Klaus Hübner
Klaus Hübner ist Germanist und Redaktor. Er lebt in München.
«Jedes Wort ist eine Übersetzung»
Ist Sprache Heimat? Haben mehrsprachige Autoren mehrere Heimaten? Und was ist das eigentlich, «Chamisso-» oder «Migrations-Literatur»? Die in Budapest geborene Zsuzsanna Gahse übersetzt aus dem Ungarischen, schreibt aber auf Deutsch – und gibt gern Auskunft. Ein Werkstattgespräch.
Krieg und Lager – ein Leben lang
Felix Philipp Ingold und sein 20. Jahrhundert. Eine Würdigung.
Schrittweise dem Alphabet entlang
Die Anziehungskraft der Kurzgeschichte, die in der Literatur der Schweiz vor allem im Werk Peter Bichsels prominent vertreten ist, gehe «von ihren nicht idealisierten Figuren – Durchschnittsmensch oder Aussenseiter – und der suggestiven, andeutenden Gestaltungsweise aus, also von ihrem strukturbildenden Komprimierungsprinzip», schreibt Leonie Marx, eine Expertin dieser Prosaform, in Walther Killys Literaturlexikon.
Alpen. Im Sammelband immer mit
Wie wirklichkeitsnah und gegenwartsrelevant sind die gängigen Bilder, die man sich von der Schweiz macht? Variation und Kritik der identitätsstiftenden Schweizer Mythen wurden insbesondere in der Literatur und der Essayistik formuliert – man erinnert sich an entsprechende Einlassungen von Friedrich Dürrenmatt, Max Frisch, Adolf Muschg oder Hugo Loetscher. Ob die Auseinandersetzung
Er will packen mit der Gewalt des Affects
«Eine Untersuchung über Wesen und Entstehung des Barockstils in Italien» lautet der Untertitel der erstmals 1888 erschienenen Studie «Renaissance und Barock», eines kunsthistorischen Klassikers aus der Feder des 1864 in Winterthur geborenen Heinrich Wölfflin. Der 1945 verstorbene Schüler Jacob Burckhardts lässt allerdings kaum einen Renaissancepalast, kaum eine Barockkirche ausserhalb der
Alles Gute zum Geburtstag: Johann Peter Hebel
Man kann sich durchaus Gedanken darüber machen, was es bringt, sich an die grossen Künstler der Vergangenheit vorwiegend dann zu erinnern, wenn runde Geburts- oder Todestage anstehen. Immerhin – wir werden aufmerksam, und sollte es ein Dichter sein, lesen wir vielleicht wieder einmal in seinen Werken. Dass diese rasch greifbar sind,
Der Bodensee sog – bis ins Montafon und ’s Ländle
Die nicht erst seit gestern weitverbreitete Sehnsucht nach einem Aufenthalt am Bodensee hat, und zwar über Jahrhunderte hinweg, bedeutende Literatur hervorgebracht. Vieles davon versammelt die eng bedruckte und schön gestaltete Anthologie «Im Sog des Bodensees», in der Herausgeber Klaus Isele auf Gedichte ganz verzichtet und damit Raum für Prosatexte von
Viel Arbeit um des lieben Salzes willen
Salz ist eine «schöpferische Substanz» und lebt «in den Ritualen der Gastfreundschaft, auf den Opfertischen der Magier, im Denken der Philosophen und in den wuchernden Bildern der Dichter». Das schreibt Peter von Matt, und der Verlag zitiert es auf der Umschlagrückseite einer Studie, die der 1972 geborene, heute in Bern
Reihenweise zum Rheinfall
Gelehrte Aussenseiter, seien sie noch so sachkundig und von Enthusiasmus für ihren Gegenstand getragen, hatten es schon immer schwer, die ihnen gebührende öffentliche Anerkennung zu erringen. Möglich, dass es Heinrich Gebhard Butz auch so ergeht – zu Unrecht, wie seine Textsammlung eindrucksvoll beweist. Der Rheinfall, «Schauplatz unserer Spiele, Streiche und Abenteuer»
Ziegelsteindick über zwei Zürcher im 18. Jahrhundert…
Anett Lütteken & Barbara Mahlmann-Bauer (Hg.): «Johann Jakob Bodmer und Johann Jakob Breitinger im Netzwerk der europäischen Aufklärung». Göttingen: Wallstein 2009
Yoknapatawpha und der Vierwaldstättersee
Solide und leserfreundlich aufgemacht, 423 Seiten stark, mit zahlreichen erläuternden Abbildungen versehen und mit 17 aufschlussreichen Faltkarten garniert, präsentiert sich die überarbeitete Fassung der Basler Dissertation von Barbara Piatti. Ihre grundgescheite Studie ist ein engagiertes Plädoyer für eine «Geographie der Literatur». Simpler Dichtertourismus ist fortan passé. Die Ausgangsfrage ist einfach:
Viel mehr Meer als wir wollten!
Christoph Braendle: «Der Meermacher. Roman». Weitra: Bibliothek der Provinz, 2008.
Und in der Ferne schimmert der See
Jochen Kelter & Hermann Kinder (Hrsg.): «Bodenseegeschichten». Tübingen: Klöpfer & Meyer 2009
Lust und Blut im 1. Bezirk
«Joseph Birnbaum, ein fünfzigjähriger, glatzköpfiger Biologielehrer aus einer kleinen Ortschaft am Neusiedlersee im Burgenland und Präsident einer dortigen ornithologischen Gesellschaft, bestieg bei Tagesanbruch, es war ein heller, aber kalter Oktobermorgen, den Zug nach Wien in der Absicht, sich während einer Woche im Naturhistorischen Museum gründlichst mit den dortigen Sammlungen auseinanderzusetzen.
Ein paar Nuggets, viel Sand
Jochen Kelter: «Ein Ort unterm Himmel. Leben über die Grenzen – Essays und Texte». Frauenfeld: Waldgut, 2008.