Ausgabe 962 - Juni 2008
Zurück in den Arbeitsmarkt!
In dieser Ausgabe
Dossier
(7) Die Lösung: kein andrer Mensch
Gewinn, Aufstieg, Wohlergehen, finanziell wie ideell: der Mensch sucht seine Vorteile. Er selbst lässt sich nicht ändern, wohl aber die politischen Rahmenbedingungen. Die Sozialsysteme müssen Anreize setzen, die Arbeits- und Leistungsbereitschaft nicht unterbinden, sondern fördern.
(6) Fehlanreize, auch in Deutschland
Zwischen 2003 und 2005 führte Deutschland das Hartz-Konzept ein und wollte die Arbeitslosigkeit in vier Jahren halbieren. Dieses Ziel scheint unerreichbar. Der Text diskutiert Fehlanreize des Konzepts und Mängel von Alternativen wie Mindestlohn und Bürgergeld.
(5) Die bürgerlichen Wurzeln des Sozialstaats
Der Schweizer Sozialstaat kann mit den Arbeitsmarktveränderungen nicht Schritt halten. Das vor 100 Jahren etablierte und bis zu den 50er Jahren verwirklichte System ist heute ineffizient. Das problematische Verhältnis zwischen Arbeitsmarkt und Existenzsicherung folgt aus historischen Eigenheiten.
(4) Warum Renten der Gesundheit schaden können
Ob wir uns gesund befinden, hängt von unserem biologischen Potential ab. Mit dem Alter wird jedoch das persönlich erworbene Potential wichtiger. Dessen Entwicklung wird auch durch staatliche Unterstützungsleistungen für Arbeitnehmer bestimmt.
(3) Wenn Sozialversicherer ihre eigene Existenz sichern
Die Akteure der sozialen Sicherungssysteme sind mit sich selbst beschäftigt. Sie investieren mehr Aufmerksamkeit in die Sicherung der eigenen Existenz als derjenigen ihrer Klienten.
(2) Immer diese Vorurteile!
Wer seine Stelle verliert, muss nicht arbeitslos werden. Swiss Life in Zürich unterstützt freigestellte Mitarbeiter bei der Wiedereingliederung. Die Stiftung für Arbeit in St. Gallen führt Langzeitarbeitslose zurück in reguläre Arbeit. Ein Gespräch mit den Verantwortlichen.
(1) Wer arbeiten kann, soll arbeiten können
Staatliche Unterstützung sollte Notfallhilfe sein, doch das System gerät ausser Kontrolle. Der Grundsatz «Eingliederung vor Rente» muss endlich umgesetzt werden, um allen zu nutzen.
(0) Auftakt
Ursprünglich als erste Hilfe für Industriearbeiter gedacht, die bei ihrer Arbeit einem hohen Verletzungsrisiko ausgesetzt waren, sprangen die Sozialversicherungen dann ein, wenn ein Arbeiter, etwa infolge eines Unfalls, nicht mehr selbst für seine Existenz und die seiner Familie aufkommen konnte. Inzwischen ist die industrielle «erste Moderne» von der «zweiten Moderne»
Aktuelle Debatten
Von der Harmoniesucht
Die Gemeinschaft der Konformisten und Wohlgesinnten wacht über den öffentlichen Diskurs. Hinter vorgeschobener Sachlichkeit verbirgt sich jedoch häufig Feigheit. Sie kuscht vor der Macht – und verbündet sich mit ihr.
Die Wohltat des Profit-Verhaltens
Das Gewinnstreben hat eine schlechte Presse. Doch profitieren davon vor allem die Kunden und Konsumenten. Warum es sinnvoll wäre, die Unterscheidung zwischen Profit- und Non-Profit-Organisationen zu überdenken.
Wenn der Mensch die Natur absolut setzt
«Klimawandel» und «Ökologie» sind zu Tabuthemen geworden. Wenn jedoch die Kosten des Umweltschutzes nicht mehr in Frage gestellt werden dürfen, wächst die Gefahr willkürlicher Eingriffe.
Vom Sozialen
Der soziale Zweck heiligt die Mittel: der Text einer neuen Volksinitiative zeugt von verquerem Denken. Ihr Ziel könnten die Initianten dennoch erreichen. Denn der menschliche Verstand pflegt sich vor morali-schen Appellen zu beugen.
Wie die Schweiz sich selbst reinigt
Schon vom «Schweizerischen Institut für Prävention und Gesundheitsförderung» gehört? Mit dem Projekt eines solchen Instituts liegt das Bundesamt für Gesundheit voll im Trend. Denn die Gesundheit der Bürger liegt dem Staat zunehmend am Herzen.
Sie geben falschen Alarm, Naomi Klein
Der Kapitalismus untergrabe unsere Demokratie, verführe unsere Kinder, manipuliere die Wirtschaft – verkünden aktuelle Buchtitel.* Naomi Klein, für viele eine Kultautorin, spricht gar vom «Katastrophen-Kapitalismus». So viel Einstimmigkeit schreit nach Widerspruch.
Weitere Beiträge
Schweizer Literatur in Kurzkritik IX
Mitten in der Schweizer Literatur mit den «Schweizer Monatsheften». 9 Bücher, vorgestellt in der neunten Folge der «Schweizer Literatur in Kurzkritik». Fortsetzung folgt.
Editorial
«Zurück in den Arbeitsmarkt!» Der Schweizer Sozialstaat hat Schwierigkeiten, mit den Veränderungen des Arbeitsmarkts Schritt zu halten. Was vor 100 Jahren begonnen und bis zu den 50er Jahren weitgehend verwirklicht wurde, ist heutzutage nicht länger effizient. Wer arbeiten kann, soll arbeiten können! Was sich dafür alles ändern müsste, erfahren Sie
Gnädig sein, Mut machen, zumuten
Nachdem ich zusammen mit meiner Frau zur Überzeugung gelangt war, dass 25 Jahre im gleichen Einzelpfarramt zu lang sein könnten, begann ich mich anfangs 2007 in anderen Kirchgemeinden zu bewerben. Ein paarmal kam ich in die engere Auswahl und durfte mich vorstellen. Viel häufiger wurde ich schon auf dem Korrespondenzweg
André Kudelski im Gespräch
Physiker mit Unternehmersinn: André Kudelski führt seit 1991 das börsennotierte Familienunternehmen Kudelski S.A., spezialisiert auf digitale Sicherheitssysteme. René Scheu traf ihn in Cheseaux-sur-Lausanne zum Gespräch.
Von der Kunst, den «Grünen Heinrich» zu lesen. Folge 3
Vom Kritzeln, Malen, Schreiben und Fechten 1853 schrieb Gottfried Keller an einen Freund: «Ich habe gesehen und gestaunt, wie schlecht und unfähig die Produkte anderer Leute gelesen werden.
Sachbuch
Reinhold Rieger Von der Freiheit eines Christenmenschen. De libertate christiana. Kommentare zu Schriften Luthers, Band 1 Tübingen: Verlag Mohr Siebeck, 2007 Die Bedeutung Martin Luthers für die europäische Freiheitsgeschichte wird unterschiedlich gewertet. Die einen sehen in ihm, der dem Kaiser ins Angesicht zu widerstehen wagte, einen Vorläufer der Aufklärung. Andere
Was heisst denn hier Freiheit?
Eine Antwort aus dem Stegreif von Dorothea Strauss «Permanenter ästhetischer Umsturz – das ist die Aufgabe der Kunst.» Zitiert aus «Konterrevolution und Revolte» (Herbert Marcuse, 1973)
Ein Buch nicht nur für Feuilletonisten!
Das Schweizer Feuilleton kritisierte die «Schweizer Literaturgeschichte» als «missglücktes Kompendium». Die Kritiker projizierten ihre eigenen Wunschvorstellungen auf das 529-seitige Werk. Misst man die Literaturgeschichte jedoch an ihrem eigenen Anspruch, fällt das Urteil anders aus.
Im Fan-Shop mit Groupies
Alexis Schwarzenbach: «Auf der Schwelle des Fremden. Das Leben der Annemarie Schwarzenbach». München: Rolf Heyne, 2008. Dominique-Laure Miermont: «Annemarie Schwarzenbach. Eine beflügelte Ungeduld». Aus dem Französischen von Susanne Wittek. Zürich: Ammann, 2008.
Auf der Treppe mit Thomas Hürlimann
Unlängst geriet ich in eine Auseinandersetzung mit meinem alten Freund Fritz Müller-Zech, Chefkritiker der Literaturzeitschrift «Am Erker». Wir beide unterscheiden uns von der Standardausgabe des Intellektuellen darin, dass wir, wenn es sich vermeiden lässt, keine klassische Musik hören, sondern eine ausgesprochene Vorliebe für die Rockmusik der späten 1960er und
In der Leere mit sich allein
Jacqueline Moser: «Lose Tage». Frankfurt a.M.: Weissbooks, 2008.
Auf der Platte mit Meier
Dieter Meier: «La Conquête de l’inutile. Werke 1969–2007». Bern: Benteli, 2007.
In Brügge mit Aortariss
«Am ersten seiner fünf letzten Tage sass Jensen an seinem Pult, und draussen stand eine Kutsche im Regen», so fängt der erste Kriminalroman des vor allem für seine pfiffigen Kolumnen bekannten Linus Reichlin an. Wie bitte? Nein, Jensen ist Polizist in Brügge und stirbt noch nicht! Vielmehr steht er vor
Im Dada mit Wachtmeister Studer
Zürich, Bahnhofstrasse 19. Hier eröffnen Tristan Tzara und Hugo Ball im März 1917 die Galerie Dada, in der Absicht, so Ball, «eine kleine Gesellschaft von Menschen zu bilden, die sich gegenseitig stützen und kultivieren». Einer dieser Menschen ist ein 21jähriger Chemiestudent, der sich Clauser nennt. Balls Lebensgefährtin Emmy Hennings hat
Im Maghreb mit Poesie
Das Fremde ist Material; es fordert Aneignung heraus und gleichzeitig Abstandnehmen. «Wieso ist hier Afrika» fragt eines der Gedichte in Ivo Ledergerbers Lyrikband «Aus dem Maghreb» – eines der Gedichte, die alles in allem wenig Aufhebens von sich machen, aber langsam, ganz langsam in den Leser eingehen. (Die hier ebenfalls gebotene
Im «Café Odeon» mit Grappa
Franz Böni: «Sierra Madre. Prosa. 1968 bis 2007». Vaihingen/Enz: IPA, 2007.
In der U-Bahn mit Geschnetzeltem
Silvano Cerutti: «Gschnätzlets. Short Stories». Zürich: Salis, 2007.