«Barzels Universalroman» ist eine Kostprobe aus Hermann Burgers bislang unveröffentlichtem Roman «Lokalbericht» (1970/71). Dabei handelt es sich um seinen ersten Versuch in der epischen Grossform, den er dann aber 1972 zu Gunsten der allmählichen Verfertigung von «Schilten» (1976) in die Schublade legte. Gleichwohl antizipiert der «Lokalbericht» an vielen Stellen schon die spätere Sprachvirtuosität Burgers und kann insgesamt als Experimentierfeld des jungen Autors betrachtet werden. Es ist ein Studenten-, Kleinstadt-, Künstler- und Schlüsselroman in einem – vor allem aber ist es ein Metaroman, der ständig um die eigene Achse kreist. Dessen Ich-Erzähler ist ein junger Student namens Günter Frischknecht, der – im Tessin sitzend – neben seiner Dissertation an einem in Aarau spielenden Roman schreibt und sich dabei zwischen der Lehre seines Doktorvaters Professor Kleinert (i.e. Emil Staiger), den Maximen des Literaturkritikers Neidthammer (i.e. Anton Krättli, damals Kulturredaktor der «Schweizer Monatshefte») und der von ihm bewunderten «Kunst» des Lokalredaktors Barzel aufreibt. Nach dem Vorbild einer Zeitung hat deshalb auch Frischknechts «Lokalbericht» einen mosaikartigen Aufbau aus verschiedenen Einzeltexten – so wie es im hier abgedruckten Ausschnitt, der poetologischen Schlüsselstelle des Romans, propagiert wird. Und noch in anderer Hinsicht fungiert «Barzels Universalroman» als Scharnier: Burger nutzte den Text später für seine journalistische Tätigkeit und pu-blizierte ihn überarbeitet als Kolumne.
Über «Barzels Universalroman»
Unterstützen Sie uns!
Aktuelles
Verschuldete Staaten erhöhen den Druck auf die Notenbanken
Die steigende Staatsverschuldung bedroht die Unabhängigkeit der Zentralbanken, sagt der ehemalige Präsident der Nationalbank, Thomas Jordan. In der Schweiz besorgt ihn vor allem die steigende Regulierung.
Gute Gesundheitspolitik beginnt dort, wo Interessen offengelegt und Entscheide öffentlich begründet werden
Über Medikamentenpreise wird meist nach bekannten Mustern gestritten. Nötig sind nicht bloss weitere ausgehandelte Kompromisse, sondern begründete Entscheide, die Patientenzugang, Innovation und bezahlbare Prämien zusammenführen.
Der Staat wächst auf unserer Bequemlichkeit
Giuseppe Gracia und Lukas Leuzinger diskutieren darüber, warum der Staat immer grösser wird. Ist der Mensch unfähig zur Freiheit – oder gefangen im «sanften Despotismus»?
Survival in the Wolf World
The rules of global politics are crumbling. Marc Saxer’s timely warning maps the geopolitical forces, ideas, and strategies shaping a harsher new era.