In dieser Ausgabe
Dossier
Schauen Sie in den Spiegel!
Wie Sie Ihre Kinder erziehen, ist nicht Ihre Privatsache. Sex haben will gelernt sein. Und worin Ihr persönliches Glück besteht, sagen Ihnen freundlicherweise angebliche Experten. Das finden Sie okay? Dann sollten Sie John Locke lesen. Dringend.
An der langen Leine
Sie wollen nur das Beste für die anderen. Sie üben sich in Sanftmut. Sie zwingen nicht, sondern leiten an. Dabei vollenden sie bloss eine moderne Technik der Macht. Die neuen Paternalisten nennen sich Verhaltensökonomen und Sozialarbeiter – und wissen ganz genau, was sie tun.
Wir Alkoholiker
Für die Krankenpflege sorgt der Staat, also fordert er auch die Gesundheitsvorsorge. Der Bund will gegen alle Widerstände durchsetzen, dass die Menschen weniger essen, rauchen, Alkohol trinken oder Salz zu sich nehmen. Ein Blick auf das amtliche Treiben, das ohne gesetzliche Grundlage auskommt.
Der Brave-Bürger-Bastelbogen
Lustige Müllschilder, Fliegen in Pissoirs und Obst in der Mensa: Subtile Psychotricks lenken unser Verhalten unauffällig in gewünschte Richtungen. Diese eleganten Schubser degradieren den mündigen Bürger zum leicht verführbaren Konsumenten.
Sind «Nudges» manipulativ?
Kritiker meinen, dass «Nudges» häufig subtilen Formen von Manipulation glichen. Müssen sich Autonomie liebende Menschen vor «Nudges» fürchten? Ein Begründer des Konzepts antwortet auf kritische Fragen.
Aktuelle Debatten
Diplomatie und Souveränität
Als unabhängiges Land hat die Schweiz die Wahl: über wie viel Selbstbestimmung oder Fremdbestimmung wollen wir in welchen Bereichen verfügen? Der Schweizer Chefdiplomat Yves Rossier über mögliche Ansätze für einen neuen innenpolitischen Konsens.
Der Markt als Menschenbändiger
Von der Religion über den Staat bis zur Kunst: Mit allen Mitteln soll der Mensch gezähmt werden. Was, wenn es der Markt wäre, der dazu am besten geeignet ist? Wo gefeilscht wird, wird nicht getötet – und wo sich nichts erzwingen lässt, ist für alle alles möglich.
Verführung zur sanften Lenkung
Konfuzius wird der Gedankengang zugeschrieben, dass, wenn die Worte nicht stimmen, auch die Begriffe nicht stimmen und schliesslich die Gesellschaft in Unordnung und der Staat in Gefahr gerät. Mit Worten wird Politik gemacht. Manche Worte schmeicheln sich ein und lassen die Absicht, die dahintersteckt, nur schwer erkennen. Ein Beispiel für
Weitere Beiträge
Editorial
«Bevormundung» ist ein hartes Wort. Vor dem inneren Auge erscheint ein finster dreinblickender Mensch, der entscheidet, was für mich am besten ist. Niemand will solche Vormünder – und solche staatlicher Art noch weniger. Aber will darum niemand staatliche Bevormundung? – Die Antwort ist Nein. Längst bestimmen staatliche Autoritäten, wie wir uns zu
Making of 1023
Die freie Rede im Visier Wir heissen Florian und Nora, Michael und René, seit dem 7. Januar 2015 aber sind wir alle auch ein bisschen Charlie – oder lieber doch nicht? Unzählige Fragen beschäftigen uns, als Bürger wie als Publizisten, als Europäer wie als Freiheitsfreunde; Antworten haben wir kaum gefunden, nur
Charlie Hebdo: stille Fragen in einer lauten Welt
Glauben mitteleuropäische Satiriker und Publizisten angesichts von Gewehren und Granaten wirklich noch an die Macht des Wortes? – Ist die Publikation anstössiger Cartoons heute ein mutiger Akt in einer angespannten Lage? Oder ist es Effekthascherei in einer empörungsbereiten Gesellschaft? – Fehlt es Terroristen und Satirikern gleichermassen an Phantasie? Während die einen
«Finale»
Ah! Der Höhepunkt! Das rauschende Finale! Hören Sie den Tusch? Die schmetternden Hörner, das klagende Fagott, die schmeichelnden Streicher? Ein Abgang mit Pauken und Trompeten, das ist doch, was sich jeder wünscht, wenn es dem Ende zugeht. Finale furioso! Und kein finales Siechtum. Nein, Ende ist nicht gleich Ende. Finis!
Handschrift und andere Zumutungen
Das war wohl das schlimmste Fettnäpfchen, in das ich letztes Jahr getreten bin: Ich schrieb einer jungen Dame einen Brief. Von Hand! Mit dem Wunsch, sie doch bald wieder einmal zu sehen. Reaktion: Schockstarre, Schweigen. Enthielt der Brief vielleicht Unziemliches, Ausdrücke, die eine junge Dame erröten liessen? Keineswegs. Es muss
Eidgenossenschaftsflüchtlinge
Aktuell wird in Bundesbern die Unternehmenssteuerreform III diskutiert. Schon der Name ist ein Ungetüm.
Cry Freedom
Ein Samstagmorgen im Winter. Es ist früh und ich bin auf dem Weg nach Brasilien. Die elf Stunden vergehen leider nicht im Flug. Nach dem Studium diverser Zeitungen und dem Genuss des neuen Woody-Allen-Streifens bleibe ich beim Scrollen durch das Bordprogramm bei «Cry Freedom» hängen. Der Film war
Charlies falsche Freunde
Wer Charlie ist, ist noch lange kein Anwalt der Redefreiheit. Im Gegenteil: Die Politiker, die sich in Paris am sichtbarsten für sie stark machten, setzen ihr im Westen am meisten zu – allenthalben werden unliebsame Meinungen gesetzlich beschnitten. Eine Bestandsaufnahme.
Vom Einheitsdenken im Land der Freiheit
Niemand kennt die Antworten auf Fragen zur Terrorismusbekämpfung und Perspektivlosigkeit junger Immigranten. Klar ist: Man braucht offene Diskussionskultur. In Frankreich sucht man danach vergebens.
«Ein Stilmittel.» «Genau das ist 68!» «Da hast du jetzt recht.»
Fünf ehemalige Studenten der Universität Zürich wollten die Schweiz verstehen. Im Neumarkttheater sprach Thomas Zaugg, Autor von «Blochers Schweiz», mit ihnen über wilde Tage – vergangene und kommende. Adolf Muschg war Special Guest. Wir dokumentieren dieses denkwürdige Gespräch.
1968 und die Gegenwart
Die grosse politische Revolution ist damals zweifellos missglückt. Doch haben viele 1968er Karriere gemacht, höchstwahrscheinlich ohne Krawatte und mit Jeans statt Buntfaltenhosen – aber sie taten es. Erfolgreich. Die Voraussetzungen hierfür waren ideal: Sie waren zumeist gut ausgebildet, wurden früh politisiert, erwiesen sich als geistig flexibel, verfügten über intakte Seilschaften. Die
Grosse Klappe – was dahinter?
Die Welt von 1968 war wohl keine heile. Ob es um von der Realität überholte, aber staatlich forcierte Familien- und Lebensmodelle und damit verbundene Repression ging, um einen explodierenden Generationenkonflikt oder – wie in den USA – um die Rassen- und Bürgerrechtsfrage: die sogenannten 68er prangerten diese Zustände erstmals seit dem Krieg
Zu Yves Rossier Essay
Yves Rossier kennt die Mechanik der Schweizer Konsensmaschine und weiss, dass sich Wahljahre nicht dazu eignen, grundsätzliche Diskussionen zu führen. Warum tut er es trotzdem – und warum in dieser Zeitschrift?«Die Aussenpolitik birgt immer die Gefahr, dass sie das Land teilt», sagte Rossier, bevor er sein Amt als Staatssekretär antrat.
…der Perfektion im Schweizer Infrastrukturbau
Was darf eine Tramhaltestelle kosten? Wir meinen natürlich eine mit einem Unterstand für Regentage, von Orthopäden entwickelten Bordsteinen und einem bärensicheren Abfalleimer. Wir hätten geschätzt, dass die zu Luxus neigende Little Big City grosszügig einige zehntausend Franken dafür springen liesse… immerhin World Class – Swiss Made. Dass aber gleich CHF 170
Das ist des Putins Kern
Kennen Sie die Geschichte von Putin, Merkel und dem Hund? Angela Merkel hat panische Angst vor Hunden, eine Schwäche, die Vladimir Putin natürlich nicht verborgen geblieben ist. Bei einer Diskussion vor Journalisten ruft er deshalb absichtlich seinen schwarzen Labrador Koni in den Raum, der sogleich intensiv an ihr zu schnüffeln
Wie viel Sinn machen Leadership-Kurse?
Gene und Umwelt bestimmen den Charakter, welcher einen massgeblichen Anteil an den Führungseigenschaften eines Menschen hat. Die Experten sind sich nicht einig: Entweder steht die Persönlichkeitsstruktur einer Person zu 50 Prozent oder zu 75 Prozent nach Erreichen des Erwachsenenalters fest. Immerhin können wir davon ausgehen, dass der Charakter eines Menschen
Wechselfreiheit
Situationen der Ernüchterung sind Testfälle für die Freiheit. Was tun Menschen, wenn sie unzufrieden sind mit dem Staat, der Sozialkasse, ihrer Firma oder Ehe? Eine Weile warten sie ab und hoffen auf bessere Zeiten. Dann regt sich Protest. Verärgert gehen sie auf die Strasse, beschweren sich, streiten sich herum. Fruchtet
Kunstarbeiter: zwischen Utopie und Archiv
Künstlerische Arbeit folgt denselben sozialen, ökonomischen, technischen und politischen Bedingungen wie andere Arbeiten. Da sich diese Bedingungen rapide wandeln, stellt sich die Frage: Welche Konsequenzen hat das für Kunstschaffende?
Nacht des Monats im Pfuusbus
Der Pfuusbus ist eine Notschlafstelle, die obdachlosen Erwachsenen während der Wintermonate kostenlos zur Verfügung steht.