Ausgabe 968 - März 2009
In dieser Ausgabe
Dossier
(7) Hesch mi lieb?
Das Verdingkinderwesen im 19. und 20. Jahrhundert ist eine Folge davon, dass das Dreieck aus Erziehung, Arbeit und Liebe in Schieflage geriet. Biblisch-theologische Kriterien können für die richtige Gewichtung den Blick schärfen.
(6) Mein Grossvater, ein Verdingkind
Wenn Kindern das Kindsein gestohlen wird: diese Erfahrung prägt sie ein Leben lang. Warum zerbrechen die einen daran, während die anderen den Bruch später überwinden? Ein Erklärungsversuch. Und eine persönliche Geschichte.
(5) Was ich erlebte, war doch ganz normal
Kaum jemand hatte ein Auge für die Kinder, die zu den Bauern in Pflege gegeben wurden und dort für Kost und Logis hart arbeiten mussten. Suzann-Viola Renninger hat Walter Wegmüller, ein ehemaliges Verdingkind, in Basel getroffen.
(4) Die eigene Geschichte erzählen
Wir war es damals wirklich? Einen Zugang bilden die Zeugnisse ehemaliger Verdingkinder. Bericht über die allmähliche Verfertigung der Erinnerung beim Erzählen.
(3) Behördliches Besserwissen
Alle wollen nur das Beste für das Kind. Aber wer weiss es denn am besten: die Eltern, die Gesellschaft, die Kirche, der Staat?
(2) Die Armut damals auf dem Land war gross
Suzann-Viola Renninger im Gespräch mit Josef Mooser Was uns heute skandalös erscheint, gehörte im 19. Jahrhundert zur Normalität: Massenarmut auf dem Land. Die Situationen der Familien, aus denen die Verdingkinder stammten, waren noch viel prekärer. Versuch einer historischen Kontextualisierung.
(1) Niemandskinder
Waisenkinder, Findelkinder, Scheidungskinder, Armutskinder – es gab viele Gründe für die Fremdplazierung von Kindern. Die Praxis war in der Schweiz bis weit ins 20. Jahrhundert weitverbreitet. Die Aufarbeitung dieses Kapitels der jüngeren Geschichte hat erst begonnen.
(0) Auftakt
In den Pflegefamilien wurden sie meist nicht mit Namen genannt; sie hiessen schlicht Verdingmädchen oder Verdingbub. Noch vor 50 Jahren gehörten die Verdingkinder – ein Wort, das nur das Schweizerdeutsche kennt – zum ländlichen Alltag und arbeiteten für Kost und Logis bei fremden Bauern. Heutzutage rufen die nackten Zahlen meist ungläubiges Kopfschütteln
Aktuelle Debatten
Weltrettung auf Pump
Unternehmerischer Erfolg ist die entscheidende Voraussetzung für Wohlstand. Doch Kredit-vergabe allein garantiert den Erfolg nicht. Eine Erwiderung auf das Dossier «Raus aus der Armut! – Mikrokredite» der letzten Ausgabe.
«Wo bleibt das persönliche Risiko?»
Sie sind einen rauhen Wind gewohnt. Sie packen an. Und sie sind für schwierige Zeiten gewappnet – jedenfalls in der Theorie: die Unternehmer. Wir führen die Debatte der letzten Ausgabe fort: Wie agiert ein Unternehmer in Krisenzeiten? Und was stört ihn an der Schweiz? Ein Praktiker denkt laut.
Apostel der Freiheit
Papst Benedikt XVI hat das Paulus-Jahr ausgerufen, das noch bis im Juni dauert. Er hat damit das Geschenk besonderer Ablässe an die Gläubigen verknüpft. Passt das zusammen?
Der Umgang mit der Steuerhinterziehung aus dem Geiste der Begrenzung des Staates
Einige prinzipielle Anmerkungen aus aktuellem Anlass
Mut ist gefragt
Beim Bankgeheimnis geht es nicht primär um eine Geschäftsstrategie, sondern um freiheit-liche Grundsätze der politischen Moderne.
Fiskalisches Asyl
Das Bankgeheimnis ist schon lange durch-löchert. Das hat bloss niemand gemerkt. Die richtige Zeit, um die Löcher zu stopfen.
Weitere Beiträge
Mit der Zuckerdose wider das Schlechte
Angelika Affentranger-Kirchrath (Hrsg.): «Die Seele einer Zuckerdose, Stillleben und Interieurs in der Villa Flora». Bern: Benteli, 2008
Editorial
Es waren in Armut lebende Eltern, die ihre Kinder weggaben. Es waren aber auch die Behörden, die die Kinder den Eltern wegnahmen. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurden «Verdingkinder» in fremde Familien plaziert. Zumeist wurden sie als günstige Arbeitskräfte verdingt, da sie sich kaum wehren konnten. Lesen Sie im
Blogs, Rede & Widerrede
10.03.2009 Cyrill Engeli, freilich.ch, http://www.freilich.ch/ Karriere-Tip «Warum wettern die Amerikaner eigentlich gegen die Steuerhinterziehung? Das Delikt ist ja in den USA nichts anderes als ein Karriere-Beschleuniger: man wird damit entweder Finanzminister (T. Geithner) oder zumindest als Gesundheitsminister nominiert (T. Daschle). Das Bankgeheimnis
Reinhard K. Sprenger im Gespräch
Er nennt sich selbst einen Staatsfeind. Er fordert den Wandel vom Manager- zum Eigentümerkapitalismus. Und er ist das Enfant terrible seiner Zunft: Reinhard K. Sprenger, Unternehmensberater, Philosoph und Autor. René Scheu hat ihn in Zürich getroffen.
Schweizer Autoren in Kurzkritik XV
14 Bücher, vorgestellt in der fünfzehnten Folge der «Schweizer Autoren in Kurzkritik». Fortsetzung folgt.
Politisches Buch
Arthur Eugster Der Eid mit spezieller Berücksichtigung des appenzellischen LandsgemeindeEides St. Gallen: Verlag Typotron, 2008. Arthur Eugster hat im Verlag Typotron ein Manuskript seines Grossvaters gleichen Namens zum Thema «Eid» der Öffentlichkeit durch Drucklegung zugänglich gemacht. Es handelt sich um einen Vortrag, den der damals 28jährige Pfarrer 1891 vor Berufskollegen
Was heisst denn hier Freiheit?
Eine Antwort aus dem Stegreif von Werner Kieser «Frisch, fromm, fröhlich, frei.» (Friedrich Ludwig Jahn*)
Das war eigentlich alles
Simon Maurer, Hubertus Gassner (Hrsg.): «Roman Signer – Projektionen. Super-8-Filme und Videos 1975–2008». Zürich: Scheidegger & Spiess, 2008.
Gemeinsam baden in Nettigkeiten
Christoph Gellner: «Der Glaube der Anderen. Christsein inmitten der Weltreligionen». Düsseldorf: Patmos, 2008.
Zwei lahme Enten
«Wenn dir die Worte fehlen, fang mit einem Zitat an», sagte Karl Kraus einmal. Demzufolge muss neben einem Österreicher auch noch ein US-Amerikaner bemüht werden, bevor vom Aargauer Silvio Blatter die Rede sein kann. «Unser himmlischer Vater hat die Menschen nur erschaffen», sinnierte Mark Twain einmal über Gottes unvollkommene
Glossar mit Krimi
Nicole Bachmann: «Doppelblind. Lou Becks erster Fall». Zürich: Salis, 2008.
Taumel, vor dem Trinken
Raphael Urweider: «Alle deine Namen. Gedichte von der Liebe und der Liederlichkeit». Köln: DuMont, 2008
Ein wahrhaft weites – und vermintes – Feld
Ein komisches Buch. «Liebe, Lüge, Libertinage. Eine Expedition zu den Leidenschaften in der gegenwärtigen Literatur» heisst die Studie der Kritikerin und Literaturwissenschafterin Pia Reinacher. Sie begreift ihr Vorhaben als eine «Expedition in die zeitgenössische Literatur, die zu eigenen Streifzügen verführen soll. Sie besichtigt den gesellschaftlichen Umbruch auf einem Kerngebiet: der
Wagner in der Enge
Bevor Richard Wagner in Bayreuth seinen «grünen Hügel» fand (und sein «Wähnen» Frieden), hatte sich ihm ein solcher in Zürich geboten. Dort stand die Villa seines Gönners, Otto Wesendonck, der im Jahre 1851 als ein immens vermögender Grossbürger mit seiner geistreichen Frau, Mathilde, aus den Rheinlanden über New York an
Lust und Blut im 1. Bezirk
«Joseph Birnbaum, ein fünfzigjähriger, glatzköpfiger Biologielehrer aus einer kleinen Ortschaft am Neusiedlersee im Burgenland und Präsident einer dortigen ornithologischen Gesellschaft, bestieg bei Tagesanbruch, es war ein heller, aber kalter Oktobermorgen, den Zug nach Wien in der Absicht, sich während einer Woche im Naturhistorischen Museum gründlichst mit den dortigen Sammlungen auseinanderzusetzen.
In Bern mit Jakob, Edith und der Schildkröte Moritz
Lorenz Langenegger: «Hier im Regen». Salzburg: Jung und Jung, 2009.
Ich bin so froh, dass Sie etwas zugenommen haben!
Benimmbücher und Stilfibeln sind unerfindlichen Moden unterworfen. Jahrelang wird man verschont, dann plötzlich erscheint ein halbes Dutzend gleichzeitig. Anderseits gibt es wohl kaum ein anderes Buchgenre, das in den vergangenen Jahren mit vergleichbaren Überraschungen aufwarten konnte. Dachte der geneigte Leser, es sei doch eigentlich alles gesagt, hielten 2003 die «Manieren»
Du sollst mich nicht vergessen, das verlange ich nicht
Sibylle Berg: «Das war’s dann wohl. Abschiedsbriefe von Männern». München: Deutsche Verlags-Anstalt, 2008
300 Jahre Denkmäler, nichts für Pedanten
Georg Kreis: «Zeitzeichen für die Ewigkeit. 300 Jahre Schweizerische Denkmaltopografie». Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung, 2008.
Rosa Schimmer des Alpenglühns
Therese Bichsel: «Nahe den Eisriesen. Prominenz in der Alpenprovinz von Goethe bis Hodler. Porträts». Oberhofen: Zytglogge, 2008