zum Inhalt

Kolumne

Guram, Sandro und Nodar

Ich habe Georgien bereist – und bin mit Taschen voller Geschichten zurückgekehrt. Die Personen, die ich kennengelernt habe, kamen mir vor wie Protagonisten eines Romans, dessen Titel lauten könnte: «Vom abenteuerlichen Leben moderner Bildungsbürger». Zuerst treffe ich Guram Sali. Unser einheimischer Fahrer ist in Tat und Wahrheit Lehrer, der an einer

«Nachhaltigkeit»

«Nachhaltigkeit»

Halten zu Gnaden! Der nachhaltige Missbrauch der deutschen Sprache könnte nachhaltig missmutig machen. Müssig, denn das aktuelle Wieselwort ist nicht aufzuhalten, auch wenn man ganz und gar nichts davon hält. Niemand scheint sie davon abzuhalten, die Menschen und Marken, Produzenten und Politiker, Werber und Beworbene, alles, was ihnen gut und

Sexperten

Sexperten

Das Städtchen Merseburg an der Saale wird für Germanisten und andere altmodische Menschen immer ein Begriff bleiben. Hier wurden im Domschatz vor bald zweihundert Jahren jene einzigartigen althochdeutschen Zaubersprüche aus dem 8./9. Jahrhundert aufgefunden, die beschreiben, wie mit vorchristlich-germanischer Magie das Lösen von Fesseln oder das Heilen eines

…des Gesundheitskonsums

…des Gesundheitskonsums

Wir haben in den letzten Wochen und Monaten viel über die freie Wahl der Krankenkasse und des Arztes, über Notwendigkeiten und Wünschbarkeiten in der Gesundheitsversorgung, über die überbordenden Kosten lesen und hören können. Schuldzuweisungen allenthalben: geldgierige Pharmalobby, Ärztefilz, Spitalgerangel, Kassenlobbyisten. Politiker fast jeglicher Couleur stimmten laute Wehklagen an und priesen

Das «Land Afrika»

Das «Land Afrika»

Kürzlich sass ich mit einem Parlamentarier einer einigermassen liberalen Partei beim Mittagessen. Ich erzählte ihm von Afrika, genauer: von Äthiopien, wo ich dieses Jahr als Berater für einen sicherheitspolitischen Think Tank arbeitete. Der besagte Herr glaubte, aufgrund einer Westafrikareise in den Siebzigerjahren durchaus selber in der Lage zu sein, die

Quoten für Frauen – und für wen noch?

Quoten für Frauen – und für wen noch?

Der Ruf nach einer Quotenregelung für Frauen in den Verwaltungsräten börsenkotierter Unternehmungen wird lauter. Bundesrätin Sommaruga will eine entsprechende Gesetzesregelung im revidierten Aktienrecht. Die Zahlen sind klar: Die Frauen sind in diesen Gremien untervertreten. Auch sonst spricht einiges für eine grössere Zahl von weiblichen Mitgliedern in den Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten

Wohin wächst die Wirtschaft?

Wohin wächst die Wirtschaft?

Sie wächst ins Digitale, ins Netz. Schauen wir näher hin: Das Internet hat – anders als die materielle Industrie – weder eine Fläche, ein Mass noch ein Gewicht. Trotzdem ist es heute von entscheidender Wichtigkeit, im Zentrum dieses Netzes zu stehen. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Der Internetgigant Google bietet uns bereits

Chronik eines Fiaskos

Chronik eines Fiaskos

Die Kartellgesetzrevision ist gescheitert und damit auch der Versuch, ein erstinstanzlich unabhängiges Kartellgericht zu schaffen. Die Odyssee hat ihren Anfang 2009 mit einer Expertengruppe genommen, die vierzehn teils beliebige Empfehlungen zur Änderung des Kartellgesetzes (KG) abgab. Der Bundesrat hat es dann unterlassen, die Spreu vom Weizen zu trennen, die Vorschläge

Mehr Teilzeit für Männer?

Der Trend zu mehr Teilzeitarbeit ist ungebrochen: 2013 waren knapp 9 Prozent der männlichen Arbeitnehmer mit einem Beschäftigungsgrad zwischen 50 Prozent und 90 Prozent angestellt. Dieser Anteil hat sich seit 1991 annähernd verdreifacht. Dazu kommt ein leicht steigender Anteil von Männern mit einem Beschäftigungsgrad unter 50 Prozent. Bei dieser zweiten

Vater-Sohn-Gespräch

Die Szene könnte am Mittagstisch bei uns zu Hause spielen, würde es ihn noch geben. Nun sitzen wir also an einem schön dekorierten Tisch und speisen gediegen in einer Dépendance des Grand Resort in Bad Ragaz. Meine Cousine heiratet, Familie, Verwandtschaft und Freunde treffen sich an einem fremden Ort. Mein

Ich entschuldige mich

Ich entschuldige mich

Es hält mich nicht mehr, es muss heraus: Ich entschuldige mich! Nie wieder will ich schnöde verschweigen, was meine Generation der Schweiz angetan hat: unser Zusammenleben gefährdet, unsere Identität geschwächt, den Zusammenhalt des Landes aufs Spiel gesetzt. Denn wir haben – ich bekenne es – in der Primarschule keinen Französischunterricht genossen. Dass

…der «Gutmenschen»

…der «Gutmenschen»

Was sagen wir, wenn wir jemanden als «Gutmenschen» apostrophieren, ihm die Wertung «gut» gewissermassen auf den Leib schreiben? Wir ironisieren: Wir finden ihn alles andere als gut, aber er ist dafür umso mehr von seiner eigenen Güte überzeugt. Gehen wir der Sache auf den Grund: Oft stellen wir fest, dass