Ausgabe 966 - Dezember 2008
Finger weg! – Staat und Familie
In dieser Ausgabe
Dossier
(7) Dreifachsalto mit Sicherheitsnetz
Eheschliessung und Ehescheidung, Familienplanung und Mutterliebe, Arbeitsteilung und Kindergrippe: Familiensoziologen sind bei diesen Stichworten um Antworten nicht verlegen. Eine Auswahl historischer Beispiele und aktueller Studien.
(6) Familienpolitik für alle
Familienpolitik hiess früher meist Geburtenpolitik. Inzwischen steht die Chancengleichheit der Frauen im Vordergrund. In Zukunft muss die Rolle des Mannes neu überdacht werden.
(5) Das neue Familienbewusstsein
Staatliche Betreuungsplätze, Mittagstische, Schulobligatorium, Alimenten-Regelungen – der Staat mischt sich in die Aufgaben der Familien ein. Wie sieht dies die neue, junge Elterngeration?
(4) Familie – trotz alledem!
Die Familie widersteht der Rationalisierung des Lebens. Wie sehen Familienmodelle aus, in denen das Schöpferische über das Zerstörerische obsiegt?
(3) Mehr Freiheit, mehr Kinder
Wir brauchen Kinder. Deshalb braucht es eine Familienpolitik – wenn auch eine andere als die, die wir kennen.
(2) Verhinderungsbüros und Familienbremspolitik
Was wäre, wenn alle Gleichstellungsbüros geschlossen würden? Den Frauen ginge es nicht unbedingt schlechter – im Gegenteil. Bericht über eine merk-würdige Gleichstellungspolitik.
(1) Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt
Mit ausufernden Präventionsmassnahmen nimmt der Staat Einfluss auf eine unbotmässige Jugend und damit auch auf die Familien. Ziel ist der sozialverträgliche Staatsbürger. Die unangenehme Nebenwirkung: je grösser der Anpassungsdruck, desto häufiger kommt es zu Störfällen.
(0) Auftakt
«Das ist privat» ist eine häufige Antwort, wenn es um familiäre Fragen geht. Doch wieweit soll das gelten? Wenn hinter geschlossenen Haustüren Familienangehörige misshandelt, Kinder bis zum Hungertod vernachlässigt, Frauen vergewaltigt und demente Verwandte an ihren Betten festgebunden werden, dann muss die Gesellschaft, muss der Staat einspringen. Doch wenn wir
Aktuelle Debatten
Von der Unentschlossenheit
Nichts ist so schlimm, dass man es unbedingt ändern müsste. So denkt der Unentschlossene. Ihn lähmt die Furcht vor dem Risiko und die Hoffnung, alles renke sich von selbst wieder ein.
Vivisektion des Gutmenschentums
Teil III: Warum es nicht gut ist, Anreize durch gute Absichten zu ersetzen
Irrationale Demokratie
Gerade in ökonomisch harten Zeiten zeigt sich: Demokratien begünstigen eigennützige Entscheidungen von Interessengruppen – weil ja die anderen die Kosten tragen. Das Problem ist, dass wir nur allzuoft selbst die anderen sind.
Führen statt winken
Tritt Bundesrat Samuel Schmid zurück oder nicht? Schafft es Ueli Maurer in den Bundesrat oder nicht? Im parteipolitischen Theater ging vergessen: die Affäre Nef zeigt die Führungsschwäche des Bundesrats.
Von Kiffern, Lastern und Verbrechern
Wenn es um Hanf geht, sind die Sinne oft getrübt – nicht nur die Sinne der Kiffer. Ein Nachtrag zur Abstimmung.
Wozu Rettungspakete?
Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch, heisst es bei Hölderlin. Nur sind die gutgemeinten Rettungsmassnahmen oft schlimmer als die Gefahr selbst. In der aktuellen Finanzkrise tut vor allem eines not: Gelassenheit. Und Geduld.
Weitere Beiträge
Logos frisst Mythos
Tim Krohn: «Vrenelis Gärtli». Berlin: Eichborn, 2007. Das dazugehörige Hörbuch, gelesen vom Autor, ist bei Kein & Aber erschienen.
Editorial
«Alle glücklichen Familien ähneln einander; jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich», schreibt Leo Tolstoi in «Anna Karenina». Auch unterstützt werden müssen diese unglücklichen Familien jede auf eigene Weise. Doch von wem? Und wie? Und ab welchem Punkt darf nicht länger gezögert werden? Finger weg! – so lang wie
Interview Teil 1: «Ich wollte Politiker werden»
Sein Vater hat ihn gesiezt. Im ersten Teil unserer Interview-Reihe berichtet Anthony de Jasay von seiner Kindheit in Ungarn.
Tito Tettamanti im Gespräch
Er hat viele Interessen. Und viele Gesichter. Der Unternehmer Tito Tettamanti hat das Schweizer Establishment aufgemischt. Er wirft sich weiterhin in jede Schlacht, die ihm das Leben bietet. Und in jedes Gespräch. René Scheu hat Tito Tettamanti in Südfrankreich getroffen.
Peter Zeindler: Der Urknall
Im Februar 2009 wird der Zürcher Schriftsteller Peter Zeindler 75 Jahre alt. Wir drucken exklusiv die ersten drei Kapitel seines Spionageromans «Der Urknall». Zeindler ermittelt derzeit in Genf für das vierte Kapitel. Mehr erfahren: redaktion@schweizermonatshefte.ch
Schweizer Literatur in Kurzkritik XIII
11 Bücher, vorgestellt in dreizehnten Folge der «Schweizer Literatur in Kurzkritik». Fortsetzung folgt.
Sachbuch
Paul Virilio Panische Stadt Wien: Passagen, 2007 Der französische Stadtplaner und Philosoph Paul Virilio ist mit seinen Thesen zur Beschleunigung der Welt der Moderne berühmt geworden. Dass wir uns nicht mehr natürlich fortbewegen, sondern seit der Erfindung der Eisenbahn in immer rascherem Tempo, verändert – so hat er gezeigt – unsere Wahrnehmung
Was heisst denn hier Freiheit?
Eine Antwort aus dem Stegreif von Christian Schopper «Eine gute Verwirrung ist mehr wert als eine schlechte Ordnung.» (Ludwig Tieck)
Von der Gefahr eines «physiognomischen Autodafés»
Roger Fayet (Hrsg.). «Anatomie des Bösen. Ein Schnitt durch Körper, Moral und Geschichte». Zürich, Baden: hier+jetzt,
Zwischen den Sprachen und Literaturen
Die Polyphonie der vier Landessprachen und Literaturen steht im Zentrum auch der zweiten Ausgabe von «Viceversa Literatur» – des «Jahrbuchs der Literaturen der Schweiz». Wie schon letztes Jahr, erscheint «Viceversa» in einer deutschen, italienischen und französischen Ausgabe, neben «Viceversa Literatur» auch als «Viceversa Littérature» und «Viceversa Letteratura». Jede Ausgabe ist bemüht,
Aktenlektüre zumal, doch wie erregend…
Dass es bei der offiziellen Schweiz wenig Freude hervorrief, wenn Karl Barth sich, nach seinem von den Nazis erzwungenen Weggang aus Deutschland, zu den Verhältnissen dort äusserte, war früh bekannt. Erstmals ist nun aber das ganze Räderwerk der Schikanen zu besichtigen, in das er durch Regierungsinstanzen und nachgeordnete Behörden geriet
…auch Kurt Marti war von Karl Barth fasziniert
Kurt Marti: «Ein Topf voll Zeit 1928–1948». Zürich/München: Nagel & Kimche, 2008
Ein Häufchen akkurat katalogisierten Elends
Gestern war alles besser. Das kann der besonnene, streng rationale Paläontologiedozent Emile Ryffel bestätigen, denn beruflich löffelte er sich mit feiner Akribie durch die Sedimentschichten vorzeitlicher Vulkaneruptionen, privat lebte er noch am Vortag den Stammhirntraum aller Akademiker: eine aparte Kulturschaffende – die Ebenbürtige – als feste Partnerin und eine knackige Studentin – das
Wir spielen immer – wer es weiss, ist klug
Pinkas Braun: «Vorspiel. Eine Jugend – ein Bühnenleben». Zürich/München: Nagel & Kimche, 2008
Keller, Keller, Keller
Was hat Gottfried Keller mit Aischylos oder Sophokles zu tun? Die Frage könnte auch Keller-Fachleute in Verlegenheit bringen, denn Keller hat sich – abgesehen von ein paar Theaterfragmenten – nicht als Dramatiker hervorgetan. Antwort darauf weiss das von Martin Müller verfasste Personenlexikon zu Kellers Leben und Werk. Denn im Vorwort von
Schweizerreise durch Höhen und Flachland
Dirk Vaihinger (Hg.): «Die Schweizerreise. Erzählungen aus den Kantonen». Zürich / München: Nagel & Kimche 2008.
Fans im Fokus
Werner Bosshard, Beat Jung: «Die Zuschauer der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft. Zürich: Limmat, 2008
Ein-Satz-Bilder, Ein-Bild-Sätze
Der Zürcher Autor Peter K. Wehrli, so die Legende dieses Buchs, soll vor vierzig Jahren auf einer Reise den Fotoapparat veragessen haben, was ihn animierte und zwang, mit der Sprache zu fotografieren. Er machte Ein-Sätze-Bilder mit Titelwort. Darin liegt der Clou: ein Bild, ein Satz; ein Satz, ein