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Durchatmen, weitermachen

Wie soll man als selbstbewusste, liberal eingestellte Frau reagieren, wenn das eigene Aussehen oder Privatleben beurteilt werden?

In den letzten Wochen häuften sich Diskussionen darüber, wie Frauen öffentlich dargestellt werden. Verantwortlich dafür waren Rio 2016 und wohl auch das Sommerloch, aber der Reihe nach: «10vor10» vergibt Daniela Lagers Moderatorenposten. Das veranlasste die «Schweiz am Sonntag» zu einem Bericht über eine Kandidatin im offenen Rennen, Patrizia Laeri. Das einzige Attribut, mit dem die langjährige Wirtschaftsjournalistin darin versehen wurde, war «Hobby-Model» – eine Funktion, die sie nie ausgeübt hatte. Und auch der restliche Text strotzte vor Aussagen, die Laeri auf äusserliche Eigenschaften reduzierten, er war herabsetzend und schädlich für ihr berufliches Fortkommen.

Nun stellt sich die Frage, wie man als selbstbewusste, liberal eingestellte Frau reagieren soll, wenn das eigene Aussehen oder Privatleben beurteilt werden – und manchmal eben nur das, als leiste man sonst nichts. Man will nicht jammern, aber eines will man zurück: den Respekt. Manche Frauen schützen sich vor Herabsetzung, indem sie ihre Weiblichkeit möglichst nicht betonen. Sie tragen immer Hosen statt Rock und bereiten jeden ihrer öffentlichen Auftritte minutiös vor. Sheryl Sandberg («Lean In») setzt auf das Gegenteil: Frauen sollten «unerbittlich freundlich» sein, also immerzu lächeln, um ihre Weiblichkeit zu entschärfen.

Beides kann nicht der Weg sein. Im Tarnanzug zu camouflieren, eine Frau zu sein, ist viel zu anstrengend – und irgendwie auch schade. Und ständig wie ein Honigkuchenpferd in die Runde zu grinsen, das funktioniert vermutlich nur in den USA. Was also tun? Ich glaube: Durchatmen, sich selbst treu bleiben und unbeirrt weitermachen. Wer seine Fähigkeiten kennt, zeigt einfach Leistung, ohne sich zu verstellen – greift aber ein, wenn Grenzen überschritten sind. Patrizia Laeri hat es vorgemacht: Sie hat sich gewehrt, die Sache richtiggestellt – und sich wieder auf ihre Arbeit konzentriert. Und die Turnerin Simone Biles sagte zu Reportern, die in Rio Vergleiche mit anderen erfolgreichen Athleten anstellten: «Ich bin nicht der nächste Usain Bolt oder der nächste Michael Phelps – ich bin die erste Simone Biles.» Dann holte sie Gold.

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