In dieser Ausgabe
Dossier
Hort der Pioniere
Familienunternehmen galten als traditionell, behäbig und innovationsfeindlich. Das war einmal. Heute werden sie als Zeichen einer vitalen Wirtschaft gefeiert. Zu Recht. Doch: überleben können sie nur, wenn starke Persönlichkeiten sie immer wieder neu erfinden.
Das hässliche Entlein als Flaggschiff
Es mag Produkte mit mehr Sexappeal geben. Wenn es ums Geschäft geht, macht dem Stützstrumpf so schnell aber kein Kleidungsstück etwas vor: Seit 50 Jahren beflügelt die Kompression den Gang der Traditionsfirma Sigvaris. Ein Gespräch über die Innovationskraft von Krisen und die Beinform der Bayern.
«Meine Position ist unkündbar»
Wie frei ist eigentlich eine Familienunternehmerin? Sie entscheidet unabhängig. Sie denkt langfristig. Und sie kann sagen, was sie will. Aber sie kann nicht kündigen. Ein Gespräch mit Franziska Tschudi, die ihr Unternehmen in vierter Generation leitet.
«Der richtige Familienname reicht nicht»
Effizienz und Fachwissen spielen privat eine untergeordnete Rolle. Bei der Unternehmensnachfolge vermischen sich Familie und Business jedoch. Dietrich Pestalozzi musste die rosarote Brille ablegen, als er sein Stahlunternehmen an seinen Sohn übergab.
Wir sind die 88 Prozent
Familienunternehmen arbeiten zumeist still. Sie suchen nicht die Öffentlichkeit, sondern die Kunden. Wenige wissen darum: Sie stellen weltweit die vorherrschende Unternehmensform dar. Aber nur drei Prozent schaffen den Sprung in die vierte Generation.
Weitere Beiträge
Editorial
Den Schweizer Zeitungsmachern dürfte aus dem Jahr 2013 besonders ein Vortrag in Erinnerung geblieben sein: die Rede des damaligen Bundespräsidenten Ueli Maurer, die er vor der versammelten Riege der Verleger in Interlaken hielt. Maurers These: wir haben zwar theoretisch viele Pressetitel, aber wo Vielfalt draufsteht, ist zumeist Einfalt drin. Er
Der Papst, Schumpeter und die Spitze des Wortes
Seit September bin ich Kolumnist der «NZZ am Sonntag», und vergangenen Dezember habe ich mir in meiner Kolumne den ersten offiziellen Text des neuen Papstes – ein apostolisches Schreiben mit dem Titel «Evangelium gaudii» – vorgeknöpft. Ich wollte wissen, ob das Bild des katholischen Reformators, das Franziskus in öffentlichen Auftritten gerne pflegt,
Drogen gegen die Verblödung
Viele Menschen sind süchtig. Nach Essen, Drogen, Sport, Fern-sehen oder sogar nach dem Internet. Wenn sie ihre Sucht befriedigen, erleben die Betroffenen ein High-Gefühl, das sie für einen Moment von den 50 000 anderen Gedanken (geschätzt von der Stiftung National Science) befreit, die ihnen am Tag durch den
Der Schlüssel an der Kirchentür
An der geschlossenen Kirchentür der kleinen Dorfkirche, in der ich hin und wieder als Hilfsorganist amte, hängt der Schlüssel. Na und, werden Sie sagen. Das ist doch nichts Besonderes. Zu einem Schloss gehört ein Schlüssel, oder etwa nicht? Wohl wahr. Nur ist der Schlüssel zu einem Schloss in der Regel
Empfindungen der Freiheit I
Manchmal kitzelt es ihn an der Ferse, dort, wo ein kühler Luftzug an die alte Freiheit erinnert. Die meiste Zeit sitzt er im Verschlag seiner Wohnung, eilt morgens zur Arbeit, vertilgt manierlich seine Rationen und äfft seine Artgenossen nach. Unter dem Joch der Zivilisation hat er früh gelernt, sich unauf-
Es wird besser und besser und besser…
Seit mindestens zwei Dekaden geht es uns Menschen von Jahr zu Jahr besser.
«Die Staatshasser sind zu Etatisten geworden»
Ueli Maurer kritisiert Medien für mangelnde Nähe zum Publikum und zu starke Verflechtung mit der Macht. Er mag die WOZ, lehnt aber 1968er-Deutungsansprüche ab. Stattdessen setzt er auf Wiederverbürgerlichung der Schweiz durch engagierte Frauen und eingebürgerte Ausländer – ernsthaft?
Anschwellende Einfalt
Adeline, Marie, Carlos: die immergleichen Themen, die ewigselben Zugänge auf allen Kanälen, in allen Titeln, in allen Köpfen – im «Blick», im «Tagi», in der «NZZ». Ueli Maurer hat recht, wenn er einen zunehmenden «Einheitsbrei» diagnostiziert. Aber: woher kommt dieser Brei wirklich?
…des Leben-und-Sterben-Lassens
Wir gefallen uns in unverbindlicher Toleranz für eigenwillige Lebensentwürfe. Wer andere nicht schädigt oder stört, kann tun und lassen, was er bzw. sie will. Was aber, wenn man/frau gar nicht mehr will? Lassen wir ebenso frei sterben wie leben? Der Rückzug auf die ureigenen Bedürfnisse, bis hin zur freien
I wo, Vater der Pille!
Nicht mehr lang, und die Forschung wird verkünden: Der künstliche Samen ist erschaffen. Und danach die künstliche Eizelle und der künstliche Uterus. Ausgegeben wird das unter der Losung «Kampf der Zeugungsunfähigkeit». Ein Blick in die nahe Zukunft.
Von unfreien Freiern
Den Freiern in Europa weht vom Norden her ein garstiger Wind entgegen. Schweden büsst sie seit 1999, und Norwegen, Finnland und Island haben ähnliche Gesetze erlassen. Nun wird in Deutschland und Frankreich über ein Prostitutionsverbot debattiert, und auch hierzulande haben jüngst 43 Parlamentarier das Postulat der EVP-Nationalrätin Marianne Streiff-
«Demokratie ist Krise»
Von optimistischen wie pessimistischen Fatalisten hält David Runciman nichts: Europa, so glaubt er, wird weder auseinanderbrechen noch in einem Superstaat aufgehen. Amüsante Krisensitzung mit einem Politikwissenschafter aus Cambridge.
Welchen Staat würden Sie kaufen?
Sie haben sich arrangiert. Sie finden nichts daran, dass Sie nichts zu sagen haben. Sie nehmen, was Sie bekommen. Und Sie bezahlen dafür auch noch einen beliebig hohen Preis. Was braucht es, damit Sie zu einem souveränen Staatskunden werden?
Humanismus für Roboter
Von der Fellweste über den Streitwagen bis zur Zahnplombe: Seit je hat der Homo sapiens sein Leben optimiert und mit anderen Existenzformen fusioniert. Höchste Zeit, die alten Allianzen zwischen Mensch, Tier und Maschine wiederzuentdecken und den Humanismus neu zu denken.
Väter und Söhne…
Meinungen gibt es beliebig viele. Schwierig ist es, eine eigene Stimme zu finden, die die Meinung aus dem grossen Rauschen hervorhebt und sie möglichst von den persönlichen Zuschreibungen an den Urheber emanzipiert. Mit Blick auf die Menschheitsgeschichte und ihre literarische und sonstwie künstlerische Verarbeitung deutet alles darauf hin, dass das
Barzels Universalroman
Ausschnitt aus Hermann Burgers bisher unveröffentlichtem Roman «Lokalbericht»
Über «Barzels Universalroman»
«Barzels Universalroman» ist eine Kostprobe aus Hermann Burgers bislang unveröffentlichtem Roman «Lokalbericht» (1970/71). Dabei handelt es sich um seinen ersten Versuch in der epischen Grossform, den er dann aber 1972 zu Gunsten der allmählichen Verfertigung von «Schilten» (1976) in die Schublade legte. Gleichwohl antizipiert der «Lokalbericht» an vielen Stellen
Von der Küche ins Museum
Der gelernte Koch Li Zhenhua richtet heute im Museum an. Er sucht nach neuen Wegen der Kunstvermittlung und des Werkerlebnisses – was schon mal zu Ausstellungen in Shopping Malls und in die virtuelle Realität führen kann.
Hilfe, ich hasse Kunst!
Von Zeit zu Zeit werden am Rande des Kunstbetriebs schrille Stimmen laut, die den Kunstmarkt mit Hasstiraden und Zerstörungsphantasien bedenken – und damit die Kunst gar zu retten versprechen. Dieses Phänomen kennt die Kunstgeschichte seit den Futuristen. Hinzu kommt der unterschwellig stets vorhandene Kunsthass des Stammtischs, hinter dem sich allerdings meist
Deutschland
Digitalisierte Dämonen, dickdarmkranke Diktatoren und dünnschissige Demagogen denken dialektisch, während die demoskopische Demokratie durch diverse Desaster dahindöst. Deutschland – Dornröschen – definiert die Dolchstosslegende, duldet Drachenblut und die Diaspora.
Nacht des Monats mit 21 Kreditkarteninhabern
Bei einem Kreditkartenherausgeber nimmt Claudia Mäder zwischen 22.30 und 07.00 Uhr die Anrufe jener entgegen, denen die Sorge um die Karte die Ruhe raubt.