In dieser Ausgabe
Dossier
Fiskus und Rechtsstaat
Was dem Bürger sein Vermögen ist, gilt dem Fiskus als Steuersubstrat. Dieser weitet den Zugriff auf das Steuersubjekt konsequent aus – neuerdings dank automatischem Informationsaustausch und Besteuerung nach Nationalität. Die USA machen vor, wie es geht. Ziehen die anderen Staaten nach?
Zahltag!
Die Staaten sitzen weltweit auf Schulden in der stolzen Höhe von 223 Billionen Dollar. Dafür haften die Staatsbürger mit ihrem Eigentum. Die Steuerzahler wollen, dass die Gläubiger bluten. Die Gläubiger hingegen wollen die Schuldner bluten sehen. Die grosse Frage ist: Wer wird wann wie viel zahlen?
Bargeld verboten!
Geld soll zur blossen digitalen Spur werden. Und doch können kontrollierende Staaten nicht verhindern, dass die Bürger zuletzt in reale Werte fliehen, in die Untergrundwirtschaft, in den Tausch, in Goldklauseln in den Verträgen. Sie halten sich an den Wahlspruch der 68er: Rebellion ist berechtigt.
Die grosse Einkaufstour
Zentralbanken decken sich mit Anleihen (halb)maroder Staaten ein. Geschäftsbanken tun es ihnen gleich mit Gratisgeld, das sie von Zentralbanken erhalten. Und die Staaten refinanzieren ihre Schulden mit immer noch mehr Schulden. Sind alle also zufrieden? Nicht ganz.
Umverteilungseffekte in der Tiefzinsphase
Wer profitiert von den tiefen Zinsen der Notenbanken? Die einfache Antwort lautet: Staaten, die jüngeren Generationen und der Industriesektor. Die schwierigere Frage: wer wird zu den Verlierern gehören, wenn die Zinsen ansteigen?
Im Sparen liegt die Moral
Sparen heisst Konsumverzicht. Es heisst: auch ans Morgen denken statt nur ans Heute, auch an den Nächsten statt nur ans eigene Ich. Doch: warum eigentlich verzichten, wenn der Wert des Geldes ohnehin laufend schwindet?
Aktuelle Debatten
Helvetischer Konsens in Gefahr?
Regulierung treibt Grossfirmen und Fachkräfte weg, bleibt eine Schweiz von Bauern und KMU. Doch: Wie realistisch ist diese Angst? Gibt es zwei Schweizen? Werden Bürger wirtschaftsfeindlicher? Widersprechen sich Marktwirtschaft und direkte Demokratie zunehmend?
Ungleichheit im Menschenzoo
Wächst oder schwindet die Kluft zwischen Arm und Reich auf globaler Ebene? Hat die Rezession in Grossbritannien dazu geführt, dass Armut und Ungleichheit zugenommen haben? Und warum schneiden Schimpansen beim Beantworten dieser Fragen besser ab als Menschen?
Bedingungsloser Mumpitz?
Voraussichtlich 2015 oder 2016 wird die Schweiz darüber abstimmen, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) die heutigen Systeme der sozialen Sicherung ablösen soll. Um was geht es konkret? Der Staat soll jedem volljährigen Einwohner der Schweiz monatlich 2500 Franken, jedem minderjährigen (bzw. seinem Vormund) 625 Franken auszahlen. Die Transfers wären an
Freiheit, Friede, Frivolität?
Mario Vargas Llosa, einer der weltweit einflussreichsten liberalen Intellektuellen, diskutiert mit Gilles Lipovetsky über das Verschwinden der Hochkultur im Kapitalismus und Sinnleere in der Spektakelgesellschaft. Er muss sich dabei unerwartete Kritik gefallen lassen.
Weitere Beiträge
Editorial
Es ist uns zuletzt gelungen, zweimal das Zürcher Bernhard-Theater zu füllen. Vor rund 400 Leuten sprach ich vor einigen Monaten mit dem deutschen Philosophen Peter Sloterdijk über die thymotische Wende in der Ethik. Das zweite Mal hatten Florian Rittmeyer und ich das Vergnügen, mit Christoph Blocher, Christian Levrat und
Making of 1015
Ja, sie können! Man kennt und respektiert sich. Aber sobald das Record-Lämpchen der TV-Kameras leuchtet, fallen ihre Argumente nicht selten dem Politzirkus zum Opfer: Christoph Blocher und Christian Levrat kennen die Tricks und Finten des öffentlichen Streits. Zum Beispiel: Ignore the message, shoot the messenger. Wir baten also
Karl Marx lebt mitten unter uns
Würde Karl Marx aus dem ewigen Schlaf der Gerechten erwachen, er dürfte stolz sein auf sein Werk, das sich in der Stille selbst vollendete. Klar, ausser den Jusos liest niemand mehr die Schriften des Denkers mit dem Rauschebart. Doch seine (Heils-)Lehren erfreuen sich in der Mitte der Gesellschaft grosser
Von Mut- und Weichmachern
Mutig? Wer wäre es nicht gern! Wir alle wären von morgens bis abends die reinsten Mutbürger, hätten wir nicht mit profanen Dingen zu tun wie Geld verdienen und Steuern zahlen. In weiser Einschätzung der geringen Mutkapazität der Bürger kümmern sich daher professionelle Mutmacher in Politik und Medien um geeignete Themen,
Städter und Tölpel
In den Fünfziger- und Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts war von der heutigen Überflussgesellschaft noch wenig zu spüren. Erst recht nicht auf dem Land. Das einzige, was im Gegensatz zu heute im Überfluss vorhanden war, das waren die Wirtshäuser. Sie an einem Samstagabend mit meinen Brüdern abzuklappern erforderte schon eine gewisse
Die Sonntagsliberalen und die Kirchensteuer
Bei manchen FDP-Mitgliedern wäre man dankbar, wenn sie auch nur ein grobes Verständnis dafür hätten, was liberale Prinzipien eigentlich sind.
Vitamin C
Kürzlich diskutierte ich im kleinen (Studenten-)Kreis über die Verantwortung von Spitzenmanagern in der Wirtschaft. Ein Teilnehmer warf plötzlich die Idee in die Runde, dem sogenannten C-Level einer Unternehmung konkrete 10-Punkte-Verhaltensregeln vorzulegen, welche auswendig zu lernen wären. «Und dann noch einen Eid ablegen», meinte etwas ironisch ein
…der (fehlenden) Männerbewegung
Seit Jahren wird das Thema «Mann» in den Medien und in der Wissenschaft gewälzt. Tut sich deswegen etwas? Hat die Diskussion etwas daran geändert, dass Männer heute das verletzlichere, schwächere und problematischere Geschlecht sind? Dass sie ungesünder leben, früher sterben, häufiger Selbstmord begehen und gewalttätiger sind? Kommen Jungen in der
Der gallische Hahn als Vogel Strauss
Frankreich bewegt sich – in Richtung Griechenland. Seit Jahrzehnten von Stillständen gelähmt und in Verkrustungen gefangen, steht das Land heute am Abgrund. Freilich ohne es zu merken: Die «Grande Nation» ist zur grossen Meisterin der Selbsttäuschung geworden.
Gefangen in der Bastille
Frankreich sucht Grösse im Erbe und kramt in der Krise seine alte Revolution hervor. Freiheit, wusste Albert Camus, sähe anders aus. Wie hellsichtig der Literat die Heilsversprechen der Geschichte und ihrer Revolutionen entlarvte, zeigt die Biographie von Martin Meyer.
Bremsen los!
Pardon, dass ich Sie nochmals mit der Masseneinwanderungs-Initiative belästige, aber etwas liegt mir doch noch auf dem Magen: die damit verbundene Bankrotterklärung der liberalen Politik in der Schweiz. Dass es nicht besonders gut bestellt ist um FDP und Konsorten, war dem liberalen Beobachter ja schon vorher klar. Tragisch ist
Gebrechen und Geschenk
Facelifting und Schönfärberei sind ihre Sache nicht. Die erste Bundesrätin der Schweiz weiss: Die Zeichen der Zeit lassen sich nicht wegretuschieren. Das Älterwerden birgt viele Herausforderungen. Agil bleibt, wer sie erhalten kann: die Neugierde.
Ein Wille, der Berge versetzt
Roger Schawinski fragt sich: «Wer bin ich?» Landauf, landab waren die Blätter mit Kritiken und Interviews zur frisch erschienenen Autobiographie des Medienpioniers gefüllt. So viel Rummel um eine wohlbekannte Lebensgeschichte stimmte mich skeptisch. Deshalb kaufte ich das Buch. «You can get it if you really want» – Anstoss für Schawinskis «Radio
Warum messen wir im Jahr 2014 eigentlich immer noch die Wirtschaftsleistung von Ländern und nicht jene von Regionen?
Unsere Darstellung der Wirtschaftsleistung ist ein Erbe des europaweiten Nationalismus, da sie auf willkürlichen, alten Landesgrenzen basiert – und die daraus resultierenden Zahlen sagen auch für sich allein recht wenig aus. Das wäre harmlos, würden sie nicht bis heute die Natur unserer europäischen Wirtschaftsdebatte prägen. Ich kann die ewigen Klischees, die
Splitter aus der Redaktion
Summa des Unternehmers Ich habe gerade die Summa des Unternehmers Hans Widmer gelesen – genau, jenes Widmers: McKinsey, Oerlikon-Bührle, Bally, Schweiter. Der Titel: «Das Modell des Konsequenten Humanismus». Keine leichte Kost – es geht um Masse, Evolution, und am Ende steht der «zweckmässige Staat». Einige Aphorismen aus dem Opus: «Die grundlose
Götterfreiheit
Von Geburt an hat jeder Mensch das unverjährbare Recht, in allem, was sich ausschliesslich auf ihn selbst bezieht, unabhängig von seinen Mitmenschen zu leben und sein Geschick nach eigenen Fähigkeiten zu gestalten. Er darf denken, was er will, glauben, was er will, beten, zu wem er will. Ungehindert darf er
Plündert die Geschichte!
Bauern, Mägde, Hokuspokus: Beim Feierabendtee in ihrer Stube erklärt Schriftstellerin Silvia Tschui, wieso es sich lohnt, die Schweizer Historie zu plündern und sie kreativ umzuformen. Und warum das – ansprechend präsentiert – auch im Ausland ankommt.
Frölein Eschers Gotthardfahrt
Verzehrt von Sehnsucht nach Süden, verzaubert die Magd Elsie in Silvia Tschuis Roman «Jakobs Ross» die Damen der Zürcher Society mit geheimnisvoll bestickten Stoffen. Wie daraus der Gotthardtunnel entstand, erklärt eine unpublizierte Passage des Romanmanuskripts.
R.I.P. Christoph Schlingensief
München – vor der Feldherrnhalle steht ein Karree aus Absperrgittern. Die Passanten schauen mässig interessiert, ein paar arabische Touristen ziehen vorüber, behängt mit Einkaufstaschen von Nobelmarken. Innerhalb der Absperrung befinden sich: ein Redner, einige Damen mittleren Alters, ein Rollstuhlfahrer, der innerhalb des Karrees unaufhörlich umherkurvt. Ausserhalb der Absperrung sind ca. 30
Beethoven vs. Senn
Popmusik ist für die Masse. Und klassische Musik für die Elite bzw. für Leute mit einem ‹gewissen Niveau›.» Davon war der Festivalleiter überzeugt, der mit mir das Programm für mein Konzert besprechen wollte. Das wenig ertragreiche Gespräch begann mit seiner Frage nach dem Stil meiner Eigenkompositionen, die er offenbar nicht
Nacht des Monats mit Albert «Bärtel» Wyss
Albert «Bärtel» Wyss ist ein erfahrener Pistenmaschinenführer.