Kennen Sie die Geschichte von Putin, Merkel und dem Hund? Angela Merkel hat panische Angst vor Hunden, eine Schwäche, die Vladimir Putin natürlich nicht verborgen geblieben ist. Bei einer Diskussion vor Journalisten ruft er deshalb absichtlich seinen schwarzen Labrador Koni in den Raum, der sogleich intensiv an ihr zu schnüffeln beginnt – die wichtigste Politikerin der Welt ist mit ihrer Angst öffentlich blossgestellt. Im kürzlich erschienenen, brillanten Merkel-Porträt des «New Yorker» kommentiert sie süffisant: «I understand why he had to do this – to prove he’s a man. He’s afraid of his own weakness.» Der Machismo von Putin ist aber nur die halbe Wahrheit: Hier hat der russische Herrscher ein Machtspiel mit ziemlich archaischen Mitteln gespielt. Es folgte eine diplomatische Eiszeit zwischen Deutschland und Russland, und Merkel misstraut Putin bis heute.
Auch die Schweiz leistete sich einen ähnlichen Eklat, allerdings ohne machtpolitische Ambitionen. Als der damalige chinesische Präsident Jiang Zemin im März 1999 zu Besuch war, demonstrierte eine Handvoll Tibeter lautstark auf den Dächern und hinter Absperrgittern rund um das Bundeshaus und unterbrach den geplanten Empfang des hohen Gasts. Dessen wütende Reaktion an die Adresse des Bundesrates: «Sind Sie nicht in der Lage, dieses Land zu regieren? Die Schweiz hat einen guten Freund verloren.» Der diplomatische Scherbenhaufen war angerichtet.
In der Schweiz und in Europa sind wir nicht besonders sensibel, wenn es um Symbole der Macht geht – ganz im Gegensatz zu lange vernachlässigten Akteuren wie Russland oder China. Diese möchten sich ihren rechtmässigen Platz auf dem internationalen Parkett erobern und fahren dafür auch gerne mal die Ellbogen aus. So beklagte sich der chinesische Premier bei einem Besuch in Grossbritannien kürzlich, dass der rote Teppich für ihn exakt drei Meter zu wenig lang sei. Auch hier kein ärgerliches Detail eines mangelhaften Protokolls, sondern eine klare politische Message: Wir sind jetzt eine Weltmacht und wollen dementsprechend behandelt werden. Wenn jemand Machtspiele treiben darf, dann wir!
Eine originelle Waffe, auch wenn man dabei manchmal buchstäblich auf den Hund kommt.
Das ist des Putins Kern
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