In dieser Ausgabe
Dossier
Lachende Anwälte
Auf meiner Floridareise stechen mir am Strassenrand riesige Plakate ins Auge. Darauf strahlen glücklich geschiedene Frauen und wohlgenesene Männer um die Wette und fragen: «Time for divorce?» – «Did you have an accident?» Auf diese Weise werben amerikanische Anwälte um die Gunst potentieller Klienten. So offensiv dürfte ich die Dienstleistungen meiner
Irgendwer arbeitet immer
Ältere Leute pflegen, Software programmieren, Wasserkraftanlagen bauen: Welche Jobs sind heute sicher – und welche morgen? Lynda Gratton analysiert die Veränderungen in der Arbeitswelt. Und stellt fest: die «Mitte» des Fachkönnens bricht weg.
Arbeiten Sie eigentlich gerne?
Und wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Leben? Lohnarbeit, Freiwilligenarbeit und Selbständigkeit: Neue Erkenntnisse aus der Glücksforschung
Nein, nein: Mehr Ukulele spielen!
Gärtnern, Brot backen oder sich mit griechischer Philosophie befassen! Erreichbarkeitsverweigerer Tom Hodgkinson ist von Westlondon ins ländliche Devon gezogen und verkündet von da aus Alternativen zum langsamen Tod in der Lohnarbeit.
Das schwerelose Leben, der alte Traum
Freiheit vom Zwang zur Arbeit? Diese Grundidee des bedingungslosen Grundeinkommens erfreut sich in allen Parteien wachsender Popularität. Dabei fusst sie auf einer Kritik an der Lohnarbeit, die hoffnungslos veraltet ist.
Aktuelle Debatten
«Meinen Sie das im Ernst?» – «Klar!»
Frank Schäffler ist für weniger Politik, für mehr Marktwirtschaft und eine föderale EU. Cédric Wermuth ist für weniger Markt, mehr Politik und eine Vergemeinschaftung der Union. Ein offenes Gespräch über Europa, Exportwahnsinn und Enteignung.
Weitere Beiträge
Editorial
Wer die Welt durch unser Magazin betrachtet, pflegt nicht den Röhren-, sondern den Röntgenblick. Die Leser bekommen Monat für Monat gedankliche Tiefenschärfe aus erster Hand geliefert – das ist der Anspruch unserer Arbeit als Macher einer Autorenzeitschrift und jener unserer Autoren sowieso. Apropos Arbeit. Sie ist in unseren Breitengraden längst nicht
Der Zornbürger
Thomas Minder ist der neue Volksheld der Schweiz. Gegen den vereinten Widerstand von Regierung, Parlament und Establishment hat er zusammen mit Claudio Kuster seine «Initiative gegen die Abzockerei» unerschrocken zum Erfolg geführt. Es gab zwar immer wieder Momente des Zweifels und der Schwäche, in denen er den Besänftigungsversuchen parlamentarischer Kollegen
Die Urteilsguillotine
Kennen Sie das? Sie treffen jemanden zum ersten Mal und denken: Ich kann ihn nicht ausstehen. Erst im nachhinein, vielleicht Jahre später, merken Sie, dass Sie diese Person sogar sehr mögen, vielleicht gar mit ihr verheiratet sind? Unsere Erfahrungen verleiten uns dazu, Individuen in extrem kurzer Zeit zu kategorisieren: «Gutmenschen»
Futterkrippenplätze
Das hätten Sie nicht gedacht: Die Schweiz ist in puncto Krippenplätze für Kinder europäische Spitze! Jedenfalls, was die Kosten pro Krippenplatz angeht. Die machen im Durchschnitt ein Drittel eines helvetischen Haushalteinkommens aus (in den Nachbarländern 9 – 19 Prozent). Sind mit anderen Worten für Familien, vor allem für solche mit mehr
Das Eisloch
Einsam sieht der Wachmann in die kalte Ebene hinaus. Das kreisrunde Loch ist mit einem Band abgesperrt. Am Boden liegen Eisbrocken, im Gegenlicht glitzern Splitter und Kristalle, man erkennt Fussabdrücke, Reifenspuren. Gleissendes Sonnenlicht erhellt die weisse Fläche. Die Taucher haben unter dem Eis nichts gefunden und die Suche nach mehreren
Unternehmen sind immer sozial
Im Management ist ein Verlust von Unterscheidungen zu beobachten. In einer Gesellschaft, in der das schlechte Gewissen zum Normalzustand wurde, moralisiert sich auch das Management. Betrieben von der Politik, den Medien, aber auch den Konsumenten, müssen Unternehmen nicht mehr nur wirtschaften, nein, «sozial verantwortungsvoll» sollen sie das tun. «Sozial» meint
«Ich rede, wenn ich etwas zu sagen habe»
Aufmerksamkeit ist wertvoller als ein neues Auto. Ein Liter Benzin sollte etwa 5 Franken kosten. Reines Wirtschaftswachstum führt in die Irre, sagt Theologe und Philosoph Rudolf Wehrli, Präsident von Economiesuisse. Wie denkt dieser ungewöhnliche Wirtschaftsdachverbands-Chef?
Föderalismus, Vielfalt und Glück
Wenn das Mehr der Stände die Mehrheit der Wähler überstimmt, dann heisst es jeweils: weniger Föderalismus, mehr Demokratie! Das ist zu kurz gedacht. Und zu kurzfristig. Ein Plädoyer für echte kantonale Souveränität.
Zur Lage der Verbindlichkeit
Verbindlichkeit kommt von «Verbinden» und ist eigentlich eine Tugend. Sichere Bindungen und verbindliche Strukturen sind die Basis eines gesunden persönlichen Lebens, produktiven Wirtschaftens, einer freundlichen Gesellschaft. Verbindlichkeit beruht auf einer doppelten Übereinkunft. Sie setzt einen zeitlichen und örtlichen Rahmen voraus, an den sich alle halten. Ein Fussballspiel dauert immer 90
Biedermann und die Euro-Brandstifter
Max Frisch reloaded: literarisch-politische Betrachtungen zum europäischen Haus
Zu viele deutsche Professoren?
Der Anteil deutscher Akademiker an Schweizer Fakultäten ist hoch. Aber ist er zu hoch?
Vom Leben als taube Nuss
Selbstverliebt, haltlos, trivial: unsere simulierte Existenz. Eine Provokation.
Raumplanung mal anders: Hongkong
Mein Konzert zuoberst auf einem 55stöckigen Hochhaus in Hongkong habe ich als etwas Besonderes in Erinnerung. Das Dach: eine fliegende Oase über einer Wüste aus aufgewirbeltem Sand. Von oben kaum zu sehen, aber kurz zuvor noch am eigenen Leib erfahren: Dicht an dicht bewegen sich die Menschen durch die Strassen
«Ich habe etwas gegen Ismen…»
Das richtige Wachstum? Der vollkommene Markt? Der gute Mensch? Silvio Borner ist allergisch gegen Vereinfachungen. Gegen Moden. Und gegen Besserwisser. Begegnung mit einem unerschrockenen Schweizer Ökonomen.
Wie alles begann…
Am Anfang der Selbstdemontage des Finanzplatzes Schweiz steht paradoxerweise eine geglückte Aktion: die Rettung der UBS durch den Staat vor sechs Jahren. Seither gibt Bundesbern den Ton an. Doch Erfolg macht blind. Bern hat seither manchen Flop gebaut. Wir erinnern uns: Im Frühjahr 2007 zählte sich die UBS in ihrem
Arbeitsweg
Mein eigener Arbeitsweg führte mich schon in jungen Jahren zu Fashionshows auf der ganzen Welt. Modephotographie. Egal, ob in Kairo oder New York: Make-up, Licht, harte Linien, Wimpernaufschlag, Lippenstift. Nun diese Flipflops in rotem Dreck. Zwei Beine, die, balancierend, einen mühsamen Schritt vor den anderen tun. Der Weg zur
Mit offenen Armen in die Unmündigkeit
Der Schriftsteller Peter Stamm forderte jüngst lautstark mehr staatliche Unterstützung für die finanziell gebeutelte Autorenzunft. Dass ein selbsternannter Vertreter seiner Berufsgattung in deren Namen wiederholt einen Platz auf dem Subventions-Ponyhof einfordert, ist vorhersehbares Kalkül. Dies erfolgreich als zivilisatorischen Imperativ zu verkaufen: immerhin eine respektable Leistung. Der allgemeine Zuspruch darauf:
Die Dekonstruktion des Alltags
Er zeichnet und malt, liebt Cervelats, baut Skulpturen, und den Coverphotos schöner Models treibt er schon einmal Finger durch die Wangen. Beni Bischof weiss: das Leben ist kein Ponyhof. Aber als Spielwiese taugt es ausgezeichnet.
Der Ausverkauf von London
«Bumm!» statt Boom: der britische Schriftsteller John Lanchester hat einen Bestseller über die Finanzkrise geschrieben. Statt auf Zahlen und Fakten setzt er auf literarisierte Einzelschicksale und zeigt: Nichts ist mehr sicher. Auch dort nicht, wo es Geld regnet.
Nacht des Monats mit Emil Zopfi
Emil Zopfi führt als Bergführer durch den Zürcher Üetliberg.