In dieser Ausgabe
Dossier
Im Land der Mythen
Die Schweizerfahne weht überall; die sie hochhalten, sind aber weniger Aufrechte als Unsichere: Von den tiefen Steuern über die starke Armee bis zum freien Arbeitsmarkt klammern sich die Schweizer an Konzepte, die bestenfalls noch als Restbestände existieren. Eine Entzauberung.
Die Nische ist kein Bunker
Welche Optionen hat ein Nischenplayer, der sich mitten in Europa verschanzt zu haben glaubt?
«Ich sehe den Staat als Dienstleistungsunternehmen …»
Minimalstaat, starke Mitsprache der Bürger, Sezessionsrecht für die Gemeinden, direktdemokratisches Verfahren zur Absetzung des Monarchen: Das Fürstentum Liechtenstein vereint viele moderne Elemente in seiner Verfassung. Ist es ein Beispiel für neue Staaten im 3. Jahrtausend?
Pass pour tous
Der Nationalstaat gilt neuerdings wieder als zukunftsträchtiges Gebilde. Zu Unrecht. Jeder Bürger hat verschiedene Herkünfte und Zukunftsoptionen. Besser als Diskussionen über Schweizer Volkszugehörigkeit wäre die Schaffung eines globalen Markts für Pässe.
Die Renaissance der City States
China setzt schon länger auf sie. Und auch die wirtschaftlich darbende Peripherie Europas sieht in den freien Zonen wieder einen Weg zu mehr Prosperität. Stadtstaaten können den metropolitanen Gegenpol zur G-20 bilden. Und die Schweiz könnte davon profitieren.
Aktuelle Debatten
Grösser als wir
Die Wirtschaft befreit sich von stofflichen Ressourcen und nutzt Information als Rohstoff. Im Zeitalter von Big Data werden Datenberge zu Kapital. Algorithmen, die kaum jemand versteht, steuern diese Systeme. Wie können wir dagegen ankommen?
«Wende ins Nichts»
Marktwirtschaft – welche Marktwirtschaft? Eurorettung – welche Rettung? Energiewende – welche Wende? Hans-Werner Sinn stellt die geltenden Narrative in Frage. Ein offenes Gespräch über Ökoreligion, die EZB als «Bad Bank» – und die Probleme der nächsten Generation.
Leere Versprechen zum Vollgeld
Ist nach all den in den letzten Jahren erlebten Krisen, Tricksereien und Verfehlungen im Bankensektor eine risikofreie, stabile Geldordnung nicht ein erstrebenswertes Ziel? Eine solche hat sich die geplante Vollgeld-Initiative auf die Fahne geschrieben. Das Ziel soll dadurch realisiert werden, dass Geld in Zukunft nur noch durch den Staat
Weitere Beiträge
Making of 1016
Sloterdijk & Schirrmacher Da hilft die beste Flasche Wein nichts: Mit Peter Sloterdijk einen Abend zu verbringen, ist ein Denkmarathon – wenn auch ein vergnüglicher. Der Mann sprudelt nur so vor Ideen. Während eines Abendessens in Zürich begann er von einem neuen Projekt zu sprechen – einer Gesprächsreihe zur Zukunft der Ökonomie.
Marx heute II: Ideologiekritik
Über Thilo Sarrazin und sein Buch «Der neue Tugendterror» (DVA, 2014) die Nase zu rümpfen, ist ein Leichtes. Und ebenso leicht ist es, über jene die Nase zu rümpfen, die über Sarrazin die Nase rümpfen. Nur so viel vorweg: die Seele des deutschen Publizisten Sarrazin ist gekränkt, weil er von
«Widerstand»
Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht!» Das in ungelenken Grossbuchstaben auf ein weisses Banner gesprüht. Dahinter ein Häuflein lachender Demonstranten. Studenten, engagiert protestierend. Widerstand – gegen Studiengebühren. Immer heiter, immer weiter: Widerstand ist machbar, Frau Nachbar! Und Widerstand ist eben, was jedes brave Kind tut, dem man früh
«Pas devant les enfants!»
Das waren noch Zeiten, als Mama bei sich anbahnenden Konflikten oder sonstigen heissen Themen Papa anzischte: «Pas devant les enfants!» Will sagen: Heikles sollte bitte erst verhandelt werden, wenn die Kleinen schliefen. Das war einmal. Heute merken die Kinder dank Frühfranzösisch auf und haken natürlich gleich nach: «Was dürfen die
Mehr Markt im Drogenbusiness!
Eine Drogenliberalisierung reduziert den Drogenkonsum nicht massgeblich. Aber die staatliche Drogenprohibition tut dies genauso wenig.
…des Messwahns
Kritische Erfolgsfaktoren, auf Englisch kurz KPI (Key Performance Indicators) – das sind im Management-Fachjargon Leistungsmerkmale, mit denen Controller und Berater den Erfolg einer Unternehmung oder eines Projektes messen. Es gibt sie auch in der medizinischen und psychotherapeutischen Erfolgsforschung, diese angeblich «objektiven» Kriterien und Messgrössen. Die Zielrichtung stimmt: denn nur was
Irrationale Reflexe
Neue Höchststände in Aktienbörsen nähren Ängste vor Übertreibungen und angeblich entkoppelten Finanzmärkten. Zu Unrecht. Was es braucht, ist mehr Gelassenheit. Eine Anleitung.
Auf ins Datenreduit!
Das Bankgeheimnis ist tot. Es hatte der Schweiz zuerst viel Geld, dann viel Ärger eingebrockt. Statt Nostalgie zu betreiben, sollten wir nun schleunigst seine positive Essenz retten und zu einem neuen aussenpolitischen Aktivposten der Schweiz machen: dem Schutz der digitalen Privatsphäre des Bürgers gegenüber dem Staat. Im Zeitalter von «Big
Banale Führung?
Die Ausführungen zur Führung waren banal», sagte ein Teilnehmer am Ende einer Veranstaltung meiner Universität, an welcher vorwiegend HR-Fachleute anwesend waren. Banal ist eine Sache, die von vielen als allgemein bekannt eingestuft und daher als einer vertieften Betrachtung nicht wert erachtet wird. Synonyme sind alltäglich, trivial, gewöhnlich oder gedanklich
Gandalf und Superman
Seit Jahren predigen Sie die Entmathematisierung der Ökonomie, fordern stattdessen die Reaktivierung von Mythen und Geschichten. Nehmen Ihre Ökonomiekollegen Sie eigentlich noch ernst?
In die Röhre geschaut
Wenn es nach dem Nationalrat geht, soll künftig jedermann eine Radio- und TV-Abgabe bezahlen, unabhängig davon, ob er ein Rundfunkempfangsgerät besitzt. Der Rat hat in der Frühjahrssession einer entsprechenden Gesetzesänderung zugestimmt. Der Nationalrat bestimmte überdies, dass sich Haushalte bis fünf Jahre nach der Einführung der flächendeckenden Abgabe davon befreien
Splitter aus der Redaktion
Und vom Übrigen auch dies und das Urs Widmer war krank – er sagte es am Telephon, als wir um ein Interview baten. Nun ist er tot. Glauben wir es? Nicht wirklich. Zu oft hat er uns Lesern in Geschichten den Abschied beigebracht – von Träumen, von Geliebten und vom Leben selbst.
Geteilte Freiheit
Der liberale Besitzindividualismus hat wenig Sinn für soziale Tatsachen. Gruppen, Kollektive oder Institutionen sind ihm fremd und suspekt. Er huldigt der Einzelperson, ihr gilt seine ganze Sorge. Jedes Individuum sei Eigentümer seiner selbst und seiner Fähigkeiten, lautet sein Credo. Dafür schulde es anderen nichts. Die Gesellschaft sei lediglich ein Forum
«In Kleinhüningen sind Bomben gefallen!»
Die 1980er mal anders: Engholm wird deutscher Bundeskanzler, Blocher von Nationalisten erschossen – und sowjetische Panzer rollen Richtung Gotthard. Wieso der Schriftsteller Urs Zürcher schon in seinem Debüt erheblichen Unfrieden vor der eigenen Haustür stiftet.
Männer im Museum – eine bedrohte Species?
Wissenschaftliche Untersuchungen haben sich der Frage gewidmet, wer gerne und wer weniger gerne über Kunst spricht, sich mit Kunst beschäftigt. Ergebnis: «Kunst» ist eher ein weibliches Gesprächsthema, ist eher in der Oberschicht und bei Menschen mittleren Alters verbreitet. Männer, Jugendliche und «Bildungsferne» gelten als «kunstscheu» und meiden Museen und Galerien.
Nacht des Monats mit René Schweizer
René Schweizer gilt als Basler Original, das die Schweizer Beamten in Bewegung hält.