In dieser Ausgabe
Dossier
Investiere in dich! Studenten als Unternehmer ihrer selbst
Heinrich von Kleist, Nick Hayek, Mark Zuckerberg – sie alle haben ihr Hochschulstudium frühzeitig hingeschmissen. Sie sahen ihre wertvolle Zeit und Energie anderswo besser investiert, verfolgten eine «freie Geistesbildung» oder gründeten ein Unternehmen. 72 Prozent der Studenten an Schweizer Hochschulen gehen einen anderen, manchmal ebenso abenteuerlichen Weg. Zum Beispiel Fabian. Er
Wozu eigentlich studieren?
Neugier erst schafft die Leidenschaft, sich auf die Mühen des Verstehens einzulassen. Alles andere ist bloss Fortsetzung der Schule mit ihren Qualen und Pflichten. Einige kritische Gedanken. Und dazu ein Manifest für den zeitgenössischen Studenten.
Manifest für den zeitgenössischen Studenten
Investiert in eure Neugier! Studiert also das, was ihr wollt! Investiert ferner in das, was euch treibt, belebt, was ihr wissen wollt! Der Profit, der return on investment, ist eure geistige Anregung und Befriedigung – nur in Verbindung mit ihr kann das gesammelte Wissen für den künftigen Beruf auch fruchtbar gemacht
Investiere in dich!
Gary S. Becker prägte vor 60 Jahren das Konzept «Humankapital». Heute untersucht er, welche Renditen Eltern von Studierenden erwarten können und warum Frauen künftig höhere Einkommen als Männer erzielen könnten.
Investiert in alle!
Wir verschwenden Bildungskapital. Es kommt nicht an, wo es sollte – beim einzelnen. Darum fordern wir ein bedingungsloses Grundkapital für alle Mitglieder einer Schweizerischen Bildungsgenossenschaft. Sind wir bereit für eine grosse Reform der Studienfinanzierung?
Ich studiere, also will ich
Die Arbeitswelt ändert sich rasant. Und mit ihr die Hochschulen. Wird das Studium virtueller und unpersönlicher? Nicht unbedingt. Denn wenn sich Studierende als Unternehmer ihrer selbst sehen, fordern sie mehr von sich selbst – und von ihrer Hochschule.
Einzelkämpfer bringen es nicht weit
Georg von Krogh erforscht, was Strategien erfolgreich macht. Studenten rät er, auf Dialog statt Monolog, auf Mitarbeit statt Egotrip zu setzen. Und sich eine simple Frage immer wieder zu stellen: Wie möchte ich eigentlich mein Leben leben?
Tonnenideologien im Bildungswesen
Je mehr junge Menschen studieren, desto besser! Das denken viele. Und die Bildungspolitiker wiederholen es die ganze Zeit. Dennoch ist es falsch. Eine höhere Akademikerquote führt nicht zu einem höheren Bildungsniveau der Bürger. Sie führt bloss zu einem tieferen Niveau der Hochschulen.
Aktuelle Debatten
Keine Angst vor Uncle Sam
Die US-Steuerbehörden machen Jagd auf ihre Bürger in der ganzen Welt. Dabei wissen sie insgeheim: Die Steuerflucht ist das Ergebnis schlechter amerikanischer Steuergesetze. Warum wagt die Schweiz es nicht, die US-Bürger für sich einzunehmen, indem sie die US-Regierung genau daran erinnert?
Schlaraffenland?
Staatlich begrenzte Managergehälter, Mindestlohn, Erbschaftssteuer: Neue Volksinitiativen fordern mehr staatliche Eingriffe. Was bewegt jene, die den neosozialistischen Aufstand proben? Und was wären die Folgen?
Weitere Beiträge
Editorial
Hanspeter Thür, Eidgenössischer Datenschutzbeauftragter seit 2001, ruft aus: «Am Ende muss der Datenschützer das Bankgeheimnis gegen die Banken verteidigen!» Für die Linken hört der Schutz der Privatsphäre auf, wo es ums Portemonnaie geht. Und die Bürgerlichen, für die der Datenschutz eigentlich beim Portemonnaie beginnt, geben neuerdings klein bei. Der Zeitgeist
Die Reichen, der Homo oeconomicus und wir Almosenempfänger
Die Reichen. Eine unscheinbare Wendung ist mit voller Wucht zurück. Bürger, Medienleute und Politiker, die nicht klassenkämpferisch veranlagt sind, sondern bloss den Zeichen der Zeit folgen, arbeiten an der Konstruktion eines neuen diskursiven Feindbildes. Man beachte die Verwendung des bestimmten Artikels. Es ist nicht die Rede von Leuten, die mehr
Ein bisschen Eigentum…
Durch Ideologie und Klientelismus getrieben, verteilt die Politik heute grosszügig Nutzungsverbote und -einschränkungen, ohne dass diese für den Schutz der Bürgerrechte notwendig wären.
Zu schön, um dazubleiben
Die Bedeutung meines aus dem Griechischen stammenden Vornamens lautet: die Fremde. Und genau das ist es, was ich mein ganzes bisheriges Leben lang war. Was mir anfangs Mühe machte, hat sich inzwischen als Vorteil erwiesen, den ich bewusst einsetzen kann. In Italien und in den USA nimmt man mich als
Selbstopfer
Ein Pick-up fährt langsam die Strasse herauf, das Motorrad kommt aus der Gegenrichtung. Wenig später folgt ein grüner Pkw, auch er bremst nicht ab. Eine schlanke Passantin wird einen weissen Schal schwenken, das letzte Zeichen für die Sterbende. Sie ist noch bei vollem Bewusstsein. Man hört Geschrei und die
Wie der Nationalfonds Max Frisch entlarvt
Publikationen aus Bern haben es in sich. Da wäre zum Beispiel das Forschungsmagazin «Horizonte», das vom Schweizerischen Nationalfonds herausgegeben wird und mit einem Skandal aufwartete: Der «Schweizer Nationaldichter» wird des kolonialistischen Denkens überführt (Dezember 2011, Nr. 91, S. 22 f.). Wenn der Schweizerische Nationalfonds könnte, so würde er wohl gerne
Einer gegen alle
Er verteidigt das Bankkundengeheimnis und lehnt den automatischen Informationsaustausch ab. Die deutschen Forderungen erinnern ihn ans Faustrecht. Er sieht westliche Demokratien auf dem Weg zu totalen Staaten. Ein Gespräch mit dem Schweizer Datenschützer Hanspeter Thür.
Die Männerfrage
Fakten und Fiktionen: Einige Gedanken zum vergessenen Geschlecht der Emanzipationsverlierer
Willenskraft als Muskel
Roy Baumeister zufolge trainiert Willenskraft Ausdauer, Belastbarkeit und bessere Entscheidungen. Der amerikanische Sozialpsychologe erläutert, warum Männer sich leichter ablenken lassen als Frauen, obwohl sie grösseres Willenspotential haben, und diskutiert Kreativität sowie Selbstkontrolle.
Amazonen
Wie, was ich für ein Kind war? Das brauche ich Ihnen doch nun wirklich nicht zu erzählen, wie so eine Knabenkindheit im Amazonenstaat verläuft, hören Sie mir bloss mit dieser Maskerade auf, das wissen Sie ja wohl selber am besten, dass so eine einzelne Brust keinen rechten Mann zu nähren
Kulturrevolutiönli
Von Mao Zedong bis Pius Knüsel: Satiriker Viktor Giacobbo über Macht und Machtmissbrauch in Politik, Wirtschaft und Kultur. Und über einige andere Dinge, die damit nur bedingt zu tun haben.
Nehmt ihnen die Kunst weg!
Die neue Diskussion über einen 50-Prozent-Schnitt bei den Kulturinstitutionen geht am Thema vorbei. Statt sich über Promillegrenzen für öffentliche Subventionen zu streiten, sollten Kulturschaffende dem überfälligen Strukturwandel ins Auge schauen – und auf «kreative Zerstörung» setzen.
Wenn Drachen Walzer tanzen
Eine 25-jährige Pianistin zieht von Zürich nach Singapur und sucht ihre kulturellen Wurzeln. Der Stadtstaat sucht sie ebenfalls, möchte Europa und die Schweiz importieren, verleugnet aber seine eigene Identität. Kann ein Styropor-Matterhorn wirklich die kulturelle Zukunft sein?
Nacht des Monats mit Manon Pfrunder
Die Schweizer Schauspielerin Manon Pfrunder macht sich Gedanken über «gutes» Theater.