Pardon, dass ich Sie nochmals mit der Masseneinwanderungs-Initiative belästige, aber etwas liegt mir doch noch auf dem Magen: die damit verbundene Bankrotterklärung der liberalen Politik in der Schweiz. Dass es nicht besonders gut bestellt ist um FDP und Konsorten, war dem liberalen Beobachter ja schon vorher klar. Tragisch ist aber, dass sich keine profilierten Köpfe fanden, die der scheinbar weit verbreiteten Antiwachstumsstimmung und der damit verbundenen Sehnsucht nach einer auf der grünen Wiese gebauten Heidi-Schweiz ein überzeugendes alternatives Weltbild entgegensetzen konnten. Nach diesem liberalen Schiffbruch leben wir in einem Land, das bremst. Die fortschrittliche, zuversichtliche, die Globalisierung zu ihrem Vorteil nutzende Schweiz hat keine Fürsprecher mehr. Eine vereinte Nostalgiefront aus SVP, konkurrenzfeindlichen Gewerkschaften und grünen Wachstumskritikern hatte deshalb am 9. Februar leichtes Spiel. Sie glauben mir nicht? Wieso hat dann niemand den Mund aufgemacht? Die sogenannten Liberalen begnügten sich damit, die Personenfreizügigkeit als notwendiges Übel darzustellen, damit die Wirtschaft am Laufen gehalten werden kann. Das aber interessiert in der gesättigten Schweiz wohl niemanden mehr. Stattdessen waren alle Parteien in böser Vorahnung des Verdikts vollauf damit beschäftigt, «Ängste ernst zu nehmen». Statt politische Verantwortung zu übernehmen und der Bevölkerung aufzuzeigen, dass auch eine wachsende Schweiz lebenswert sein kann, verzichtete man auf den Hinweis, dass unsere Probleme häufig «Swiss Made» und allesamt lösbar sind. Politik, Diplomatie und Wirtschaft hätten vermitteln müssen, dass Wachstum auch nachhaltig sein kann und eine Grundvoraussetzung für Wohlstand ist. Dass wir die internationale Konkurrenz nicht zu scheuen brauchen! Dass wir ein Land der Chancen sind, und zwar für exzellente Köpfe aus dem In- und Ausland. Lösen wir also den SVP-Ecopop-Gewerkschafts-Bremsklotz und legen endlich wieder den liberalen Vorwärtsgang ein! Vorschläge zur Ölung des Getriebes nehme ich gern entgegen.
Bremsen los!
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