Ausgabe 1123 – September 2026
Der Staat wächst: Wie wir die Bürokratie wirksam zähmen
Der Staat wächst: Wie wir die Bürokratie wirksam zähmen
In dieser Ausgabe
Schwerpunkt
«Wenn ein Gesetz vors Volk kommt, überlegt sich das Parlament genauer, welche Vorlagen es überhaupt verabschiedet»
Wo Bürger über Gesetze und Ausgaben mitentscheiden, wächst der Staat langsamer. Der Ökonom Mark Schelker erklärt, warum Referenden Sonderinteressen bremsen.
Ein Föderalismus mit mehr Wahlfreiheit
Unter den heutigen Strukturen ist der Wettbewerb unter Gemeinden und Kantonen eingeschränkt. Innovation wird verhindert. Das Konzept der FOCJ könnte das ändern.
Eine «Ervolksprämie» für Volksinitiativen könnte das Grundproblem der Politik lösen
Politiker haben wenig Interesse daran, gute Politik für die Allgemeinheit zu machen. Eine finanzielle Belohnung für erfolgreiche Volksinitiativen könnte das ändern.
Ihre Institutionen haben die Schweiz erfolgreich gemacht – doch das Land droht vom Sonderweg in den Gleichstrom abzudriften
Auf dem Papier ist die Schweiz noch die föderale Willensnation mit Schuldenbremse. Doch hinter der Fassade mutiert das Land schleichend zu einem Zentralstaat. Warum die bewährten institutionellen Bremsen gegen das Staatswachstum zunehmend versagen – und was es für eine echte Kehrtwende braucht.
Japan ist kein Beispiel für erfolgreichen Staatsinterventionismus – im Gegenteil
Mit massiven schuldenfinanzierten Ausgaben hat der japanische Staat versucht, die wirtschaftliche Stagnation zu überwinden. Stattdessen versinkt das Land immer weiter im Teufelskreis.
Der Staat muss denen helfen, die ihn wirklich brauchen
Die steigenden Ansprüche führten zu immer höheren staatlichen Leistungen – auch für jene, die sie nicht nötig haben. Sinnvoller wäre ein Fokus aufs Wesentliche.
Der Staat wächst im Verborgenen
Der Blick auf das Wachstum der Kernverwaltung zeigt nur das halbe Bild des Staatswachstums. Berücksichtigt man auch ausgelagerte Bereiche und öffentliche Unternehmen, arbeitet fast jeder Vierte für den Staat.
Staatsquote ist nicht gleich Staatsquote: Die gängige Metrik zeichnet für die Schweiz ein zu rosiges Bild
Wie gross ist der Staat? Die Antwort hängt davon ab, was man genau misst. Wer genauer hinschaut, merkt: Der Schweizer Staat ist nicht so schlank, wie er scheint.
Warum die Schuldenbremse den Staat handlungsfähig hält
AHV, Armee, Infrastruktur: Für vieles gibt es gute Gründe. Für alles reicht das Geld nicht. Die Schuldenbremse verhindert politische Entscheide nicht, sondern zwingt zu Prioritäten, solider Finanzierung und bewahrt Spielraum für Krisen.
Gefangen in selbst geschmiedeten Ketten
Das Wachstum des Staates ist kein Unfall, sondern demokratisch gewollt. Der Mensch ist zur Freiheit geboren, doch der Bürger wird zur Abhängigkeit erzogen.
Ein schlanker Staat beginnt an der Urne
Die Verwaltung wächst, die Unternehmen ächzen unter der Last der Regulierung. In einer direkten Demokratie reicht es jedoch nicht, über «den Staat» zu klagen: Wir haben es selbst in der Hand, ihm Grenzen zu setzen.
Der Staat subventioniert sich selbst
Der Staat sollte Marktversagen heilen. Doch das Gegenmittel wird selbst zum Gift. Wer verstehen will warum, muss zurück zu den Grundlagen des Handels.
Manchmal muss die Freiheit um ihrer selbst willen eingeschränkt werden
Der Staat ist nicht nur Garant von Freiheit, sondern schützt auch vor ihrem Missbrauch. Wie viel Zwang dazu legitim ist, beschäftigt die Philosophie seit Jahrhunderten.
Das schädliche Fischen nach Subventionen
Subventionen wachsen selten nach Masterplan, sie lagern sich über Jahrzehnte ab. Der Bund muss besser kontrollieren, wohin die vielen Geldströme fliessen.
Eine Bremse ersetzt kein Lenkrad: Wie ein schlanker, effizienter Staat gelingen kann
Die Verwaltung zu verschlanken, ist ein ehrenwertes Ziel. Man muss aber bei den Wurzeln ansetzen: beim wachsenden Aufgabenkatalog.
«Irgendwann geht das Geld aus»
Das Bild des schlanken Schweizer Staats sei ein Mythos, sagt der Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann. Sorgen macht ihm vor allem die Kombination von hoher Staatsquote und hoher Regulierungsdichte.
Dossier
Gute Gesundheitspolitik beginnt dort, wo Interessen offengelegt und Entscheide öffentlich begründet werden
Über Medikamentenpreise wird meist nach bekannten Mustern gestritten. Nötig sind nicht bloss weitere ausgehandelte Kompromisse, sondern begründete Entscheide, die Patientenzugang, Innovation und bezahlbare Prämien zusammenführen.
Der Regulator verdient mit
Die Errungenschaften der Pharmaindustrie sind enorm. Die Unternehmen agieren jedoch unter dem Einfluss von Anreizen, die problematisch sein können.
Hat Big Pharma einen zu grossen Einfluss auf die Politik?
Das Engagement der Pharmaindustrie in Bundesbern stösst immer wieder auf Kritik. Dieses ist allerdings die logische Folge der starken Regulierung.
Geistiges Eigentum ist ein Motor der Innovation
Patente schützen innovative Pharmafirmen vor Trittbrettfahrern. Sie werden auch im Zeitalter der künstlichen Intelligenz wichtig bleiben.
PRO: Ohne Patente keine Innovation
Wer reich und berühmt werden kann, ist sehr motiviert, Spitzenleistungen zu erbringen, auch in der Forschung. Das ist nur mit Patenten möglich.
CONTRA: Patente sind marxistisch
Patente versuchen, Ideen zu besitzen – und scheitern daran. Sie bremsen Innovation und besteuern unser gemeinsames geistiges Erbe.
Das Zulassungsdilemma: Wenn Sicherheit Zeit kostet
Ein schneller Zugang zu neuen Medikamenten ist wichtig. Schnelligkeit kann auf Kosten von Evidenz über Sicherheit und Wirksamkeit gehen. Wie wenig Evidenz sind wir in Kauf zu nehmen bereit, damit Patienten früher Zugang zu neuen Therapien erhalten?
Europas Trittbrettfahrer-Strategie bei der Finanzierung der Pharmaforschung stösst an ihre Grenzen
Die Entwicklung von Arzneimitteln ist teuer. Damit sich Forschung für Pharmafirmen lohnt, braucht es eine kluge internationale Koordination bei den Preisen – sonst werden Wirkstoffe gar nicht hergestellt.
Tierversuche lassen sich noch nicht vollständig ersetzen – doch die Schweiz muss Alternativen schneller fördern und regulatorisch anerkennen
Ein sofortiger Ausstieg aus Tierversuchen ist derzeit unrealistisch. Neue Methoden bieten jedoch die Chance, Tiere gezielter zu ersetzen, ihre Zahl zu senken und Belastungen konsequent auf das Nötigste zu begrenzen.
Nicht die Medikamentenpreise treiben die Gesundheitskosten, sondern höhere Mengen und neue Therapien
Arzneimittel werden seit Jahren günstiger. Dass die Ausgaben dennoch steigen, liegt vor allem an der wachsenden Zahl von Behandlungen und an neuen Therapien.
Die Gans, die goldene Eier legt
Wenn es um Pharma geht, tönt der Hass überall gleich, von links bis rechts. Von Stolz über die bedeutendste Exportbranche des Landes ist jedenfalls wenig zu spüren. Warum eigentlich?
Sechs Vorurteile gegen die Pharmaindustrie – und wie viel sie taugen
Die Pharmaindustrie ist immer wieder Zielscheibe von Kritik. Wir unterziehen die sechs populärsten Vorwürfe einem Realitätscheck.
Aktuelle Debatten
Die Demokratie bleibt mit den EU-Verträgen auf dem Papier intakt – vor allem das Parlament verliert jedoch an Gestaltungsspielraum
In der Debatte über die Bilateralen III werden die Auswirkungen auf die Demokratie vernachlässigt. Die dynamische Rechtsübernahme stärkt die Rolle des Bundesrats gegenüber dem Parlament.
Die Meritokratie ist eine Illusion: Eine freiheitliche Ordnung basiert darauf, was jemand leistet – nicht was er «verdient»
Der freie Markt belohnt Leistung. Allerdings sind die Voraussetzungen dafür, etwa Intelligenz, zu einem guten Teil angeboren. Das fordert den Liberalismus heraus.
Wir Historiker haben versagt: Der Logik der TikTok-Antisemiten sind wir nicht gewachsen
Die Werkzeuge, die einst Holocaustleugner entlarvten und widerlegten, sind gegen künstliche Intelligenz und Algorithmen machtlos. Gibt es ein Gegenmittel?
US-Vizepräsident J. D. Vance beschreibt seine religiösen Konversionen – diese stehen im Einklang mit seiner Politik
Als Politiker ist J. D. Vance ein Opportunist. Als Autor ist er tiefsinnig und reflektiert. Welche Seite würden wir in einem allfälligen US-Präsidenten Vance sehen?
PowerPoint baut keine Häuser: Mit der Schwächung der Berufsbildung verspielt die Schweiz ihre grösste Stärke
Die Hörsäle füllen sich mit Soziologen und Philosophen, während auf dem Bau, in den Werkstätten und in der Pflege die Fachkräfte fehlen. Der Akademisierungswahn bedroht den Schweizer Wohlstand.
Weitere Beiträge
Pioniere der Wirtschaftsgeschichte: Hans Künzi – Staatsbankrott wegen eines Computers?
Der Mathematiker Hans Künzi war ein Vorreiter in der Verfahrensforschung. Dennoch ernannte ihn der Zürcher Regierungsrat zunächst nicht zum Professor – aus finanziellen Gründen.
Der Staat wächst im Verborgenen
Der Blick auf das Wachstum der Kernverwaltung zeigt nur das halbe Bild des Staatswachstums. Berücksichtigt man auch ausgelagerte Bereiche und öffentliche Unternehmen, arbeitet fast jeder Vierte für den Staat.