In dieser Ausgabe
Dossier
Der Bürger – ein Ideal von gestern für die Gesellschaft von morgen
Gibt es ihn noch, den Bürger? Dass es ihn in grosser Zahl gegeben hat, davon erzählen ältere Gebäude in jeder Schweizer Stadt. Über einen Bürgersteig ist jeder von uns schon einmal gelaufen, die Bürgerwehr kennen wir aus amerikanischen Filmen, und seine Bürgerrechte will auch niemand missen. Aber denken wir den
Uniform ist unkonform
Das Angebot ist gross: Bildungsbürger, Wutbürger und Spassbürger. Kleinbürger, Grossbürger und Spiessbürger. Aber ist der letzte einfache Bürger nicht längst ausgestorben?
Bürgerliche Tugenden?
Von Tugenden ist immer dann die Rede, wenn man sie vermisst. Was sie wirklich ausmacht, wird oft unterschlagen. Wirtschaftshistorikerin Deirdre McCloskey lichtet den Begriffsnebel und weiss: Nur das Leben aller bürgerlichen Tugenden schafft dauerhaften Wohlstand.
Bye-bye Bourgeois
Der Bourgeois trägt heute zerrissene Jeans und kauft bei Aldi ein. Jene, die ihn einst als Klassenfeind bekämpften, legen Wert auf Anzug und Krawatte. Die verkehrte Welt ist erklärbar. Und folgenschwer.
Der Wutbürger
Ein neuer Bürger ist geboren. Er weiss nicht, was er will. Aber er weiss, was er nicht will. Er stellt die selbsternannten Eliten in Frage. Und er begehrt auf. Wem gehört die Zukunft: dem Wutbürger oder der Wut auf ihn?
Unsere Bürgerdarsteller
Die bürgerlichen Parteien haben sich von ihren Idealen verabschiedet. Der Sozialdemokrat könnte sich angesichts der Selbstdemontage des politischen Gegners entspannt zurücklehnen. SP-Nationalrat Cédric Wermuth erklärt, warum das keine Option ist.
Aktuelle Debatten
Der König ist tot…
…lang lebe der König: Wie steht es um Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit im heutigen Europa? Eine Zwischenbilanz 223 Jahre nach der Französischen Revolution.
Hauptzweck, Nebenzweck, ohne Zweck
Die europäische Entwicklungshilfe bremst Aids und Islamismus. Subventionen für die Landwirtschaft dienen der Landschaftspflege. Der Euro bringt die politische Union aus sich hervor. Alles hängt irgendwie mit allem zusammen. Dabei bleibt nicht nur die Übersicht auf der Strecke.
Weitere Beiträge
Bürgerbildung
Juni-Ausgabe mit Beiträgen von Norbert Bolz, Deirdre McCloskey, Cédric Wermuth, Bazon Brock, Götz Aly, Carlos A. Gebauer, Beat Kappeler, Hans Geiger, Peer Steinbrück, Klaus Modick, Kenneth Mauerhofer uvm.
Wunschpolitik, Wunschwähler, Wunschdenken
Wer seinen Blick auf das Verhalten der Bürger in angeschlagenen europäischen Staaten lenkt, kann auf den Gedanken verfallen: Demokratien sind nichts anderes als Wunschpolitikproduktionsmaschinen. Demokratische Wunschpolitik spricht den Wähler in seiner höchsten Eigenschaft als Phantasiewesen an. Sie stiftet ihn an, an all die schönen Verheissungen zu glauben, die in Richtung
Programmierte Enttäuschung
Achtung, Apokalypse: Die Welt ist auf dem Weg in den Abgrund. Globale Erwärmung, Schuldenkrise, europäische Sparpläne, Stellenabbau, Protestbewegungen gegen Banken, Staaten, Schulden und überhaupt – keine guten Nachrichten im Westen. Gleichzeitig lesen und hören wir in Studien (NEF, OECD) von Menschen auf einsamen Inseln wie Vanuatu oder auf dem Dach der
In müder Erwartung
Sie sitzen in Reih und Glied und warten. Zwei Offiziere haben ihr Käppi abgenommen, einer gähnt herzhaft, um sich aufzumuntern. Einige wenden den Kopf erwartungsvoll nach rechts, andere blinzeln in die Sonne oder starren grimmig vor sich hin. Manchen sind die Augen zugefallen; sie dösen halbwach vor sich hin
Kaufen Sie sich Ihren Richter!
Ohne alle Polemik kann man sagen: Die schweizerische Justiz ist korrupt. Nicht einzelne Richter, sondern die Justiz als solche, und zwar ganz offiziell. Dies gilt zumindest für das sogenannte öffentliche Recht, wo es um Streitfälle zwischen dem Staat und einem Privaten geht. Hier werden sämtliche Urteile von Richtern gefällt, die
Einigkeit und Recht und Freiheit
Götz Aly bohrt dort weiter, wo andere aufhören. Seine Quellenarbeit erschüttert Geschichtsbilder und damit unseren Blick auf die Gegenwart. Der Historiker spricht über Gleichheit, Neid und Rassenhass – kurz: über nationalen Sozialismus.
«Dadurch unterscheiden wir uns von Nordkorea»
Er kam, sprach und durfte wieder gehen: Der ehemalige deutsche Finanzminister Peer Steinbrück besuchte die Schweiz für wenige Stunden und zeigte sich dabei staatsmännisch zurückhaltend. Wir trafen ihn zu einem 3-Minuten-Gespräch mit offenem Visier.
Bargeld unter Verdacht
«Geld ist geprägte Freiheit», schrieb Dostojewski. Aber wer heute ein Auto mit Bargeld zahlt, ist verdächtig. Und wer Geldtransaktionen über 10000 Franken vornimmt, muss sich rechtfertigen. Wird Geld zur geprägten Unfreiheit?
Sue Shi, Karotten und ein VVVIP
Grosse Dinge beginnen mit einem Namen. Mit Etiketten. Mit roten Teppichen. Rang und Namen sind immer sexy, und auf der ganzen Welt werden rote Teppiche mit Ehrfurcht ausgelegt. In Singapur haben Äusserlichkeiten jedoch eine besondere Bewandtnis. Es gibt im Chinesischen diesen Ausdruck: das Gesicht wahren. Er bedeutet, dass – egal, was
Spielplatz
Ich bin unsterblich verliebt. In einen Fussballstar. Das kann mir niemand verargen. So schlank ist er! So muskulös! Ein Mannsbild, sag ich Ihnen! Und wenn er den Ball trifft! Dieser Ausdruck! Diese Kraft – ja, Gewalt! Und immer trägt er sein unwiderstehliches Lächeln zur Schau. Das mich in seinen Bann zieht.
Das Problem ist nicht die Lösung
Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Bazon Brock – denn der Profidenker geht auch mit 75 keinem Kunst-Battle aus dem Weg. Lehrstunde bei einem der letzten grossen Kunstgurus mit Breitbandhorizont.
Vom Boot aus gesehen
Mit jedem Projekt offenbaren sich dem literarischen Übersetzer inhaltliche Herausforderungen. Seine Selbstwahrnehmung bestimmt die Qualität seiner Arbeit. Obwohl er wenig Geld und Anerkennung erhält, erfüllt er eine für die Gesellschaft wertvolle Aufgabe.
Ausverkauf der Philosophen I*
ORT: im unplatonischen Ideenhimmel es Verfassers ZEIT: am Tag vor St. Nimmerlein, also frühestens am Ende unseres Jahrhunderts
Nacht des Monats mit Werner Tobler
15 «Gault Millau»-Punkte: Werner Tobler gilt als «Kochgott».