aus Tolkiens «Herr der Ringe»? In ihrer Gesellschaft wird wenig Neues, dafür Hochwertiges produziert; die meisten Gegenstände sind halt- und mehrfach vererbbar – die Elben leben in Frieden, geniessen hohe Lebensqualität trotz wenig Wirtschaftswachstum! Ganz anders im nahen Mordor: obwohl auf dauerndem Expansionskurs und mit einem Bruttosozialprodukt,

Wohin wächst die Wirtschaft?

Wohin wächst die Wirtschaft?

Sie wächst ins Digitale, ins Netz. Schauen wir näher hin: Das Internet hat – anders als die materielle Industrie – weder eine Fläche, ein Mass noch ein Gewicht. Trotzdem ist es heute von entscheidender Wichtigkeit, im Zentrum dieses Netzes zu stehen. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Der Internetgigant Google bietet uns bereits

Wie werden wir in 50 Jahren leben und wirtschaften?

Wie werden wir in 50 Jahren leben und wirtschaften?

Ich glaube, die Mehrheit der globalen Probleme, mit denen wir heute kämpfen, wird in der Zukunft absolut irrelevant sein. Davon dürfen wir ungeniert ausgehen, denn das ist eine zentrale Lehre aus der bisherigen Menschheitsgeschichte. Entwickelte Länder werden künftig ihre Ökonomien auf nachfrageorientierte Modelle umstellen, Crowdfunding und Co. sind heute erste

Wie sieht die Zukunft des Euro aus?

Wie sieht die Zukunft des Euro aus?

Ich bin diesbezüglich optimistischer als viele Kollegen und glaube: In fünf Jahren werden die Kinderkrankheiten des Euros kuriert sein. Zunächst wird sich langsam, aber sicher die Erkenntnis durchsetzen, dass nationale Regierungen unfähig sind, ihre Finanzen in den Griff zu kriegen. Sie können schon jetzt nicht mehr ungehindert Geld drucken wie

Welche Anreize können Staaten zum Sparen bewegen?

Welche Anreize können Staaten zum Sparen bewegen?

Es gibt derzeit kaum Anreize für Staaten, ihre Schulden abzubauen – denn wer damit beginnt, signalisiert: bei uns ist nichts mehr zu holen, uns geht es schlecht. Und man erleidet womöglich einen Nachteil mit dem Abbau der Schulden, wenn es zum Beispiel doch irgendwann zu einem Schuldenschnitt kommen sollte. Wenn Sie

Kann man unser Wirtschaftssystem gegen Krisen «immunisieren»?

Kann man unser Wirtschaftssystem gegen Krisen «immunisieren»?

Abstürze sind systemimmanent. Es hat sie immer gegeben und wird sie immer geben. Selbst das perfekte System ist nur eine Art Computerprogramm, das rein rational, emotionslos, ohne Ödipus-Komplex oder Religion – mathematische Algorithmen, bestehend aus Nullen und Einsen – funktioniert. Und ja, sogar solche Systeme erleben den aus Windows-98-Zeiten

Gandalf und Superman

Gandalf und Superman

Seit Jahren predigen Sie die Entmathematisierung der Ökonomie, fordern stattdessen die Reaktivierung von Mythen und Geschichten. Nehmen Ihre Ökonomiekollegen Sie eigentlich noch ernst?

Warum messen wir im Jahr 2014 eigentlich immer noch die Wirtschaftsleistung von Ländern und nicht jene von Regionen?

Warum messen wir im Jahr 2014 eigentlich immer noch die Wirtschaftsleistung von Ländern und nicht jene von Regionen?

Unsere Darstellung der Wirtschaftsleistung ist ein Erbe des europaweiten Nationalismus, da sie auf willkürlichen, alten Landesgrenzen basiert – und die daraus resultierenden Zahlen sagen auch für sich allein recht wenig aus. Das wäre harmlos, würden sie nicht bis heute die Natur unserer europäischen Wirtschaftsdebatte prägen. Ich kann die ewigen Klischees, die

Wozu eigentlich Ökonomen?

Das wissen viele Ökonomen selbst nicht so genau. Ich sage es immer wieder gern: Die Rolle eines Ökonomen ist bestimmt nicht, das BIP zu vergrössern, sondern – schon eher – die Fallhöhe von Konjunkturzyklen zu verkleinern. Das bedeutet: das BIP muss während prosperierender Jahre künstlich verkleinert werden, um Ressourcen zur Erholung zu