Ausgabe 1110 – Oktober 2023
Zurück zum Zukunftsoptimismus: Die Schweiz muss aus der Lethargie erwachen, fordert Claude Longchamp.
In dieser Ausgabe
Schwerpunkt
Das feministische Patriarchat
Die Vorstellung, Frauen seien schwache, hilflose Wesen, dominiert in Medien und Politik. Mit echter Frauenförderung hat das nichts zu tun.
«Es gibt keine Transmenschen»
Progressive Eliten wollen die Definition der Geschlechter umkehren, sagt die britische Aktivistin Posie Parker. Sie sieht dadurch die Freiheit von Frauen bedroht.
Intuition nützt Frauen
Die Bedeutung des Unterbewusstseins bei Investitionsentscheidungen wird unterschätzt. Dabei fördert es die Geschlechtergerechtigkeit.
Neue Rollenbilder machen Unternehmerinnen
Noch immer ist die Mehrheit der Unternehmensgründer männlich. Damit sich das ändert, brauchen Frauen weibliche Vorbilder.
Dossier
Eigenständigkeit durch Verantwortung
Der Weg nach vorne gelingt nur mit dem Mut zum Unterschied. Die Idee der Willensnation gibt uns diese Möglichkeit – wenn wir denn wollen. Ansonsten bleibt nur die Angleichung.
Rezepte für eine bessere Gesundheitsversorgung
Die Akteure im Gesundheitswesen haben wenig Anreize, die Kosten tief zu halten. Abhilfe schaffen können Qualitätsvergleiche, verstärkte Koordination und das Labor des Föderalismus.
Bürokraten haben die Schweiz verteidigungsunfähig gemacht
Die Stimmbürger haben sich immer wieder für die Schweizer Armee ausgesprochen; dennoch ist sie vom Verteidigungsdepartement krankgeschrumpft worden.
Dolce Vita der Staatsangestellten
Sicherere Arbeitsplätze, höhere Löhne und weniger Wochenarbeitszeit als in der Privatwirtschaft: Stadt und Kanton Zürich lassen es sich gut gehen.
Schweiz steht vor Bewährungsproben
Internationale Ranglisten bestätigen: Die Unternehmen in der Schweiz sind nach wie vor innovativ und erfolgreich, der Staat ist relativ genügsam und funktioniert gut. Doch es gibt auch Indikatoren, die beunruhigen. Hier eine Auswahl davon.
La Suisse n’existe plus
Zumindest nicht die Schweiz, wie wir sie uns vorstellen und sie schätzen. Höchste Zeit, aus der Lethargie aufzuwachen und das Erfolgsmodell wiederzubeleben.
Die Schweiz sollte dem Subventionswettlauf fernbleiben
Industriepolitik ist ökonomisch und ökologisch ineffizient, und doch feiert sie weltweit ein Revival. Wir sollten eine prinzipienorientierte Wirtschaftspolitik verfolgen, nicht Standortdoping für einzelne Branchen betreiben.
«Der Zukunftsoptimismus der Schweiz scheint aufgebraucht»
Die Politik sei im Klein-Klein gefangen und blockiere sich mit Partikularinteressen, sagt der Politologe Claude Longchamp. Er erklärt, weshalb er nach dem EWR-Nein auswandern wollte und wieso heute in der Europafrage Stillstand herrscht.
Aktuelle Debatten
Neue Gräben durchziehen das Land
In kaum einem Staat Europas ist die Polarisierung so stark wie in der Schweiz – und sie hat sich in Form von Gruppenidentitäten gefestigt. Für die Demokratie ist das nicht zwingend schlecht.
Solarpanels versus Trockenwiesen
Der Natur- und Umweltschutz verschiebt sich weg von Wald und Wiese vor der Haustür hin zu globalen Klimafragen. Die Nutzungskonflikte werden ausgeblendet. Abhilfe können nur Marktpreise schaffen.
Hauptsache, die Optik stimmt
Unter dem Banner der «Inklusion» werden abweichende Ansichten vom Diskurs ausgeschlossen. Die Ästhetisierung des Politischen ersetzt die eigene Urteilskraft – sie dient letztlich der Machtausübung.
Weitere Beiträge
Blattkritik über die Oktober-Ausgabe
Die Oktober-Ausgabe des Schweizer Monats wird von Jean-Marc Hensch beurteilt.
Editorial
«In der Europäischen Union herrscht Einheit in Vielfalt. Das ist etwas anderes als Föderalismus.» Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin, 2019 Die Schweiz ist stabil. Neuesten Umfragen zufolge soll die SVP bei den anstehenden Parlamentswahlen 2 Prozent zulegen, die Grünen 2,5 Prozent verlieren – der Rest ist im statistischen Fehlerbereich.
Kreationistische Klimaretter
Wärme sorgt für Stabilität und Wohlstand. Das Problem ist das Tempo der Erwärmung.
Männer sammeln, Frauen jagen
Der Mythos, dass Männer in der Steinzeit Jäger und Frauen Sammlerinnen gewesen seien, wird durch immer mehr Funde bezweifelt. Die gesellschaftlichen Folgen dieser Lüge zeichnen sich derweil immer klarer ab.
Wer schaut denn in der Netflix-Ära noch Schweizer Serien? – Ich!
Schweizer Serien haben dem Serienjunkie durchaus etwas zu bieten. Dank Qualität und Experimentierfreude können sie dem internationalen Vergleich standhalten.
Subventioniert Thomas Jordan die Banken?
Das Zinsgeschäft vieler Banken läuft derzeit wie geschmiert. Die Zinsmarge – die Differenz zwischen dem Zins, den sie von Kreditnehmern kassieren, und dem Zins, den sie Sparern gutschreiben – ist üppig. Funktioniert der Wettbewerb um Spargelder nicht richtig? Das Spiel mit den Zinsen ist seit jeher das Kerngeschäft der Banken, und
«Schweizerisch wäre es, sich gar nicht erst einschüchtern zu lassen»
Diversity-Vorgaben bevormunden die Künstler, sagt Filmemacher Michael Steiner, der nun eine Serie dreht. Ohne staatliche Förderung, sagt er, gäbe es keine Schweizer Serien.
Insel der Unseligen
H. G. Wells: Die Insel des Doktor Moreau. München: Liebeskind, 2023.
Zu Besuch beim Hotel Sempachersee
Ein Gespräch mit Torsten Pinter, Direktor des Hotels Semparchersee in Nottwil.
Der Body-Mass-Index sagt nicht die ganze Wahrheit
Komplexe Fragen mit einfachen Massen zu beantworten, ist tückisch.
Politische Desillusionierung als analytischer Auftrag
Panajotis Kondylis: In konkreter Lage. Gespräche. Berlin: Matthes & Seitz, 2023.
Kreative Zerstörung macht reich
Der Wert der Unternehmen in den USA übersteigt denjenigen in der EU um ein Vielfaches. Denn Europa bremst in Krisen den Prozess der kreativen Zerstörung.
Menschenrechte predigen und Blut trinken: Wie demokratische Regierungen Diktatoren auf den Leim gehen
Westliche Regierungen halten ihre Werte hoch – solange nicht lukrative Geschäfte auf dem Spiel stehen.
Nacht des Monats mit Erwin Beyeler
Vojin Saša Vukadinović steigt mit Erwin Beyeler auf den Hagenturm.
Null Hochzeiten und zwei Todesfälle
Onkel und Tante in Oberbergendorf benötigen praktisch über Nacht eine Betreuung rund um die Uhr. Ich beauftrage einen tschechischen Pflegedienst. Damit beginnt das Chaos erst richtig.
Mehr als ein See
Der 27. Kanton liegt bekanntlich an einem der schönsten Schweizer Seen. Bevölkert wird er von ein paar Fischern und Einheimischen, die sich in Booten tummeln, und natürlich von Touristen. Genutzt wird er aber auch vom Kanton: Er wendet maritime Technologie an. Seen sind in vielerlei Hinsicht interessant: als Lagerstätten für