zum Inhalt

Kolumne

Husten für eine bessere Zukunft

Auf einer Reise nach Karlsbad war es, noch zu Zeiten des Arbeiter- und Bauernstaates, als ich einen Spaziergang auf einen der umliegenden Hügel unternahm. Oben angekommen, breitete ich in Erwartung frischer Luft die Arme aus und holte ganz tief Atem. Das hätte ich besser nicht getan: War unten die Luftqualität

Nachtgang

Eine Stunde nach Mitternacht eilen sieben Nonnen durch die Pforte der Finsternis. Hoch wie ein Haus ist der Eingang, vor ihnen liegt ein langer, spärlich beleuchteter Weg. Ob er ein Ende hat, ist ungewiss. Kein Licht winkt in der Ferne, kein fahler Schimmer, keine goldene Helle des Tages. Dennoch gibt

Authentisch ist auch nur animalisch

Ehrlichkeit und Authentizität gehören zu den moralischen Sehnsüchten der Gegenwart. Niemand will als verlogen, undurchsichtig, winkelzügig gelten. In vielen Managementbüchern wird den Menschen eingeredet, sie seien am glücklichsten, wenn sie sich einfach geben, wie sie sind. Auf den Talsohlen der Managementpraxis lautet die Frage: Ist es möglich, authentisch zu sein?

Nach der Spitzenleistung der Flop

Die erste Rettung der UBS durch den Staat im Oktober 2008 war vielleicht nötig. Sicher war sie gut gemacht. Die zweite Rettung war sicher unnötig und sicher miserabel gemacht. Unnötig für die UBS und miserabel für die Schweiz. Das kam so: Seit dem Frühling 2008 wussten die UBS, die Eidgenössische

Hehlerische Polizei

Mein Telefon klingelt. «Stadtpolizei Züri, grüezi. Sind Sie Frau Teitler?» Die freundliche Männerstimme in breitem Zürcher Dialekt erhellt meinen grauen Morgen. Ich: «Ja.» Dann halten beide einen Moment inne. Ich, weil ich überlege, was ich verbrochen haben könnte. Warum der Polizist eine Pause macht, weiss Gott. Dann fragt der Beamte,

…der Lethargie

Der Mensch wird von zwei Grundtrieben bewegt und gedrängt: dem Lebenstrieb und dem Todestrieb. Ziel des ersteren ist, Lust und Befriedigung zu finden, dem Leben Sinn abzugewinnen, Ziele zu erreichen. Der Todestrieb arbeitet in die entgegengesetzte Richtung: Er will das Aktivierungs- und Erregungsniveau herabsetzen, sucht den toten Zustand, arbeitet in

Im Taka-Tuka-Land

Im Taka-Tuka-Land

Mit Pippi-Langstrumpf-Politik haben wir es zu tun, wenn ihre Repräsentanten oder die Bürger glauben, die Gesellschaft per Dekret einem idealisierten Wunschbild entsprechen lassen zu können.

Schöne Literatur – nützlich oder elitär?

Schöne Literatur – nützlich oder elitär?

Merkwürdig doch, dass dort, wo überhaupt noch über Literatur – über sogenannte schöne Literatur – debattiert wird, vorab von deren Markttauglichkeit und Aktualität, allenfalls von deren Nützlichkeit für die Gesellschaft die Rede ist. So auch in unserm Kolumnen-Dialog. Wir reden von Literatur nicht als Kunst, sondern als Medium für etwas, das

Ferrari, Jeep, Klavier

Immer wenn ich mich über längere Zeit in der Schweiz aufhalte, unterrichte ich Musik an einer aargauischen Oberstufe. So auch gerade jetzt. Am besten gelingt mir das, wenn ich den Schülern die Theorie anhand von Stücken beibringe, die ihnen vertraut sind. Das heisst: Nas statt Beethoven («You Can»), wenn es

Der Zornbürger

Thomas Minder ist der neue Volksheld der Schweiz. Gegen den vereinten Widerstand von Regierung, Parlament und Establishment hat er zusammen mit Claudio Kuster seine «Initiative gegen die Abzockerei» unerschrocken zum Erfolg geführt. Es gab zwar immer wieder Momente des Zweifels und der Schwäche, in denen er den Besänftigungsversuchen parlamentarischer Kollegen

Die Urteilsguillotine

Kennen Sie das? Sie treffen jemanden zum ersten Mal und denken: Ich kann ihn nicht ausstehen. Erst im nachhinein, vielleicht Jahre später, merken Sie, dass Sie diese Person sogar sehr mögen, vielleicht gar mit ihr verheiratet sind? Unsere Erfahrungen verleiten uns dazu, Individuen in extrem kurzer Zeit zu kategorisieren: «Gutmenschen»

Futterkrippenplätze

Das hätten Sie nicht gedacht: Die Schweiz ist in puncto Krippenplätze für Kinder europäische Spitze! Jedenfalls, was die Kosten pro Krippenplatz angeht. Die machen im Durchschnitt ein Drittel eines helvetischen Haushalteinkommens aus (in den Nachbarländern 9 – 19 Prozent). Sind mit anderen Worten für Familien, vor allem für solche mit mehr

Das Eisloch

Das Eisloch

Einsam sieht der Wachmann in die kalte Ebene hinaus. Das kreisrunde Loch ist mit einem Band abgesperrt. Am Boden liegen Eisbrocken, im Gegenlicht glitzern Splitter und Kristalle, man erkennt Fussabdrücke, Reifenspuren. Gleissendes Sonnenlicht erhellt die weisse Fläche. Die Taucher haben unter dem Eis nichts gefunden und die Suche nach mehreren

Unternehmen sind immer sozial

Im Management ist ein Verlust von Unterscheidungen zu beobachten. In einer Gesellschaft, in der das schlechte Gewissen zum Normalzustand wurde, moralisiert sich auch das Management. Betrieben von der Politik, den Medien, aber auch den Konsumenten, müssen Unternehmen nicht mehr nur wirtschaften, nein, «sozial verantwortungsvoll» sollen sie das tun. «Sozial» meint