Ausgabe 978 - Juni 2010
Embargo: Das Spiel mit der Drohung
In dieser Ausgabe
Dossier
Das Embargo bleibt, die Zwecke gehen
«Es ist paradox. Der vordergründige Misserfolg von Sanktionen ist oft eine unumgängliche Begleiterscheinung von deren faktischen Erfolgen.» M.S. Daoudi & M.S. Dajani, 1983
Sprich sanft und trage einen grossen Knüppel!
Drohungen, Sanktionen, Anreize oder hohe Diplomatie. Egal, welche Saite angeschlagen wird, Nordkorea und Iran konnten bisher nicht vom Bau an der Atombombe abgehalten werden.
Korruption im Schlepptau
Suzann-Viola Renninger im Gespräch mit Mark Pieth Kein Embargo ohne Umgehung. Mit im Spiel sind Regierungen, Geheimdienste, internationale Firmen, Einzelpersonen. Massnahmen dagegen beginnen langsam zu greifen. Ob dies nachhaltig ist, bleibt offen.
Massnahmen für mehr Hunger
Nach dem Zweiten Golfkrieg verbot eine Uno-Resolution dem Irak jede Art von Handel mit dem Ausland. Die Bevölkerung litt. Daher wurde 1995 das Oil-for-Food-Programm ins Leben gerufen. Die Korruption nahm zu, der Hunger blieb.
Empörung ist die Leidenschaft des Schwachen
Wie lässt sich die Verletzung von Menschenrechten ahnden? Durch Embargos, sagen die Mächtigen. Dabei ist klar, dass diese oft ihr Ziel verfehlen. Weniger klar ist, ob die Schweiz dennoch mitmachen soll.
Dem Diktator geht’s gut
Kann mit Wirtschaftssanktionen ein Regimewechsel erzwungen werden? Meist leidet vor allem die Zivilbevölkerung, die Machthaber jedoch bleiben so mächtig wie eh und je.
Aktuelle Debatten
Die Welt ist gerade genug
Anstatt der EU sollte die Schweiz lieber gleich der Welt beitreten.
Weitere Beiträge
Bin ich, ist der Tod nicht
Lässt sich das Sterben lernen? Wer mit der rationalen Auskunft von Epikur nicht zufrieden ist, wonach man den Tod nicht fürchten müsse, weil er uns nicht treffe («bin ich, ist er nicht, ist er, bin ich nicht»), sucht eine Antwort am besten in der konkreten Erfahrung mit Sterbenden. Das Büchlein
Editorial
Liebe Leser Der Euro galt bis vor kurzem als Erfolgsgeschichte. Wer Bedenken äusserte, wurde als Spielverderber hingestellt. Das hat sich geändert. Die Frage aber bleibt: Wie geht es nach dem Bailout Griechenlands weiter mit Europa? Der Ökonom Charles B. Blankart schreibt exklusiv über die Hintergründe des «Staatsstreichs aus Brüssel». Sein
Ist nach dem Crash vor dem Crash?
Zehn Prinzipien, die das Finanzsystem vor dem Crash bewahren. Sie gelten übrigens auch für überschuldete Staaten.
So tust du, was ich will
Ködern oder zwingen? Wie die Politiker unser Handeln steuern, ohne dass wir es merken
(2/2) Der zu hohe Preis des Euro
Die Politik kann ökonomische Gesetze nicht ignorieren. Haben wir daraus gelernt?
Peter Wuffli im Gespräch
Erst Bankier, dann Philanthrop. 2006 gründete Peter Wuffli die elea-Stiftung, um mit betriebswirtschaftlicher Expertise in Armutsgebieten nachhaltige Veränderungen anzustossen. Suzann-Viola Renninger hat Peter Wuffli in Zürich getroffen.
Schweizer Autoren in Kurzkritik XXV
14 Bücher, vorgestellt in der fünfundzwanzigsten Folge der «Schweizer Autoren in Kurzkritik». Fortsetzung folgt.
Was heisst denn hier Freiheit?
Eine Antwort aus dem Stegreif von Frank Bodin Mit einem Anstoss von Gilbert Keith Chesterton: Zitiert aus «Tremendous Trifles» (1909) «Die Kunst ist Begrenzung … Der schönste Teil eines Bildes ist der Rahmen.»
Casting! Durchhalten!
Ja, da müssen Sie jetzt durch! Stellen Sie sich nicht so an! Eine Castingshow mehr oder weniger, das ist doch nicht zu viel verlangt. Ausserdem wird diesmal erfreulicherweise nicht gesungen, das ständige Brummen und Geträller war wirklich nicht mehr auszuhalten. In Milena Mosers Roman «Möchtegern» geht es unrhythmisch um die
Alles Gute zum Geburtstag: Johann Peter Hebel
Man kann sich durchaus Gedanken darüber machen, was es bringt, sich an die grossen Künstler der Vergangenheit vorwiegend dann zu erinnern, wenn runde Geburts- oder Todestage anstehen. Immerhin – wir werden aufmerksam, und sollte es ein Dichter sein, lesen wir vielleicht wieder einmal in seinen Werken. Dass diese rasch greifbar sind,
Mit den Alpen gegen den Feind
Dominik Schnetzer: «Bergbild und Geistige Landesverteidigung». Zürich: Chronos, 2009
Hinein ins Bild
Bilder streben in die Fläche. Für einen Schriftsteller besteht so gesehen die Herausforderung bei der Bildbetrachtung darin, diese Flächigkeit sprachlich zu meistern. Ein Bild schreibend zu erkunden, kann freilich nicht heissen, es einfach nachzuerzählen. «Wichtig ist dabei weniger die Beschreibung der äusseren Gestalt als jenes Erleben und Empfinden, das sich
Lyrisches Geflitter trifft Bockmist
1981 debütierte Thomas Hürlimann mit dem Novellenband «Die Tessinerin», zugleich der erste Titel im Programm des damals neu gegründeten Ammann-Verlags. Bis heute sind bei Ammann zwanzig Bücher von Hürlimann erschienen, der damit zu den produktivsten und erfolgreichsten Autoren des Verlags gehört. Jetzt, zum Ende des Verlags, hat Ammann noch
Ein Schreibtisch im Flughafen
Eine Woche lang durfte der Schriftsteller Alain de Botton seinen Schreibtisch in den Terminal 5 des Londoner Flughafens Heathrow verlegen. Dessen Eigentümer Grupo Ferrovial, ein weltweit operierendes Unternehmen der Dienstleistungsindustrie, hatte den durch seine alltagsphilosophischen Bücher berühmten Autor als writer in residence engagiert. De Botton quartierte sich in einem neben
Warum Rudolf Roessler Eisenchlorid braucht…
Peter Kamber lässt in seinem historischen Dokumentarroman «Geheime Agentin» reale Personen in ihrem historischen Umfeld agieren; ihr Handeln und Sprechen soll dabei so wenig wie möglich von den historisch belegten Tatsachen abweichen. Abgestützt werden die fast tausendvierhundert Seiten Erzähltext durch einen im Internet publizierten Apparat, in dem die Datenlage offengelegt
…und Rainer Maria Rilke sich Geld leiht
«Begegnungen waren seine Lektüren stets», bemerkte Carl J. Burckhardt bei Gelegenheit über seinen Freund Hugo von Hofmannsthal. Das traf auch auf ihn zu, den gelehrten Diplomaten und homme de lettres aus Basel, das Idealbild eines Botschafters aus anderer Zeit. Aber auch was und wie Burckhardt schrieb, kann bis heute Begegnungen
Frauen mit Bärten leben riskant
Die Schaulust war gross. Millionen begehrten Einlass, denn auf den Jahrmärkten und Showbühnen des 19. Jahrhunderts wurde alles gezeigt, was kurios und tierisch war: Zwerge und Riesen, siamesische Zwillinge, Elefanten- und Löwenmenschen. Keine Monstrosität aber schlug die Zuschauer dermassen in Bann wie die «Affenfrauen»: weibliche Wesen mit animalischer Behaarung, die
Große hole Bäum voll Honig
Leo Schelbert & Hedwig Rappolt (Hrsg.): «Alles ist ganz anders hier». Überarbeitete Neuausgabe. Zürich: Limmat, 2009.
Und immer lacht die thrakische Magd
In den seligen Zeiten, in denen der Sternenhimmel die Landkarte der gangbaren und zu gehenden Wege war und die Wege vom Licht der Sterne erhellt wurden, damals war, wie Georg Lukács in seiner «Theorie des Romans» hymnisch schwärmt, die Welt weit und doch wie das eigene Haus, Ich und Welt
Tot? Ist ja gelacht!
Im Jahr 1989 starben nicht nur Samuel Beckett und Thomas Bernhard. Nur wenige Wochen nach dem Tod des von ihm als «Prosalehrer» verehrten österreichischen Autors nahm sich Hermann Burger das Leben. Bei allen Unterschieden – Bernhard etwa wurde lange Zeit als Beckett-Epigone ridikülisiert («Alpenbeckett und Unterganghofer») – ist ein Gemeinsames dieser