Ausgabe 965 - November 2008
Europa, gerne. EU, nein danke!
In dieser Ausgabe
Dossier
(7) Die Verschweizerung Europas
Wenn Europa nur endlich aus seinem politischen Traum erwachte! Dann wäre es vielleicht bald keine Europäische Union mehr, sondern eine Confoederatio Europaea.
(6) Als ob die Geschichte zu Ende wäre
Hat die EU-Osterweiterung frischen Wind in die Union gebracht? Nicht wirklich. Alles bleibt beim alten. Anonymität und Konformismus nehmen weiter zu.
(5) Ein Schein von Einigkeit
Die EU bemüht sich, nach aussen einig aufzutreten. Im Innern überwiegt die Uneinigkeit. Wenn es hart auf hart geht, ist sich jeder EU-Staat selbst der nächste.
(4) Der Markt und das Monster
Europa hat die Marktwirtschaft entdeckt. Dennoch stehen heute viele Europäer dem Markt skeptisch gegenüber. Es fehlt eine klare politische Ordnung. Zeit, über ein demokratisches europäisches Staatswesen nachzudenken.
(3) «Die wenigsten Politiker denken wirklich europäisch»
Sitzen Idealisten im EU-Parlament? Oder doch eher Karrieristen und Technokraten? Wen vertreten sie? Und wessen Wohl dienen sie? Der Philosoph Gianni Vattimo über sein Leben in Strassburg.
(2) Unser aller Erbe
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts steht Europa vor einer entscheidenden Frage: Will es ein freier Kontinent sein oder ein neues paneuropäisches Imperium?
(1) Die Superbürokratie
Sie kann schalten und walten, wie sie will. Sie ist Exekutive, Legislative und Judikative in Personalunion. Es fehlt ihr bloss die demokratische Legitimierung.
(0) Auftakt
Auch wenn einige unserer Volksvertreter ihre EU-Begeisterung in ihrem Herzen bewahrt haben mögen, so wagen sie es kaum mehr, sie offen auszusprechen. Die Mehrheit der Vertretenen ist in den letzten Jahren zunehmend EU-skeptisch geworden. Wir nutzen die Aussenperspektive, um einen kritischen Blick auf ein politisches Gebilde zu werfen,
Aktuelle Debatten
Obama oder Die Hoffnung stirbt zuletzt
Vom unendlichen Warten auf den richtigen Poli-tiker, den es nicht gibt – nicht einmal in den USA
Die bösen anderen
Krisenzeiten entstellen menschliche Phantasmen zur Kenntlichkeit. Woher stammt die Angst vor den bösen Marktteilnehmern? Eine psychoanalytische Sicht.
Wenn das Geld nichts mehr kostet…
Die Zentralbanken haben mit ihrer Politik der tiefen Zinsen die Volkswirtschaften auf der ganzen Welt in die Überschuldung geführt. Nun wollen sie den Teufel mit dem Beelzebub austreiben und noch mehr billiges Geld in den Markt pumpen. Stop! Es gäbe einen erfolgversprechenden Weg aus der Krise.
Die grosse Illusion und der spekulative Geist
Die Spekulanten gelten als gierig, überheblich, verantwortungslos. Dabei blendet die Spekulationskritik jedoch aus: die Finanzkrise beruht auf der Illusion der risikolosen Spekulation. Mehr spekulativer Geist hätte allen Beteiligten gutgetan.
Wer vorschnell triumphiert, übersieht die wahren Schwächen
«Mehr staatliche Kontrolle des Finanzsystems!» lautet die Losung der Stunde. Doch wird dadurch das Bankwesen weder sicherer noch moralischer. Am Anfang der Krise stand nicht das Fehlen von Regeln, sondern eine fatale Kombination von Regulierung und Deregulierung.
Weitere Beiträge
…und daher gleich doppelt
Rolf Lappert: «Nach Hause schwimmen». München: Hanser, 2008. Bei der Geburt stirbt die Mutter. Das kommt leider immer mal wieder vor, selbst in unseren Tagen und sogar in Philadelphia, das für gute Krankenhäuser bekannt ist. Nach diesem Unglück verschwindet der Vater aus der Klinik, und zwar auf Nimmerwiedersehen. Seltsam, aber
Editorial
Was wird aus Europa? Bei dieser Frage wird auch überzeugten Europäern zunehmend mulmig zumute. Die Europäische Union erscheint vielen als ein Gebilde, dessen Ziele, Zuständigkeiten und Funktionen nur schwer zu durchschauen sind. Das anfänglich erfolgreiche Wirtschafts- und Friedensprojekt stösst auf den offenen Widerstand der Bürger. Wir beleuchten die Problematik ab
Pietro Supino im Gespräch
Pietro Supino wollte Privatbankier werden, wurde aber Verleger der Tamedia AG als Nachfolger seines Onkels Hans Heinrich Coninx. Sein ungewöhnlicher Werdegang ermöglicht ihm einen distanzierten Blick aufs Unternehmen, seine italienischen Wurzeln einen anderen auf das Leben.
Von der Kunst, den «Grünen Heinrich» zu lesen. Folge 6
Die Überlieferungsgeschichte der beiden Fassungen 1853 schrieb Gottfried Keller an einen Freund: «Ich habe gesehen und gestaunt, wie schlecht und unfähig die Produkte anderer Leute gelesen werden.
Schweizer Literatur in Kurzkritik XII
"Das Buch lebt!" – so die Bilanz der Frankfurter Buchmesse 2008. Mit 78.218 Besuchern am 18. Oktober war es der besucherstärkste Tag ihrer Geschichte. 14 Buchvorstellungen Schweizer Autoren folgen in unserer zwölften Folge "Schweizer Literatur in Kurzkritik".
300 Jahre Albrecht von Haller 1/2
Albrecht von Haller war Physiologe, Botaniker, Dichter, Arzt und Staatsdenker. Der vor 300 Jahren in Bern geborene Universalgelehrte schrieb tausende Briefe europaweit. Sein Porträt zierte den 500-Franken-Schein. Die folgenden Beiträge zeigen, warum sich Hallers Werke lohnen.
300 Jahre Albrecht von Haller 2/2
Vor 300 Jahren wurde Albrecht von Haller in Bern geboren. Der Universalgelehrte war Physiologe, Botaniker, Dichter, Arzt und Staatstheoretiker. Er prägte die Alpen nachhaltig und korrespondierte mit ganz Europa. Sein Porträt zierte den 500-Franken-Schein. Hallers Werke zu lesen lohnt sich bis heute.
Sachbuch
Jürgen Morlok (Hrsg.) Der Freiheit verpflichtet. Beiträge zum 80. Geburtstag von Otto Graf Lambsdorff Stuttgart: Lucius & Lucius, 2007 Wenn ein liberales Urgestein wie Otto Graf Lambsdorff Geburtstag feiert, ist die Tabula gratulatoria reich besetzt – dazu zählen politische Weggefährten ebenso wie Freunde, liberale Mitstreiter und Experten, Staatsmänner und -frauen und
Freundeskreis der «Schweizer Monatshefte»
Eine traditionsreiche Zeitschrift macht sich fit für die Zukunft
Was heisst denn hier Freiheit?
Eine Antwort aus dem Stegreif von Pius Knüsel «Nur im Schatten verbrauchter Gottheiten kann man frei atmen.» (Emile M. Cioran)
Weit ist zu schwimmen…
Rolf Lappert: «Nach Hause schwimmen». München: Hanser, 2008. Mit Irland kann man nichts falsch machen. Weicher Torf unter den Füssen, weiter Blick auf den Atlantik, die westliche Brise aus Amerika in der Nase – das erweitert den Horizont und beflügelt die Phantasie. Der 50jährige Rolf Lappert hat den Schritt gen Nordwesten
Selbst schuld, lest doch Orwell!
Christian Kracht: « Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten». Köln: Kiepenhauer & Witsch, 2008.
Fischermanns Garn
Gerold Späth: «Aufzeichnungen eines Fischers (das erste Jahr)». Basel: Lenos, 2006. Gerold Späth: «Mein Lac de Triomphe. Aufzeichnungen eines Fischers (das zweite Jahr)». Basel: Lenos, 2007. Vor fast vierzig Jahren erschien Gerold Späths Début «Unschlecht», eine furiose Attacke auf das Spiessbürgertum seiner Heimatstadt Rapperswil am Zürichsee, vom Autor als «Barbarswila»
Im Spektakel der Präsenz
Marco Baschera & André Bucher (Hrsg.): «Präsenzerfahrungen in Literatur und Kunst». München: Fink, 2008.
Wenn gute Menschen gut sind
Franz Hohler: «Das Ende eines ganz normalen Tages». München: Luchterhand, 2008.
Wenn Zauberer entzaubern
Philipp Gut: «Thomas Manns Idee einer deutschen Kultur». Frankfurt a.M.: Fischer, 2007. Ganz unbekannt ist dieses Thema nicht. Wer es einmal mehr bearbeitet, kann schwerlich darauf hoffen, bislang unentdecktes Material von erheblicher Tragweite zu finden. Doch eines kann nie schaden: einen frischen Blick auf allzu Bekanntes zu werfen; neu
Er war ein Mann, nehmt alles nur in allem
Bruno Meier (Hrsg.): «Das Unbehagen im Kleinstaat Schweiz. Der Germanist und politische Denker Karl Schmid (1907–1974)». Zürich: Verlag NZZ, 2007.
Widmers achter Schöpfungstag
Urs Widmer: «Valentin Lustigs Pilgerreise. Bericht eines Spaziergangs durch 33 seiner Gemälde. Mit Briefen des Malers an den Verfasser». Zürich: Diogenes, 2008. Valentin Lustig, hat sich da ein Urs Widmer einfallen lassen, heisse der Malermeister, und am Ende des Buchs gibt’s sogar ein Foto von ihm, zusammen mit dem
Lyriker der Romandie – Romandie-Lyriker?
Philippe Jaccottet (Hrsg.): «Die Lyrik der Romandie. Eine zweisprachige Anthologie». Zürich: Nagel & Kimche, 2008.
Zu süss für die Kleinen…
Eveline Hasler (Text) und Käthi Bhend (Illustration): «Im Traum kann ich fliegen». Zürich: NordSüd, 2008. Nichts ist zu sagen gegen die Wiederbelebung von Klassikern. Das dachte sich wohl auch der NordSüd-Verlag und veröffentlichte vor kurzem mit «Im Traum kann ich fliegen» einen Text der Erfolgsgarantie-Autorin Eveline Hasler aus
…Ketchup ist viel besser
«Tomate uf de Ohre. Spi Spa Spoken Word für Kinder». Audio CD. Luzern: Der gesunde Menschenversand, 2008. Wer Tomaten auf den Ohren hat, will entweder nichts hören, benimmt sich wie ein Handy-Affe oder möchte die Mutter beim Essen auf die Palme schicken. All dies und was es sonst mit
Viel Vergnügen, mehr davon
Zora del Buono: «Canitz’ Verlangen». Hamburg: marebuch, 2008. Eine genialer Plot, vereint mit messerscharfer Beobachtung, kluger, meisterhafter Gefühls- und Situationsbeschreibung und viel Witz, aber auch ebensoviel Ernsthaftigkeit: «Canitz’ Verlangen» ist ein in jeder Hinsicht lohnendes Buch der gebürtigen Schweizerin Zora del Buono. Es unterhält wie lange kein deutschsprachiger Roman mehr
Grosse Pein, Buch zu
Jutta Motz: «Späte Seilschaften». Bielefeld: Pendragon, 2008. Im Heizungskeller des Chemischen Labors der Universität Oxford liegt eine Leiche, in deren Brust ein antiker arabischer Dolch steckt. Diesen hat der Archäologe Anthony Gardener einst von einem Beduinenfürsten geschenkt bekommen. Da es sich bei dem Toten um seinen ehemaligen Assistenten Pemberton oder