In dieser Ausgabe
Dossier
Wörterbuch für Wendeländer
Wenn Strombarone den Zappelstrom ächten und nachhaltig unsere Zukunftsfähigkeit gefährden, während fortschrittsgläubige Öko-Gurus konstante Sparpotentiale orten und masslose Effizienz predigen, sind wir im Wortwirrwarr der Energiewende. Ein kleines Glossar schafft Klarheit.
Die Botschaft der Botschaft ist Planwirtschaft
Die Energiebotschaft des Bundesrats verspricht komfortable Stromreserven, berücksichtigt aber die Realität nicht ausreichend. Die fahrlässigen Szenarien erfordern Zwang, doch die Zukunft lässt sich nicht planen.
It’s all about money!
Kernfusion, Schiefergasfracking oder erneuerbare Energien – Nobelpreisträger Steven Chu lernte als US-Energieminister: Politik dreht sich um Preise. Nun arbeitet er daran, erneuerbare Energien günstiger und speicherbar zu machen. Ein Gespräch über die Zukunft der Energieversorgung.
Stromlücke und Vernunftmangel
Die Schweiz mit eigener Sonnenenergie versorgen? Kein Problem – wenn wir das Wallis mit Kollektoren zupflastern und die Alpentäler mit Stauseen überfluten. Szenarien für ein Land, in dem die Politik sich an der Moral orientiert und mit der Atomenergie die Ratio verabschiedet.
Wasserkraft bachab?
Wasserkraft finden eigentlich alle gut. Und die Schweiz ist dafür wie geschaffen. Die willkürliche Subventionierung von Solar- und Windenergie macht die Wasserkraft jedoch zunehmend unrentabel. Das glauben Sie nicht? Schilderung eines konkreten Falls aus aktuellem Anlass.
Reine Glaubenssache
Einheimische Energiepolitiker debattieren gerne über die vermeintlich «besten» Kraftwerkstechnologien. Und sie punkten, indem sie Stromproduzenten allerlei Subventionen in Aussicht stellen. Vor dem Hintergrund der europäischen Entwicklungen ist das besonders teuer und ineffizient.
Aktuelle Debatten
Brasilien und Fussball I
Bis das Alter seinen Tribut forderte, habe ich leidenschaftlich Fussball gespielt. Auch in Brasilien, bis vor kurzem, fast zehn Jahre lang. Eine Partie unter Freunden nennt sich da «pelada» («nackt») und ist terminologisch scharf von einer echten «partida de futebol» zu unterscheiden. Man trifft sich beispielsweise samstags um 10 Uhr
Brasilien und Fussball II
«Brasilianer werden ist schwierig, weil es eigentlich keine Brasilianer gibt.» Der Medienphilosoph Vilém Flusser, der 1939 vor den Nazis aus Prag nach London und später nach São Paulo floh, wo er bis 1971 lebte und lehrte, wusste zweifellos, wovon er sprach. Brasilien ist ein Durcheinander, eine portugiesisch-afrikanisch-indianisch-japanisch-
Die Energiefrage im Generationenvertrag
Am 18. Mai haben zwei Kantone über ihre Energiepolitik abgestimmt. Im Kanton Bern stand die sofortige Abschaltung des Kernkraftwerks Mühleberg zur Diskussion, im Kanton Neuchâtel ging es um die aktive Förderung von Windkraftanlagen. Im Zentrum der Diskussion steht stets die Frage der Nachhaltigkeit. Auch im Rahmen der Energiestrategie 2050 des
Weitere Beiträge
Relevanz Fussball
Fussball ist, wenn man trotzdem mitredet. Die Fussballwelt gehorcht derselben Regel wie die politische: Jeder hat eine Meinung, auch wenn er keine Ahnung hat. Dieses Magazin legt Wert auf die Darlegung ebenso differenzierter wie relevanter An-, Gegen- und Aussensichten zur herrschenden Lage. Doch ist Fussball relevant? Immanuel Kant schrieb in
Making of 1017
König Fussball regiert auch uns In diesem Monat ändern sich unsere Geschäftszeiten: Vom 12. Juni bis zum 13. Juli erreichen Sie uns Montag bis Freitag frühestens ab 12:00 Uhr mittags. König Fussball regiert auch uns, sogar von Brasilien aus – und trotz verbriefter Obrigkeitsskepsis. Im Ernst: damit Sie, liebe Leser,
Bücher? Weg damit!
Die Astronomie war jahrhundertelang die Königin der Wissenschaften. Warum eigentlich? Weil sie für die Menschen ihrer Zeit – ihre Nautik, ihre Kalender- und vor allem ihre astrologischen Berechnungen – so grossen Nutzen stiftete? Eher nicht. Sondern weil ihre geheimnisvollen Instrumente, ihre Observatorien beispiellos kostspielig waren. Die Investitionen in diese Prestigewissenschaft waren wahrlich
Wie rund ist der Ball?
Von der brasilianischen Seleção keine Spur: wenn es nach der englischen Komikertruppe Monty Python ginge, müssten sich im WM-Final Griechenland und Deutschland gegenüberstehen. So will es einer ihrer Sketches, der ein denkwürdiges Spiel zeigt: Platon, Aristoteles & Co. gegen eine deutsche Elf mit philosophischen Himmelsstürmern wie Hegel und Nietzsche.
Die Börse als fünfte Gewalt
Harsche Reaktionen der Kapitalmärkte auf dumme Politik sind nicht auf Schurkenstaaten beschränkt.
Vorwärts, So-li-da-ri-tät!
Auch so ein Wort, das durch täglichen Missbrauch abgenutzt und mürbe geworden ist. Oder war es damals schon verschlissen, als man jubelnd singend danach marschierte, von Brecht die Worte, von Hanns Eisler die Melodie? Organisierte deutsche Schriftsteller, die stets gern laut in den Chor eingefallen sind, haben mit der Solidarität
Der tote und der lebendige Fussball
Urs Siegenthaler, Chefscout des deutschen Bundestrainers, verrät das Erfolgsrezept für eine WM: klare Idee, Schnelligkeit, Spielintelligenz und reibungslose Kommunikation. Der Basler hat für schlechten Fussball keine Zeit.
Mach’s gut, Sepp!
Konfliktherde in Syrien, Irak und Afghanistan, interstaatliche Krisen zwischen Israel und Palästina, Ressentiments auf Zypern. Friedensarbeit ist gefragt wie selten in der Welt. Ein klarer Fall für die Fifa! Meint jedenfalls ihr Präsident.
Politik und Poesie
Wo Wahlkämpfe zur Märchenstunde und Gedichtbände zur Propaganda werden, da stimmt etwas nicht. Gedanken einer Autorin, die politische Sachbücher und auch Kriminalromane verfasst – beide Domänen aber aus guten Gründen voneinander trennt.
Denkpause unter der Dusche
«Freude herrscht!», rufe ich aus, wenn ich Post von Lesern dieser Kolumne erhalte. Ein geistreicher Leser schrieb mir, der Manager habe gar keine Zeit zum Reflektieren, weil er täglich Leistungen erbringen müsse; das mit dem Nachdenken werde leider oft wiederholt und sei «kalter Kaffee». – «Ja, kalter Kaffee soll schön machen»
Moskau – Kijew einfach
Wem gehört die Krim? Wem die Ukraine? Wer so fragt, muss auch fragen: Wann? Denn: Kijew war schon eine reiche Metropole, als Moskau noch nicht einmal den Rang einer Stadt hatte. Ein historischer Streifzug durch das Dickicht nationaler Besitzansprüche.
Schlaf, Menschlein, schlaf
Arianna Huffington über Verblödung, Hyperaktivität und Wandergespräche
Her mit der Migrationsallianz!
Manchmal befällt mich das Gefühl, dass die Schweiz mit ihrem geographischen Platz inmitten Europas hadert, der Umzug in andere Weltgegenden jedoch aus logistischen Gründen schwer zu bewerkstelligen ist. Nachdem die Personenfreizügigkeit mit der EU durch die vom Volk angenommene Masseneinwanderungsinitiative gleichsam torpediert wurde, tut unser Land nun gut daran, konsequent
Kann man unser Wirtschaftssystem gegen Krisen «immunisieren»?
Abstürze sind systemimmanent. Es hat sie immer gegeben und wird sie immer geben. Selbst das perfekte System ist nur eine Art Computerprogramm, das rein rational, emotionslos, ohne Ödipus-Komplex oder Religion – mathematische Algorithmen, bestehend aus Nullen und Einsen – funktioniert. Und ja, sogar solche Systeme erleben den aus Windows-98-Zeiten
Verkappte Verkehrspolitik
Das Morgental bildet mit seinen vielen Läden das Herz des öffentlichen Lebens von Zürich-Wollishofen. Der Stadtrat kam vor über zehn Jahren mit einem Plan, wie das Morgental «attraktiver» zu gestalten sei. «Attraktiver» bedeutet im links-grünen Zürich: eingeschränkter Individualverkehr. So auch hier: Die bisherige Tramhaltestelle sollte in beide Richtungen
Splitter aus der Redaktion
90 Minuten forever Es gab eine Zeit, als der Herausgeber nur eines im Kopf hatte – Fussball. Philosophie? Ökonomie? Bücher? Fehlanzeige. Die jugendlichen Zeiten sind vorbei, heute ist Fitness angesagt, Intervall-Sprinttraining, Liegestützen, Rumpfbeugen, Logic Workout auf flottierenden Bällen. Denn frei nach Nietzsche: Wer glaubt schon einem Publizisten, der unfreiwillig ein
Gruppenfreiheit
An der Strassenecke dürfen nicht mehr als drei Personen zusammenstehen. Ein Paar mit Kleinkind ist noch gestattet; kommt ein Freund oder Fremder hinzu, erregt dies sofort Argwohn. Die harmlose Familie könnte eine Tarnung sein, was führen die drei Erwachsenen im Schilde? Ist die Konversation subversiv, beklagen sie sich, schmieden sie
Nirvana
Es ist spät, und ich kann nicht schlafen. Ich schiebe ein Fenster hoch, um etwas Palo-Alto-Frühlingsluft hereinzulassen, doch auch das hilft nicht. Mit offenen Augen im Bett liegend höre ich ein Flüstern, was mich an den Präsidenten denken lässt, weil wir oft im Flüsterton miteinander sprechen. Ich weiss,
…des Umgangs mit dem Fremden
Knapp vier Monate sind seit der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative vergangen und wir sind noch immer verärgert. Die primitive Stimmungsmache gegen Ausländer ist eine von vielen Quellen unseres Ärgers. Die Liberalen, die Linken und die Unternehmer haben sich zu sicher gewähnt, die untergründige Stimmung im Land nicht ernst und den
Wie ein Profi über Kunst reden – der Schnellkurs zur Art Basel
Die Art Basel steht an. Und vor dem Besuch der weltweit wichtigsten Kunstmesse fragen sich stets Tausende: Wie rede ich da lässig und zugleich geistreich über Kunst? Erster Versuch: «Das sagt mir was!» – Etwas schwierig, wenn Sie das «Was?» dann konkret benennen müssen, nicht? Todsicher gelingt die Nummer mit dem
Nacht des Monats mit sieben Freunden und Bekannten
Treffpunkt: Quartierbeiz Am Tisch sitzen vier Männer und drei Frauen, die in den späten 70ern und frühen 80ern geboren wurden.