Ausgabe 974 - Dezember 2009
Und der Ernstfall? Die Schweiz & die Sicherheit
In dieser Ausgabe
Dossier
Über die Staatsmacht
Der Staat hat die Aufgabe, seine Bürger vor Angriffen zu schützen. Und er hat die Aufgabe, deren Freiheit zu gewährleisten. Wenn sich Sicherheit und Freiheit in die Quere kommen, gewinnt meist die Sicherheit. So entsteht ein neuer Staat. Der Sicherheitsstaat.
Die realen Risiken heutiger Kriege
Terrorismusattacken. Hackerangriffe. Flüchtlingsströme. Das sind die Bedrohungen westlicher Staaten im 21. Jahrhundert. Welche Möglichkeiten haben sie, darauf angemessen zu reagieren?
Milizarmee im Anpassungsstress
Die Schweizer Armee, was ist sie? Was war sie? Was will sie sein? Sie droht an ihren eigenen Ansprüchen zu zerbrechen. Rückblick auf zweihundert Jahre Kampf um die militärische Landesverteidigung.
Landesverteidigung als globalisierbare Strategie
Die autonome Landesverteidigung ist eigentlich ein pazifistisches Konzept. Und ein realistisches. Es ist zu Unrecht in Verruf geraten. Höchste Zeit, es neu zu lancieren.
Der Freiheitsgedanke als Wegleitung
Der Konsens über die reine Selbstverteidigung ist in der Schweiz dahin. Armeebefürworter blockieren einander gegenseitig. Detailfragen haben die Grundsatzfragen verdrängt. Eine Rückkehr zum Grundsätzlichen bringt Klarheit.
Über den Ernstfall
Die Schweizer Armee ist gut gerüstet – für den kooperativen Fall. Aber brauchen wir dafür eine Armee? Daher die Sinnkrise. Dabei müsste die Armee bloss wieder lernen, vom nichtkooperativen Fall, dem sogenannten Ernstfall, auszugehen. Alles andere folgt daraus.
Auftakt
Der Auftrag ist eigentlich klar. «Die Schweizerische Eidgenossenschaft schützt die Freiheit und die Rechte des Volkes und wahrt die Unabhängigkeit und die Sicherheit des Landes.» So steht es in Artikel 2 der Bundesverfassung. Unklar präsentiert sich hingegen die Situation der Schweizer Armee. Ihr scheint nach drei grossen Reformen der tiefere
Aktuelle Debatten
Müde EU-Enthusiasten
Debatte // Die Schweiz & die EU «Der EU-Beitritt ist nach wie vor eine Option für die Schweiz.» So steht es im aussen- politischen Bericht der Bundesrats. Stehen wir am Anfang einer neuen EU-Debatte?
Sind wir reif für die wohlfahrtsstaatliche Museumsinsel?
Die EU-Staaten sind kaum mehr reformierbar. Die westlichen Wohlfahrtsstaaten sind ein Auslaufmodell. Mehr Realismus täte not. Aber Realismus tut weh. Und wer will sich schon wehtun?
Realwirtschaft und Geldproduktion
Die Mär von der produktiven Geldschöpfung ist weitverbreitet. Das macht sie nicht wahrer. Sie ist vielmehr eine der Hauptursachen für die stets wiederkehrenden Finanzkrisen. Das ist weniger bekannt. Darum aber nicht weniger wahr. Eine Replik.
Was genau tun eigentlich die Banken?
Sie haben zurzeit nicht den besten Ruf. Dennoch braucht es Banken in einer modernen Volkswirtschaft. Sie fördern durch Kreditgeldschöpfung Investitionen und Wachstum. Aber auch die Inflation. Eine Analyse.
Wer schützt die Demokratie vor den Demokraten?
Die herbeigeredeten Drohkulissen nach der Annahme der Anti-Minarett-Initiative befremden. Nun wäre der Moment, die direkte Demokratie zu verteidigen. Die angeblichen Vollblutdemokraten wollen sie lieber beschneiden.
(K)eine nationale Tragödie
Die Schweiz der politisch Korrekten ist seit der letzten Verfassungsabstimmung in Aufruhr. Aber warum eigentlich?
Weitere Beiträge
Schwarz auf weiss? Schwarz auf weiss!
Klara Obermüller: «Schwarz auf weiss». Frauenfeld: Huber, 2009
Editorial
Bundesrat Ueli Maurer schreibt in seinem Essay für diese Ausgabe: «Unsere Milizarmee ist die Armee, die es nur gibt, wenn es sie braucht.» Doch braucht es sie noch? Der Armee erwächst jedenfalls von allen Seiten (abschaffen! sparen!) grosser Widerstand. Dabei drohen Detailfragen die grundsätzliche Frage nach Sinn und Zweck in
Johann Schneider-Ammann im Gespräch
Johann Schneider-Ammann war schon früh aktiv. Er baute ein Schweizer Unternehmen zu einer internationalen Gruppe aus und übernahm zahlreiche Mandate: als Nationalrat, Industrievertreter und Wirtschaftslobbyist. Doch geht das alles zusammen? René Scheu traf den Unternehmer in Langenthal.
Perikles Monioudis (2/2) Vorabdruck
Zwei Vignetten aus dem in Arbeit befindlichen Band «Mare nostrum» von Perikles Monioudis
Schweizer Autoren in Kurzkritik XXI
13 Bücher, vorgestellt in der einundzwanzigsten Folge der «Schweizer Autoren in Kurzkritik». Fortsetzung folgt.
Was heisst denn hier Freiheit?
Eine Antwort aus dem Stegreif von Ralf Hoppe Ein Anstoss von Claude Adrien Helvétius: «Es wäre lächerlich, es als Unfreiheit zu betrachten, dass wir unfähig sind, wie der Adler uns über die Wolken zu erheben oder wie der Wal in den Tiefen des Wassers zu leben…» (Zitiert aus: «De l‘esprit» (1785).9
Ich feilsche nicht um das Ganze
Mit dem Schweizer Buchpreis 2009 wird Ilma Rakusa für ihr Buch «Mehr Meer» ausgezeichnet. In der Begründung lobt die Jury die sprachliche Schönheit ihrer Erinnerungsprosa. «Geschult im Umgang mit den grossen Lyrikern, die sie übersetzt, interpretiert und vermittelt, geschult auch durch die eigene lyrische Arbeit», habe sie eine Prosa geschaffen,
Kleinkram
Wieviel muss man wissen, um ein Urteil fällen zu dürfen? Reichen 58 Oktavseiten, unterteilt in fünf Kürzestgeschichten, um Alex Capus einen Karriereknick unterstellen zu können? Vermutlich nicht. Vermutlich sind die Geschichten auch nicht neu, sondern aus dem bestehenden Fundus hervorgesucht für das jugendlich-flippig gestylte «Books To Go»-Programm bei
Reihenweise zum Rheinfall
Gelehrte Aussenseiter, seien sie noch so sachkundig und von Enthusiasmus für ihren Gegenstand getragen, hatten es schon immer schwer, die ihnen gebührende öffentliche Anerkennung zu erringen. Möglich, dass es Heinrich Gebhard Butz auch so ergeht – zu Unrecht, wie seine Textsammlung eindrucksvoll beweist. Der Rheinfall, «Schauplatz unserer Spiele, Streiche und Abenteuer»
Weiter geht’s
Und wie geht’s weiter? Vielleicht ein gutes Jahrhundert ist es her, da machten sich Zeitungen und Zeitschriften ein Be-dürfnis zunutze und veröffentlichten Romane in Fortsetzungen. Berühmte Autoren wie Charles Dickens und Karl May, Alexandre Dumas père und Arthur Conan Doyle schrieben sich die Finger wund und produzierten Woche
Thesen zum Alter, verschenkt
«Glücksfall Alter» versteht sich als Streitschrift, die in 15 Thesen zur gegenwärtigen Situation des Alters mündet. Die beiden Verfasser gehen in ihren Überlegungen von zwei Feststellungen aus. Erstens: in gut einem Jahrhundert habe sich die Lebenserwartung in unserer Gesellschaft um zwei Jahrzehnte verlängert. Zweitens: die demographische Entwicklung gehe rascher vor
Gestochen scharf?
Irène Bourquin: «Im Nachtwind. Siebenundfünfzig gestochen scharfe Erzählungen». Frauenstein: Waldgut, 2008.
Der Berg, sieben Sennen, siebzig Stück Vieh
Charles-Ferdinand Ramuz: «Die grosse Angst in den Bergen». Zürich: Nagel & Kimche, 2009.
Masslose Einsichten – fassbar
Man liest sich fest an diesen Texten, steigt auf und ab in ihren Zerklüftungen, denkt sich von Klippe zu Klippe; denn darum handelt es sich bei diesen Essays, um literarisches Urgestein. Unmöglich, diesen gut neunhundert Seiten des Basler Ordinarius Walter Muschg auch nur annähernd gerecht zu werden, selbst wenn wir
71 Jahre – Urs Widmer
Daniel Keel & Winfried Stephan: «Das Schreiben ist das Ziel, nicht das Buch. Urs Widmer zum 70. Geburtstag». Zürich: Diogenes, 2008
80 Jahre – Paul Nizon
Er zählt zu den Grossen der Schweizer Literatur des 20. Jahrhunderts. Er steht, in seiner Unbedingtheit, neben Robert Walser und, in seiner Radikalität, noch über Frisch und Dürrenmatt. Und doch steht er allein, als letzter Vertreter einer literarischen Moderne, die jene Schranken, die Leben und Kunst voneinander scheiden, nicht akzeptieren
100 Jahre – Rolf Gérard
Zwischen zwei Polen schwingt dieses wunderschöne Buch: der Darstellung eines ungewöhnlichen Lebens und dessen künstlerischem Ausdruck in Farben und Formen. Die Beschreibung des Lebens und Werkes von Rolf Gérard schreitet chronologisch fort; mehr noch als Kapitelüberschriften gliedert eine Abfolge beeindruckender Selbstbildnisse des Älter-werdendens die Flut von Veduten, Stillleben, Portraits