Ausgabe 958 - Januar 2008
Jenseits von Liberalismus light
In dieser Ausgabe
Dossier
(12) «Du bist frei, frei zu sein»
Spielregeln definieren statt Spieler manipulieren: wie der ehemals militante Philosoph und Historiker Michel Foucault Ende der 1970er Jahre den Liberalismus entdeckte.
(11) Freiheit durch Bindung
Der Mensch ist im christlichen Verständnis nicht Herr über sich selbst. Freiheit bedeutet entsprechend Befreiung von der Welt durch die Bindung an Gottes Willen. Eine Verteidigung einer Paradoxie.
Die unsichtbare Hand, das Gehirn und der Bauch
Anmerkungen zur Geburt eines Paradigmas, das Ökonomie und Vorsehung verbindet.
(9) Wo Staat war, soll Individuum werden
Gespräch mit Daniel Model Nicht wahnsinnig, sondern wahnsinnig einfach ist es, einen eigenen Staat auszurufen. Dies behauptet der Thurgauer Unternehmer Daniel Model, der jüngst ebendies getan hat: einen Staat ausrufen. Model setzt auf spontane Ordnung. Und hofft auf weitere Akte des Ungehorsams.
(8) Den Staat entschlacken
In den letzten Jahren hat in der Schweiz eine Entliberalisierung des Staatswesens stattgefunden. Das muss sich ändern. Plädoyer für einen schlanken Staat mit klaren Kernfunktionen.
(7) Der vergessene Mittelstand
Freiheit meint nicht Beliebigkeit und verlangt vom einzelnen Verantwortung. Das ist eine politische Botschaft, die sich nicht spielerisch kommunizieren lässt. Warum die Wahlkampagne der FDP versagt hat – und warum eine Rückbesinnung auf die liberalen Grundprinzipien not tut.
(6) Die unheilige Allianz der Nutzniesser
Wer herrschende Strukturen verändern will, stösst auf Widerstand. Während die Vorteile liberaler Reformen zuerst einmal hypothetisch sind, lassen sich die Nachteile mit Händen greifen. Warum es sich dennoch lohnt, hart zu bleiben – aus dem Politlabor einer ehemaligen Regierungsrätin.
(5) Feindbild Neoliberalismus
Die meisten Sünden, die dem Neoliberalismus angekreidet werden, sind effektiv Altlasten vorbestehender feudalistischer, merkantilistischer und planwirtschaftlicher Machtstrukturen und Korruptionsnetze. Eine Kritik der Kritik des Neoliberalismus.
(4) Gute Anreize
Soll die Wirtschaft durch staatliche Interventionen oder durch das Prinzip des Wettbewerbs geleitet werden? Das ist nur vordergründig eine ideologische Frage. Überlegungen eines früheren Sozialdemokraten.
(3) Die grosse Zumutung
Freiheit ist nicht gegeben, sondern aufgegeben. Eine kritische Würdigung von Nutzen und Vorteil des negativen Freiheitsbegriffs für das moderne Leben.
(2) Ein Leben ohne Zwangsherrschaft
Individuum, Eigentum, Tausch – was bedeutet es am Anfang des 21. Jahrhunderts, liberal zu sein? Eine Standortbestimmung.
(1) Zu optimistisch oder bloss realistisch?
Individuen haben Interessen und verfolgen sie. Daran ist nicht Ehrenrühriges. Die Gesellschaft basiert nicht auf Menschen, wie sie sein sollten, sondern auf Menschen, wie sie sind. Bemerkungen zum liberalen Menschenbild.
(0) Auftakt
Kaffee – aber bitte ohne Koffein! Coca Cola – aber bitte ohne Kalorien! Liberalismus – gerne, aber bitte in leichtverdaulicher Form, sozusagen mit einer erträglichen Dosis Freiheit: Liberalismus light… In unserer virtuellen Welt, deren Begriffe alles und folglich auch das Gegenteil von allem bedeuten, sind alle irgendwie liberal. Das Spektrum reicht von «klassisch
Aktuelle Debatten
Wie wir unsere Standpunkte finden
Zu vielen Themen haben wir Meinungen, können sie aber oft nicht begründen. Häufig verlassen wir uns auf Emotionen oder Autoritäten. Doch unter bestimmten Bedingungen ist das nicht problematisch – und manchmal unvermeidlich.
Zehn liberale Gebote
Nicht von Gott zu Menschen, sondern von Menschen zu Menschen: eine Tafel mit zehn liberalen Geboten an die Regierenden zur Beschränkung ihrer Macht. Vor- und Nachteil zugleich: wer sich nicht an die Gebote hält, muss nicht mit Höllenstrafen rechnen.
Jenseits der Gerechtigkeit
Gerechtigkeit und Solidarität werden in der politischen Rhetorik kaum auseinandergehalten. Das ist nicht nur falsch, sondern auch schädlich. Warum eine total gerechte Welt kalt wäre – und warum der Sozialstaat die Solidarität erstickt.
Jedem das Seine
Die kategorische Aussage, dass Gleichheit gut und Ungleichheit schlecht sei, wird vor uns hingestellt. Aber stimmt sie auch?
Weitere Beiträge
Editorial
«Jenseits von Liberalismus light» heisst das Dossier dieser Ausgabe. Die «Schweizer Monatshefte» haben sich seit ihrer Gründung 1921 stets aktiv an der Weiterentwicklung liberaler Wertvorstellungen beteiligt. Das aktuelle Heft ist ein Beitrag zu dieser Auseinandersetzung, die jenseits des aktuellen partei- und tagespolitischen Gezänks geführt wird. Es geht um das liberale
Nichts ist unerträglicher als die Freiheit…
Fjodor Dostojewskij (1821 bis 1881) Von dem russischen Schriftsteller Fjodor Dostojewskij stammt – aus seinem Roman «Die Gebrüder Karamasow» – eines der leidenschaftlichsten Plädoyers für die persönliche Freiheit.
Psychotherapie heute: Überwindung der Dogmen
«Psychotherapie heute: Überwindung der Dogmen». Mit diesem Beitrag endet unser Fokus 2007 «Zürich, Stadt der Seelenkunde», der von unserer freien Mitarbeiterin Barbara Handwerker Küchenhoff betreut wurde. Seit der Januarausgabe haben Theoretiker wie auch Praktiker die vielfältigen Entwicklungen vorgestellt, die Sigmund Freuds Psychoanalyse in Zürich von Anfang des vergangenen Jahrhunderts bis
Es bleibt dabei: das letzte Wort hat die Sprache
Sprachrichtig und einheitlich – am 31. Oktober 2007 stellte die Schweizer Orthographische Konferenz (SOK) ihre Empfehlungen vor. Die Eröffnungsrede hielt Christoph Stalder. 1996 löste die Rechtschreibreform heftige Kontroversen aus.
Schweizer Literatur in Kurzkritik V
Morde auch in Zürich – neue Kommissare betreten die literarische Bühne. Die fünfte Folge der «Schweizer Literatur in Kurzkritik» stellt 15 Bücher und eine CD vor, darunter Werke von Franz Hohler, Alex Capus und Urs Widmer. Fortsetzung folgt.
Was heisst denn hier Freiheit?
Martin Bäumle zitiert Hayek: Viel Widerstand gegen Freiheit unter Gesetzen stammt aus der Unfähigkeit, effektive Koordination menschlicher Tätigkeiten ohne bewusste Organisation durch Befehlsgewalt vorzustellen. Der Markt ermöglicht jedoch gegenseitige Anpassung spontaner individueller Aktivitäten.
Vorschau
Die nächste Ausgabe Das Dossier der Ausgabe Februar 2008 gilt dem Thema «Regeneration der Universität». Gast in der Galerie ist Thomas Huber. Aus der Agenda 2008 «Appenzell» «Kunst der Kritik» «Global, lokal» «La Chaux-de-Fonds» «Endlichkeit» Zuletzt erschienen «Knappes Wasser» «Staaten in der Schuldenfalle» «Aargau – ein Kanton startet durch»
Mein Vater geht jeden Tag vier Mal die Treppe hinauf und herunter
Geborgen – wo? Mag sein, dass manches von dem, was Francesco Micieli in seinen neun kurzen «Texten zu Sprache und Heimat» sagt, so oder so ähnlich schon einmal gesagt worden ist. Aber es ist kaum jemals so überzeugend und vor allem so schön gesagt worden. Und ausserdem, das ist die individuelle
Fremdschläfer
Nobody in Montreal In jenem «alten Haus der Sprache», in dem sich laut Karl Kraus alle Schriftsteller (und Epigonen) tummeln, will Verena Stefan kein Wohnrecht mehr besitzen. Im Gegenteil: die 1947 in Bern geborene Autorin ist Ende der 1990er Jahre bewusst aus diesem morsch gewordenen Gebäude ausgezogen und in die
Saubere Wäsche
Zwei Morde in Zürich… Es wird viel getrunken in diesem Kriminalroman. Vor allem Hochprozentiges. Auch Johanna di Napoli, ehemals Übersetzerin und jetzt Wachtmeisterin bei der Zürcher Stadtpolizei, greift gerne zur Whiskyflasche. Als Spezialistin für häusliche Gewalt und Sexualdelikte steht sie mitten in der Kampfzone der Geschlechter. Dabei sind die Gewichte
Singende Eisen, Spangen und Gleise. Vier dichtende Maultrommler und maultrommelnde Dichter»
Fault nicht, klebt nicht, riecht nicht, nässt nicht «Singende Eisen, Spangen und Gleise» nennt sich das Programm, das seit Jahren vier illustre Musiker und Autoren auf der Bühne zusammenführt. Anton Bruhin, Bodo Hell, Michel Mettler und Peter Weber geben gemeinsam ein mixtum compositum zum Besten, das nun auch auf CD
Der Mauersegler
…auch ein Agentenroman braucht Tote… Im Grunde fehlt mir ja der Zugang zu Agentenromanen, dachte ich. Alle diese Decknamen, Beschattungen, Verdächtigungen: sie sind doch – verdächtig. Aber wessen? Immer gleicher Strickmuster! Nein, die Welt von John le Carré & Co. überlasse ich gerne den Carréristen, so mein lang gehegtes Vorurteil, das
Es klopft
Der Mittelstands-Ehemann, kein Mörder Der Titel wäre von gerissener Simplizität. Wer klopft, könnte immer schon jener sein, auf den wir ein Leben lang warten. Hier aber ist es Eros, der sich ankündigt. Es klopft eine fremde Frau. Zuerst ans Zugfenster. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt hinter der Scheibe ignoriert
Gehetzt. Südfrankreich 1940. Deutsche Literaten im Exil
Ruth Werfel (Hrsg.): «Gehetzt. Südfrankreich 1940. Deutsche Literaten im Exil». Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung, 2007.
Eine Frage der Zeit
Erfolgsexpress Abenteuerroman Verfasser von Abenteuergeschichten hatten es meist nicht leicht. Sie waren die Stiefkinder der Literaturgeschichte. Geliebt vom Publikum, wurden sie vom gehobenen Feuilleton im besten Fall ignoriert. Ich denke an Robert Louis Stevenson, der lange warten musste, bis er seinen Status als Klassiker erlangen konnte; ich denke an Jules
Vom Leben, vom Tod und vom Übrigen auch dies und das. Frankfurter Poetikvorlesungen
Nochmals: Poetikvorlesungen von Urs Widmer Poetikvorlesungen handeln in den seltensten Fällen von literarischer Theorie, sondern sind vielmehr Selbstverständigungsversuche der Autoren über ihr eigenes Tun und Schaffen. Insofern folgt Urs Widmer einer guten Tradition, wenn er seine im Frühjahr an der Universität Frankfurt gehaltenen Poetikvorlesungen unter den weitläufigen Titel stellt: «Vom
Lies und werde reich. Geschichten vom Geld
Es interessiert: wird der Rezensent jetzt reich? «Das Geld liegt auf der Strasse – warum sehe ich es nicht? Ich muss in einer anderen, der falschen Welt leben», schreibt Al Imfeld. Wie ihm, mag es der Weltbevölkerungsmehrheit gehen. Und deswegen beschenkt Imfeld sie in seiner neuen Geschichtensammlung mit Tips, wie sie
Die Tanne brennt!
Alle Jahre wieder: Die Tanne brennt auch 2008 Die Geschichte, in der der Autor sich am weitesten vorwagt, ist die drittletzte des Bandes «Die Tanne brennt!» von Beat Brechbühl. Schöpfer heisst der Protagonist ihrer Binnenerzählung, er ist Angehöriger der Generation Fünfzig plus und frisch gebackener Eheaussteiger. Als Vertreter von Assekuranzen
Paranoia City. Der Fall Ernst B.; Selbstzeugnis und Akten aus der Psychiatrie um 1900.
Boomtown Basel Basel war die Schweizer boomtown des 19. Jahrhunderts: 16’000 Menschen wohnten um 1800 in den beiden Teilen der Stadt, hundert Jahre später bereits fast siebenmal soviel, nämlich 109’000. Eine rasante Industrialisierung hatte Zehntausende von Einwanderern aus dem In- und Ausland angezogen, darunter auch den Coiffeur Ernst
Die Landstrasse. Erzählungen & Stein bedeutet Liebe
Regina Ullmann: «Die Landstrasse. Erzählungen. Mit einem Nachwort von Peter Hamm». Zürich: Nagel & Kimche, 2007. Eveline Hasler: «Stein bedeutet Liebe». Zürich: Nagel & Kimche, 2007.