Ausgabe 1003 - Februar 2013
Firewall fürs Hirn
In dieser Ausgabe
Dossier
Wissenschaftsdiplomatie: Die Schweiz vernetzt sich neu
Diplomatie war einmal die aristokratische Domäne der Talleyrands, Bismarcks oder Metternichs. Erst im 20. Jahrhundert übernahm eine standesbewusste bürgerliche Hautevolee das diplomatische Ruder. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung waren dabei vorzugsweise unter sich und betrieben die «Kunst der Verhandlung» als eine Art internationalen Elitensport. Diese Zeiten sind vorbei. Verändert
Pax Technologica
Ökonomische Integration liess die Welt zusammenrücken und von alten Konflikten abrücken. Können die Treiber des technologischen Fortschritts diese Erfolgsgeschichte fortsetzen?
High-Tech-Diplomat, übernehmen Sie!
Das Feld der internationalen Beziehungen wird derzeit umgepflügt durch neue Akteure, die auf technologische Vernetzung setzen. Die Schweiz verfügt dank ihrer Wissenschaftsdiplomatie über vielversprechende Aktivposten, die sie zur Speerspitze einer modernen Schweizer Aussenpolitik ausbauen kann.
Der Selektierer
Francesco Dell’Endice kam als Raumfahrttechniker an die ETH, hat ein Unternehmen gegründet und wäre bereit, die Schweiz als Freelance-Diplomat nach aussen zu vertreten. Später einmal. Zuvor revolutioniert er noch die Nahrungsmittelindustrie.
Langenthal, Silicon Valley
Teilchenphysik, Technologien für Smart Cities oder Vertonung des Waldes: Das Netzwerk swissnex setzt auf den Rohstoff Wissen. Das ist gut für die «Soft Power» der Schweiz. Und sorgt zeitweise für Irritation. Swissnex-Pionier Christian Simm erklärt, was den Oberaargau mit der Wüste Nevadas verbindet.
Aktuelle Debatten
Wer legt den Schalter um?
Leben wir im Turbokapitalismus oder im Softsozialismus? Brauchen wir mehr oder weniger Gemeinwohlorientierung? Und ist die Wirtschaftskrise eine Gesellschaftskrise oder eine Finanzkrise oder beides?
Befreit die Banken!
Eine sichere Bank ist eine Bank mit genügend Eigenkapital. Darum gibt es staatliche Eigenkapitalvorschriften. Der Kunde frohlockt. Zu Unrecht. Denn die Eigenkapitalquote sinkt seit Jahrzehnten. Wie ist das möglich? Präsentation eines unerkannten Problems – und seiner Lösung.
Weitere Beiträge
Editorial
Wir legen Wert auf eine erkennbare Haltung, nicht nur im Zweifelsfall, sondern im Normalfall: für die persönliche Freiheit. Umso grösser ist unsere Streitlust – und jene unserer Autoren sowieso. Und so haben wir für uns entschieden: 2013 wird das Jahr der Debatten, innnerhalb und ausserhalb des Magazins. Die letzte Debatte war
Moralisieren wir, aber richtig!
Wer mit der nötigen Distanz einiger Jahrzehnte die Krisenjahre 2008 ff. betrachten wird, könnte dereinst rückblickend die Diagnose stellen: Es waren die Jahre, in denen sich ein neuer öffentlicher Moralismus durchzusetzen begann. Vorbei die Zeiten, als Moral eine Privatangelegenheit war. Obwohl in pluralistischen Gesellschaften jeder seine eigene Auffassung von Gut
Bewusst unbewusst
Aktive Mitglieder der Leistungsgesellschaft streben danach, produktiv zu sein. Die Leute verbringen ihre Zeit in unerträglichen Sitzungen, nur um etwas – nein immer mehr und mehr – für sich herauszuschlagen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich selbst verstehe mich als eine Königin dieser Disziplin. Wenn ich bis zum Ende des Tages meine
Luftgeister, minergetisch
Im trendigen Prachtbau der Pädagogischen Hochschule Zürich herrscht schon kurz nach der Eröffnung dicke Luft. Im wahrsten Sinn des Wortes: stickiges Raumklima, mal zu heiss, mal zu kalt. Studenten und Lehrer klagen über Beschwerden aller Art. Ein Gesangsschüler fiel in Ohnmacht und verletzte sich am Kopf. Woran liegt’s? An
Nachwirkungen
Ein Junge schaut durch das Fenster eines Schulbusses. Er wirkt müde, verstört, verloren. Haarfransen hängen ihm in die Stirn, die Lippen sind leicht geschürzt, die Backen aufgeblasen. Die Augen hält er weit geöffnet; trotz der Erschöpfung sieht er genau hin. Wir wissen nicht, was er gerade denkt. Aber wir wissen,
Manager sind keine Vorbilder
Kein Topos der Managementliteratur ist so stabil wie der Appell an die Vorbildfunktion der Führungskräfte. Klar ist: Manager werden beobachtet. Sicher auch in besonders sensibler Weise. Doch bleibt zu fragen: Soll man bei Managern höhere Massstäbe anlegen als bei Nichtmanagern? Fachliche? Menschliche? Ist es überhaupt möglich, Vorbild zu sein? Man
Wo die wilden Kerle wohnen
Die Geschichte des «Schweizer Monats» liegt nun in Buchform vor – und sie ist «bewegt». Ein beliebter Ausdruck für Annalen, vielsagend und doch vage. Seit einem halben Jahr bin ich Teil des kleinen Teams an der Vogelsangstrasse. Und zugegeben: bis auf ein paar wenige Artikel Hermann Burgers waren mir die «Monatshefte»
Virenschutz für alle
Konsumobjekt der Überflussgesellschaft? Bildungsbürgerliches Überbleibsel? Gefälliger Luxus? Falsch! Allgemeinbildung ist für unseren Geist unverzichtbar. Sie ist Betriebssystem, Firewall und Browser in einem. Ein Plädoyer.
Die Zeit nach der Zeitung
Seit Jahrzehnten befindet sich der Anteil der Zeitungsleser im Sinkflug.
Schweiz, Filz und Neoliberalismus
Die Wiedergeburt des Liberalismus nach dem Zweiten Weltkrieg fand auf dem Mont Pèlerin bei Vevey statt. Das helvetische Netzwerk freiheitlicher Ökonomen war breit: NZZ, Institut für Auslandforschung, Economiesuisse – und immer wieder die «Schweizer Monatshefte». Eine Spurensuche.
Bahnhof
Uzwil – Die Ostschweiz versteht die Welt nicht mehr. Vergangenen Montagabend, ein Heer arbeitsamer Menschen wartete eben auf seine Beförderung, raste der Regio-Thurbo 3475, Herkunft Wil, Destination Mörschwil, fahrplanmässige Einfahrt 17.37, ohne seine Geschwindigkeit zu drosseln, am Bahnhof Uzwil vorbei, liess auch Flawil rechts liegen, ratterte rastlos durch Gossau
Soap Opera im «Schweizerhof»
Die junge Berner Künstlerin Quynh Dong verknüpft Kulturen dreier Kontinente. Mühelos mischt sie Malerei, Video, Seifenoper und Karaoke. Ihr Ziel? Das mal poetische, mal kitschige Verhandeln von Herkunft und Identität.
Das kubanische Raubtier
Mit elf Jahren verkaufte Pedro Juan Gutiérrez Eis und Zigaretten. Später war er Kajaklehrer, Zuckerrohrschneider und Bauinstallateur. Sein Herz glühte für die kubanische Revolution – bis sie brutale Realität wurde.
Die Welle
Drei Wochen habe ich nun in Hanoi verbracht. Mittlerweile habe ich nicht nur gelernt, dass alles – aber wirklich alles – auf einer Vespa transportiert werden kann, vom sechs Fuss hohen Kühlschrank über eine vierstöckige Goldfischzucht bis zum geschlachteten Rinderpaar; ich beherrsche nun auch beinahe die vietnamesische Coolness beim Überqueren der Strassen.
Ausverkauf der Philosophen
TAG: 7 ZEIT: kurz vor St. Nimmerlein, also frühestens am Ende unseres Jahrhunderts ORT: im unplatonischen Ideenhimmel des Verfassers, wo Gott und sein Sohn ihren philosophischen Kramladen entrümpeln
Nacht des Monats mit Nadine Wietlisbach
Nadine Wietlisbach leitet den «sic! Raum für Kunst» in Luzern.