In dieser Ausgabe
Dossier
Anspruch und Wirklichkeit: Menschenrechte in Zeiten der Krise
Der Mensch ist Träger elementarer Rechte, die er sich über die letzten Jahrhunderte erkämpft und institutionell abgesichert hat – mit Erfolg. Aus der Einsicht, dass die Würde des Menschen eines besonderen Schutzes bedarf, entstand ein Netz von Institutionen und Gerichten. Diese haben Menschenrechten mittlerweile zum Status eines globalen Megathemas verholfen. Gleichzeitig
So war es nicht gemeint
Zunehmend werden die in der Verfassung verankerten Menschenrechte herangezogen, um den Ausbau der staatlichen Fürsorge zu begründen. Vergessen geht dabei, dass Menschenrechte in ihrem ursprünglichen Sinn Abwehr- und nicht Anspruchsrechte sind.
Weil wir Menschen sind
Es ist gelungen, Menschenrechte zu standardisieren und ansatzweise zu institutionalisieren. Doch scheint die Entwicklung an Schwung verloren zu haben. Einige Gedanken zur Kraft der elementaren Idee, zu «humanitären Interventionen» und zur Gefahr entfremdender Bürokratisierung.
Gespannte Lage
Demokratie und Freiheitsrechte gelten als Zwillingspaar. Sie ergänzen sich gut. Doch stehen politische und private Entscheidung, Mehrheitsbeschluss und Schutz des Individuums zugleich in einem Spannungsverhältnis. Wie lässt sich die Spannung auflösen?
Wo bleibt der Rettungsschirm für die Menschenrechte?
Menschenrechte sind stets fragil. In ökonomischen Krisensituationen ist ihre Schutzfunktion besonders gefährdet. Deshalb gilt es zu trennen, was auseinander gehört: Menschenrechte und wirtschaftliche Konjunkturzyklen.
Aktuelle Debatten
Globi, der Kolonialist?
Das Kinderbuch Globi ist eine Schweizer Erfolgsgeschichte. Das Warenhaus Globus gab ihm seinerzeit den Namen und wollte damit – Achtung – Werbung für seine Kolonialwaren betreiben. Globi, der Papagei-Mensch, ist zwar in Afrika geboren, aber ein Schweizer geworden. Er ist unternehmungslustig und reist in der ganzen Welt herum. Nun widerfährt ihm
Vergesst Rousseau!
Jean-Jacques Rousseau war weder ein origineller Denker noch hat er der Freiheit einen Dienst erwiesen. Im Gegenteil. Dank seines süssen Gifts des «gemeinen Willens» landen offene Gesellschaften direkt im Kollektivismus. Wir sollten ihn endlich vergessen.
Lest Rousseau!
Jean-Jacques Rousseau gilt als Idealist und Freiheitsverächter. Falsch! Der Genfer war Republikaner und Verfechter föderaler Kleinstaatlichkeit. Anregungen zur Neuentdeckung eines ungelesenen Philosophen.
Der strebende Optimist
Die Schuld am eigenen Versagen abstrakten Systemen zu geben, ist menschlich. Aber ist der Kapitalismus überhaupt ein System? Und stimmt es, dass er so ungeeignet ist, soziale Zwecke zu erfüllen?
Der Mensch, das sozialvergleichende Wesen
Strebt der Mensch bloss nach der Maximierung des Eigennutzens? Ist er zutiefst altruistisch veranlagt? Oder schielt er ständig auf das, was er gerne hätte und der Nachbar schon hat? Denken wir den Menschen nicht weltanschaulich. Schauen wir hin, wie er wirklich tickt.
Händchenhalten mit Frau Wagenknecht?
Deutschlands bürgerliche Parteien liessen den Europäischen Stabilitätsmechanismus fast geschlossen durch den Bundestag passieren. Die Linke lehnte ihn deutlich ab. Der prominente Eurokritiker Frank Schäffler erwägt nun links-liberale Allianzen.
Die Zahlen sagen…
…die Einkommensungleichheit in der Schweiz nimmt nicht zu – Ein Beitrag zur Versachlichung der Debatte
Weitere Beiträge
Editorial
René Burri ist ein eminenter Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts. Er portraitierte Menschen aller Art: die Erfolgreichen, die Armen, die Überheblichen, die Mutigen, die Diktatoren. Pablo Picasso, Alberto Giacometti, Ernesto Che Guevara, Gina Lollobrigida und, ganz zu Beginn als 13jähriger, Winston Churchill. René Burri hielt sich jeweils diskret im Hintergrund, sich
Blick zurück – und nach vorne
In der Unübersichtlichkeit des Jahres 2012 vergessen wir leicht, wie ruhelos frühere Zeiten waren. Wie viel können wir von jenen lernen, die sich damals bemühten, die Dinge kritisch und klar zu sehen? Dieser Gedanke schoss mir immer wieder durch den Kopf, wenn ich mich mit der Geschichte der «Schweizer Monatshefte»
Die grüne Bewegung setzt auf Härte
Verstörend, dass plötzlich ausgerechnet die grün Bewegten eine Politik betreiben, die repressiv, autoritär, ja reaktionär daherkommt.
Ayn Rand, mein Idol
Ayn Rand liebte selbstzentrierte oder, wie man sagt, egoistische Menschen. Und viele lieben Ayn Rands Bücher. Sie fordern das gängige Denken heraus und rufen jeden dazu auf, sich seiner eigenen Denkkraft zu bedienen. Die aussergewöhnliche Sozialphilosophin verlangt darin eine Moral, die auf Verstand und Vernunft gründet. Darum stemmt sie sich
Sandy, die Medienkatastrophe
Sany, der «Frankensturm», fand – wie schon der Name sagt – in Europa statt. Genauer: in den deutschsprachigen Medien. Die höchsten Killerwellen schlug der verheerende Hurrikan in Online-Medien wie «Spiegel Online». Zugegeben: auch an Amerikas Ostküste hat der Sturm gewütet. 47 Menschen kamen im Bundesstaat New York laut Medienberichten ums Leben.
Malala
Sie sitzen auf weissen Plastikstühlen und warten. Jede hält ein Photo in den Händen, das durch eine Plastikhülle geschützt ist. Alle tragen die Schuluniform, einen blaukarierten Kamiz, eine weisse Hose sowie eine kurze Dupatta, die Haar und Schultern bedeckt. Von den Gesichtern ist kaum etwas zu sehen, ein paar Nasenspitzen,
Deflation, Inflation – oder gar beides?
Worauf sich Unternehmen und Sparer vorbereiten müssen – Ein Blick in die Glaskugel
Original Swiss from Ghana
Allen Pendlern ist er ein Begriff: Kwasi Nyankson. Er war der wohl beliebteste Bahn-Steward der Schweiz. Der gebürtige Ghanaer über Robotermentalitäten im Service, afrikanische Weisheiten und die Umkehrung des Credos «Der Kunde ist König».
Empörungsstürme und geistige Profitmaximierung
Digitale Empörungsstürme – sogenannte «Shitstorms» – ziehen durchs Land. Jüngstes Beispiel: an der Pädagogischen Hochschule (PH) Bern wurde ein prominenter Vortragsredner kurzfristig ausgeladen, weil Freunde der neuen Empörungskultur erfolgreich den Aufstand probten. Nicht Studenten, nein, diesmal war es ein Professor. Man sollte meinen: Die Dozenten der PH Bern sind es gewohnt, heterogene
Hanoi, Kulturschock
Meine Asientour ist in vollem Gange. Mag ja sein, dass sich die Metropolen der Welt immer mehr ähneln – ich leide bei der Ankunft in jeder asiatischen Stadt immer noch unter sogenannten «Kulturschocks»: Ich bin dauermüde, alles schmeckt anders und, ja, neu ist nicht immer gut. Bis vor kurzem steckte ich
Kamin
Kamin, -e, m oder s (schweizerisch), helvetisiert Cheminée [min]. Dem Deutschen unnötigerweise aufgedrängter Latinismus resp. Franzismus, der das gotischstämmige Wort Esse hat vergessen lassen und als zweitsilbenbetonter Fremdling seit Simplicissimus’ Zeiten neben Kakadus (›Haubenpapageien) und Kanapees (›Lotterbetten) vom Komfort camoufliert klandestin in unserer Sprachlandschaft kampiert. K.e dienen heiligen Nikoläusen
«Der wird nichts Anständiges, sondern Künstler»
In seiner Berner Familie glaubten zunächst wenige an eine steile Karriere des René Burri. Heute ist er der wohl renommierteste Photograph der Schweiz. Seine Karriere startete in Zürich, verlagerte sich per Autostopp nach Paris und von dort in die ganze Welt. Wir trafen ihn zum Kaffee.
Wie können Schriftsteller kommunizieren?
In der anspruchsvollen Schweizer Literaturszene herrscht seit Jahrzehnten Ratlosigkeit und Idylle. Eine Erschöpfung und der Vorwurf der Kulturlosigkeit breiten sich aus, während Leser ins Ausland abwandern. Wie lässt sich dagegen ankämpfen?
Nacht des Monats mit Léa Carrel
Léa Carrel ist zweieinhalb Jahre alt und leidet an einer Stoffwechselkrankheit.
Ausverkauf der Philosophen
Tag: 6 ZEIT: kurz vor St. Nimmerlein, also frühestens am Ende unseres Jahrhunderts ORT: im unplatonischen Ideenhimmel des Verfassers, wo Gott und sein Sohn ihren philosophischen Kramladen entrümpeln JESUS: Vater mein, wo bleiben denn die Sprachanalytiker? Du weisst schon: Frege, Moore, Russell, Ryle… GOTT: Sie haben meiner Sache zwar nicht