In dieser Ausgabe
Dossier
Prinzip Haftung
Der Markt verursachte die Krise nicht. Wir leben nicht in echter Marktwirtschaft – schade! Kapitalismuskritik verfehlt das Problem. Umgekehrt: Wer das Gemeinwohl will, braucht offene Gesellschaften. Eine Klarstellung.
Eine neue Verfassung
Der Liberalismus steckt in einer Krise. Ein selbstbestimmtes Leben zu führen, wird zunehmend zur Illusion. Geld regiert die Welt, die Finanzwirtschaft gebietet über die öffentliche Ordnung. Was hilft? Es braucht eine neue Verfassung des Kapitalismus, die ihn in demokratische Schranken weist.
Mass und Mitte
Komplexe Gesellschaften wie die unsrigen sind hochempfindlich. Die Beziehungen sind abstrakt, jeder Eingriff zeitigt unvorhersehbare Wirkungen. Umso wichtiger ist eine konkrete Gemeinwohlorientierung. Die Wiederentdeckung des gesunden Menschenverstandes weist den Weg.
Klare Spielregeln
Was ist das Antidot zum heutigen Kapitalismus? Der Sozialismus hat abgewirtschaftet. Ist das Antidot also vielleicht doch der gute alte Kapitalismus? Er ist gemeinwohlverträglich – wenn man ihn lässt.
Aktuelle Debatten
Strategierat 21
Engagierte Schweizer Bürger, vereinigt euch! Das Land braucht eine Strategie. Ein Vorschlag.
Weitere Beiträge
Editorial
Sie halten die 1000. Ausgabe in Händen. 1000 ist eine schöne Zahl. Also feiern wir zusammen mit unseren Lesern und Autoren ein wenig, aber nicht zu viel. Wir arbeiten weiter hart an der Qualität und den Inhalten unserer Zeitschrift. Was alles im Oktober läuft, erfahren Sie im Veranstaltungskalender unserer Website.
Lieber still als schrill: Einige Zeilen über uns
Wer weiss noch, was gestern oder vorgestern das Land beschäftigte? In modernen, massenmedial animierten Gesellschaften ist es schwierig, den Massstab zu wahren, vom Überblick ganz zu schweigen. Das erzeugt Stress, und dieser Stress schweisst zusammen. Die mediale Stressbewirtschaftung erzeugt erst das Gefühl gesellschaftlicher Verbundenheit – Bürger eines Stresskollektivs ist folglich, frei
Die EZB nimmt alle Sparer in Geiselhaft
Die EZB betreibt eine verantwortungslose, zutiefst unmoralische, ja eigentlich kriminelle Politik.
Realitätsabgleich in der U-Bahn
Mein Freund Harry weigert sich, die Londoner Subway zu benutzen. Weil er seinen Führerschein abgeben musste und sich keinen Chauffeur leisten kann, verwendet er ein kleines Vermögen darauf, sich von Taxis in der Gegend herumfahren zu lassen. Jeden Tag zur Arbeit und wieder nach Hause, am Wochenende zum Club in
«Gefällt mir» gefällt mir nicht
Wäre Italienisch nicht nur eine schöne, sondern auch eine europaweit verstandene Sprache, so wäre längst bekannt, dass Indro Montanelli (1909–2001) einer der bedeutendsten Journalisten des 20. Jahrhunderts war. Controcorrente – gegen den Strom – war sein lebenslanges Markenzeichen, auch dann, als in den bleiernen Siebzigerjahren sogar sein «Corriere della Sera» ängstlich
Zukunftsreise
Tausende Steine liegen verstreut in der Einöde, glatt poliert von dem Wasser, das sie einst in die Ebene gespült hat. Am Horizont zeichnet sich die Hügelkette des Kraterrands ab, links ist der Abhang des 5000 Meter hohen Mount Sharp zu erkennen. Dorthin soll der Rover rollen und nach Bausteinen des
Starker Tobak für Stimmbürger
Volksinitiativen zu lancieren, die auf die Bundesverfassung zielen, ist stark in Mode gekommen. Das Vorgehen verspricht Aufmerksamkeit. Einige völkerrechtlich frag-würdige Volksinitiativen haben nun Bundesbehörden und Rechtswissenschaft dazu bewegt, sich zu fragen, ob der souveräne Stimmbürger nicht doch in die richtige Richtung zu lenken sei. Der Bundesrat liess 2011 in
Verleger, wo seid ihr?
Wir leben in der Schweiz, einer weitverbreiteten Meinung zufolge, in der besten aller Pressewelten. Die Medienfreiheit ist nach Artikel 17 der Bundesverfassung gewährleistet, Zensur verboten. Jeder Bürger und Journalist kann seine Meinung frei äussern und verbreiten. Wenn die Bedingungen für Medien- und Meinungsfreiheit erfüllt sind, muss dies automatisch zu Meinungsvielfalt
Europa brennt
Deutschlands bekanntester Soziologe ist besorgt: Der alte deutsche D-Mark-Nationalismus finde sich nunmehr in den beinahe imperialistischen Strukturen der EU wieder, sagt Ulrich Beck. An den neuen Abhängigkeiten drohe die Union zu zerbrechen. Stimmt das? Ein Streitgespräch.
Also sprach Minder
Er preist die Unabhängigkeit des parteilosen Politikers und schimpft gerne über Lobbyismus, Boni und Mandatsjäger. Der Schaffhauser Ständerat Thomas Minder prangert an, was ihm am Berner Ratsbetrieb nicht passt. Wie lange hält er den Alleingang aus?
Reich ist, wer Aufmerksamkeit erhält
Das Selbstbewusstsein eines einzelnen Menschen hängt von seinem Einkommen an Aufmerksamkeit ab, sagt Georg Franck. Nach seiner Theorie des «mentalen Kapitalismus» werden Konsumenten sinnentleerter TV-Sendungen ausgebeutet, Leser von Gesprächen über diese Ausbeutung jedoch nicht.
Waldrausch und Weltuntergang
Er will Griechenland kaufen. Europa nennt er eine Desastertorte mit rosa Zuckerguss. Und in Indien ist sowieso alles besser, da chaotischer, also freier. 20 Tage Korrespondenz, nicht ohne Unterbrüche, mit dem Indienreisenden Andreas Thiel.
Broadway nach Stundenplan
«Der Prozess» von Franz Kafka war mein Lieblingswerk während der Gymnasialzeit. Mich faszinierte das Absurde, und zugleich belustigte mich die Tatsache, dass sich sowohl der Protagonist Josef K. als auch die Leserschaft das Spiel mit der falschen Realität und das Tappen im dunkeln ein ganzes Buch lang gefallen lassen. Dass
Freiheit ist Unabhängigkeit
Sie solle schreiben, was sie wolle, sei frei, zur Freiheit zu erzählen, was sie wünsche, und zu erfinden, was sie denke, hatten sie ihr gesagt und sie in die Klemme gebracht. Wie sie es auch drehte und wendete, das Hirn blieb unbewegt. Besorgt neigte sie den Kopf, fiel von kleiner
Die Kunst, das schlechte Gewissen des Kapitalismus
Der Kunsthistoriker Beat Wyss erklärt die vier Tugenden der Kunst, die Geburt des modernen Künstlers und seine Rolle als Pionier der Marktwirtschaft. Streitlustig beerdigt er die Diskursheroen der Postmoderne und fordert: Wendet euch wieder den Dingen zu!
Ausverkauf der Philosophen
TAG: 4 ZEIT: kurz vor St. Nimmerlein, also frühestens am Ende unseres Jahrhunderts ORT: im unplatonischen Ideenhimmel des Verfassers, wo Gott und sein Sohn ihren philosophischen Kramladen entrümpeln