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Kolumne

Lachende Anwälte

Auf meiner Floridareise stechen mir am Strassenrand riesige Plakate ins Auge. Darauf strahlen glücklich geschiedene Frauen und wohlgenesene Männer um die Wette und fragen: «Time for divorce?» – «Did you have an accident?» Auf diese Weise werben amerikanische Anwälte um die Gunst potentieller Klienten. So offensiv dürfte ich die Dienstleistungen meiner

Zur Lage der Verbindlichkeit

Verbindlichkeit kommt von «Verbinden» und ist eigentlich eine Tugend. Sichere Bindungen und verbindliche Strukturen sind die Basis eines gesunden persönlichen Lebens, produktiven Wirtschaftens, einer freundlichen Gesellschaft. Verbindlichkeit beruht auf einer doppelten Übereinkunft. Sie setzt einen zeitlichen und örtlichen Rahmen voraus, an den sich alle halten. Ein Fussballspiel dauert immer 90

Raumplanung mal anders: Hongkong

Mein Konzert zuoberst auf einem 55stöckigen Hochhaus in Hongkong habe ich als etwas Besonderes in Erinnerung. Das Dach: eine fliegende Oase über einer Wüste aus aufgewirbeltem Sand. Von oben kaum zu sehen, aber kurz zuvor noch am eigenen Leib erfahren: Dicht an dicht bewegen sich die Menschen durch die Strassen

Wie alles begann…

Am Anfang der Selbstdemontage des Finanzplatzes Schweiz steht paradoxerweise eine geglückte Aktion: die Rettung der UBS durch den Staat vor sechs Jahren. Seither gibt Bundesbern den Ton an. Doch Erfolg macht blind. Bern hat seither manchen Flop gebaut. Wir erinnern uns: Im Frühjahr 2007 zählte sich die UBS in ihrem

Mit offenen Armen in die Unmündigkeit

Mit offenen Armen in die Unmündigkeit

Der Schriftsteller Peter Stamm forderte jüngst lautstark mehr staatliche Unterstützung für die finanziell gebeutelte Autorenzunft. Dass ein selbsternannter Vertreter seiner Berufsgattung in deren Namen wiederholt einen Platz auf dem Subventions-Ponyhof einfordert, ist vorhersehbares Kalkül. Dies erfolgreich als zivilisatorischen Imperativ zu verkaufen: immerhin eine respektable Leistung. Der allgemeine Zuspruch darauf:

Die Welt ist ungerecht!

Zuerst die Quizfrage: Was ist schlimmer, echte oder gefühlte Ungerechtigkeit? Die Antwort aus dem Munde von Hans-Ulrich Wehler, dem Verfasser des fünfbändigen Opus magnum «Deutsche Gesellschaftsgeschichte» und einem der renommiertesten deutschen Historiker der Gegenwart: «Das Gefühl von gefühlter Ungerechtigkeit dürfte schwerer wiegen.» Dies gab Wehler in einem «Spiegel»-Interview

YOLO!

Carpe diem wird gerade wieder einmal neu erfunden: YOLO. Das Akronym steht für You only live once und wurde jüngst in Deutschland zum Jugendwort des Jahres gekürt. Aber nicht nur unsere jugendlichen Nachbarn greifen das als Lebensmotto verkleidete Modewort auf. Der Blankoscheck für jegliche Dummheit kursiert auf allen Radiostationen und

Obama und Michelle

Eben hatte ich mich gründlich und zeitraubend mit dem Thema auseinandergesetzt, das halb Deutschland in Atem hielt: Darf man den lieben Kleinen die Ausgaben von Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf, Otfried Preusslers Kleiner Hexe oder Michael Endes Geschichten von Jim Knopf heute noch vorsetzen, die seit langem im Büchergestell stehen? Da

Die Ersten

Die Ersten

Freudig stürmen sie in die Fluten; einer fuchtelt mit dem Schwert herum, ein anderer mit dem Streitkolben Vishnus. Sie tragen nur einen Schurz um die Lende, Leib oder Gesicht sind mit Asche beschmiert. Ein älterer Mann mit weissem Bart hat sich die safrangelbe Blütenkette um den Hals gelegt. Die Stimmung

Warum Erfolgsrezepte niemals erfolgreich sind

Im Management die immer gleichen Fragen: Warum gewinnen die einen und verlieren die anderen? Warum kippt ein Unternehmen nach langer Blütezeit plötzlich ab oder – umgekehrt – erhebt sich wie Phönix aus der Asche? Und was kann man davon lernen? Dass man davon nichts lernen kann. Da gibt es das Unternehmen, in

Die Zeit läuft…

Bis 2007 waren die Banken ein Vorzeigeobjekt der Schweiz. Man war stolz auf sie – und das galt selbst für kritische Publizisten und Politiker. Der Beitrag des Finanz­platzes zur Wertschöpfung (12 Prozent) und zu den Steuereinnahmen (14 Prozent) war gross und unbestritten. Zürich und Genf waren bezüglich Wettbewerbsfähigkeit die einzigen

Berlin: Gammelstadt

Deutschlands Hauptstadt zieht Kulturschaffende beinahe magisch an. Auch ich bin nun seit einigen Wochen hier – um an neuen Stücken zu arbeiten. Bevor ich meine Reise antrat, fragte ich Bekannte, was es in Berlin ausser Schweizer Künstlern, die die Freiheit schätzen, im Bademantel Brötchen kaufen zu gehen, wohl zu sehen gäbe.

Ausverkauf der Philosophen

TAG: 8 (letzter Tag) ZEIT: kurz vor St. Nimmerlein, also frühestens am Ende unseres Jahrhunderts ORT: im unplatonischen Ideenhimmel des Verfassers, wo Gott und sein Sohn ihren philosophischen Kramladen entrümpeln