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Gottlieb F. Höpli

Gottlieb F. Höpli ist Publizist und ehemaliger Chefredaktor des «St. Galler Tagblatts». Er lehrte Mediengestaltung an der Universität St. Gallen und gründete den Verein Medienkritik Schweiz. Er lebt…

Konstruktiver Gegenvorschlag

In Berlin regt sich absurder Widerstand gegen ein Gedicht Eugen Gomringers, das eine Hochschulfassade ziert. Ein guter Anlass für unseren ehemaligen Kolumnisten, seine lyrischen Qualitäten zu entdecken.

Handschrift und andere Zumutungen

Handschrift und andere Zumutungen

Das war wohl das schlimmste Fettnäpfchen, in das ich letztes Jahr getreten bin: Ich schrieb einer jungen Dame einen Brief. Von Hand! Mit dem Wunsch, sie doch bald wieder einmal zu sehen. Reaktion: Schockstarre, Schweigen. Enthielt der Brief vielleicht Unziemliches, Ausdrücke, die eine junge Dame erröten liessen? Keineswegs. Es muss

Untergangsexperten

Untergangsexperten

Es gibt keine Branche, die ihren eigenen Untergang so laut, häufig und lustvoll zelebriert wie jene der gedruckten Medien. Da auch in diesem Fall die berühmteste aller journalistischen Regeln gilt, nämlich die, nach der nur eine schlechte Nachricht eine gute Nachricht ist, werden wir seit nunmehr mindestens zwei Jahrzehnten von

Sexperten

Sexperten

Das Städtchen Merseburg an der Saale wird für Germanisten und andere altmodische Menschen immer ein Begriff bleiben. Hier wurden im Domschatz vor bald zweihundert Jahren jene einzigartigen althochdeutschen Zaubersprüche aus dem 8./9. Jahrhundert aufgefunden, die beschreiben, wie mit vorchristlich-germanischer Magie das Lösen von Fesseln oder das Heilen eines

Ich entschuldige mich

Ich entschuldige mich

Es hält mich nicht mehr, es muss heraus: Ich entschuldige mich! Nie wieder will ich schnöde verschweigen, was meine Generation der Schweiz angetan hat: unser Zusammenleben gefährdet, unsere Identität geschwächt, den Zusammenhalt des Landes aufs Spiel gesetzt. Denn wir haben – ich bekenne es – in der Primarschule keinen Französischunterricht genossen. Dass

Die nächste Katastrophe…

Die nächste Katastrophe…

Wer ist für die Klimakatastrophen dieser Welt verantwortlich? Der moderne Mensch, wer denn sonst. Er zerstört die Umwelt, verpestet die Luft, vermüllt die Meere, vergiftet die Atmosphäre. Durch seinen zerstörerischen Lebensstil, seine Konsumwut, seinen Mobilitätswahn. Wenn wir so weitermachen, wird die Erde bald unbewohnbar. Sagen die Klimaexperten. Und predigen uns

Unglaubenszweifel

Unglaubenszweifel

Sie nehmen in der Biographie mancher bedeutenden Persönlichkeit eine prominente, oft gar dramatische Rolle ein: die Glaubenszweifel. Der Moment, in dem ewig gültig geglaubte Wahrheiten ins Zwielicht rücken, wo der Rahmen des vertrauten Weltbilds auseinanderbricht. Man kennt das. Denn wie oft begegnen wir noch Menschen mit religiösen, mit weltanschaulichen Gewissheiten,

Bücher? Weg damit!

Bücher? Weg damit!

Die Astronomie war jahrhundertelang die Königin der Wissenschaften. Warum eigentlich? Weil sie für die Menschen ihrer Zeit – ihre Nautik, ihre Kalender- und vor allem ihre astrologischen Berechnungen – so grossen Nutzen stiftete? Eher nicht. Sondern weil ihre geheimnisvollen Instrumente, ihre Observatorien beispiellos kostspielig waren. Die Investitionen in diese Prestigewissenschaft waren wahrlich

«Pas devant les enfants!»

«Pas devant les enfants!»

Das waren noch Zeiten, als Mama bei sich anbahnenden Konflikten oder sonstigen heissen Themen Papa anzischte: «Pas devant les enfants!» Will sagen: Heikles sollte bitte erst verhandelt werden, wenn die Kleinen schliefen. Das war einmal. Heute merken die Kinder dank Frühfranzösisch auf und haken natürlich gleich nach: «Was dürfen die

Städter und Tölpel

Städter und Tölpel

In den Fünfziger- und Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts war von der heutigen Überflussgesellschaft noch wenig zu spüren. Erst recht nicht auf dem Land. Das einzige, was im Gegensatz zu heute im Überfluss vorhanden war, das waren die Wirtshäuser. Sie an einem Samstagabend mit meinen Brüdern abzuklappern erforderte schon eine gewisse

Von Fischern, Fischen und Ködern

Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Werbetreibende an unserer kleinen Strasse wohnen. Aber es müssen viele sein. Denn nur für sie kann die Botschaft bestimmt sein, die uns von der Hausfassade der Dorfbeiz im Riesenformat herunter zuruft: «Sorry, Venus, Brands fahren auf unsere Plakate, nicht auf Kurven ab.» Wie

Der Schlüssel an der Kirchentür

An der geschlossenen Kirchentür der kleinen Dorfkirche, in der ich hin und wieder als Hilfsorganist amte, hängt der Schlüssel. Na und, werden Sie sagen. Das ist doch nichts Besonderes. Zu einem Schloss gehört ein Schlüssel, oder etwa nicht? Wohl wahr. Nur ist der Schlüssel zu einem Schloss in der Regel

Schliesst die Kommentarspalten!

Online-News-Portale gehören zur heutigen Medienwelt. Und zu ihnen gehören Leserkommentare. Diese dienen der öffentlichen Meinungsbildung. So lautet die Theorie aller mir bekannten Medienexperten. Aber: Stimmt diese politisch hochkorrekte Meinung? Dummes Zeug! Leserkommentare dienen nur dazu, dem von den Verlagen umworbenen Medienkonsumenten vorzugaukeln, er sei wichtig, seine Meinung gefragt.

Osteria Berlusconi

Sie humpelt, lacht selten, und das Herz trägt sie nicht auf der Zunge. Aber sie ist eine Seele von Mensch: Santina, die Besitzerin der Osteria/Pizzeria auf der Stadtmauer mit Blick in die mittelitalienische Landschaft und auf das Adriatische Meer, hinten im Giardino pubblico unseres Städtchens. Dort, wo wir gerne