Ausgabe 982 - Dezember 2010
Strategisch denken!
In dieser Ausgabe
Dossier
«Viele Staaten werden implodieren»
René Scheu im Gespräch mit Gunnar Heinsohn Alle sprechen von der demographischen Herausforderung. Aber kaum jemand nimmt sie ernst. Der Soziologe Gunnar Heinsohn schon. Gespräch über das Ende des Sozialstaats, wie wir ihn kennen, über Bildungsillusionen und den Segen qualifizierter Zuwanderung.
Warum konstruieren, was schon existiert?
Er war und ist der Königsweg. Warum die Skepsis? Der EWR löst die Probleme der bilateralen Abkommen.
EWR oder nicht, das ist hier die Frage
Der EWR bietet zweifellos Vorteile. Aber warum nicht einfach abwarten, mit der EU immer wieder neu verhandeln und sich arrangieren? Das ist nicht elegant. Aber wirksam.
Der Klassenbeste denkt nach
Der Schweiz drohen Prügel von der EU – wegen Bestnoten. Was tun? Weiter büffeln. Und sich profilieren: als globale Plattform oder als clever verzahnter Sonderfall.
Das kleine gallische Dorf
Die Schweiz geht ihren Weg. Und das ist gut so – gerade für Europa. Die EU braucht einen Leitstern und Störenfried. Die Aussensicht einer deutschen EU-Bürgerin.
Der Irrtum des Euros
Eine gemeinsame politische Union, eine einzige Währung – das sind schöne politische Ideen. Doch ist die Umsetzung das Problem. Die Schweiz sollte sich ihren Handlungsspielraum bewahren.
Regulierung auf leisen Sohlen
Regulieren und harmonisieren – die EU stärkt ihre Institutionen und schwächt den Wettbewerb. Die Schweiz könnte profitieren. Wenn sie klug ist.
Innovative EU
Gegen die EU zu wettern ist einfach. Vor allem, wenn man sie nicht kennt. Dabei ist die europäische Governance gar nicht so verschieden von der helvetischen.
Widersprüchliches Gebilde
Die EU ist eine Fehlkonstruktion. Sagen die Skeptiker. Und ernten den Vorwurf der Ignoranz. Was wissen denn die anderen besser?
Souveränität heute
Der bilaterale Weg wird steiniger. Isolation ist keine Option. Was nun? Fortschreibung einer Debatte.
Aktuelle Debatten
Was heisst denn hier Freiheit?
Yves Kugelmann antwortet auf George Orwells These: «Wenn Freiheit etwas bedeutet, dann das Recht, Unangenehmes zu sagen.» Orwell betont damit die Essenz von Meinungsfreiheit.
Anton Krättli — ein Nachruf
Von 1965 bis 1994 war Anton Krättli Redaktor der «Schweizer Monatshefte». Am 11. November ist er achtundachtzigjährig in Aarau gestorben.
Weitere Beiträge
Editorial
Liebe Leserinnen und Leser Von Winston Churchill ist das Bonmot überliefert, die Demokratie sei die schlechteste aller Regierungsformen – abgesehen von allen anderen. Wir nehmen ihn beim Wort. Die jüngsten Abstimmungen in der Schweiz sind uns Anlass, kritisch über unsere Demokratie nachzudenken: in den Gedankensplittern auf S. 6, im Gespräch mit
Ist Gold das bessere Geld?
Weltbankchef Robert Zoellick hat eine Debatte über die Rückkehr zum Goldstandard lanciert. Eigentlich interessant. Doch nun gewinnen die Skeptiker wieder die Oberhand. Was taugen deren Vorbehalte?
Die Mehrheit ist flüssig
Die Demokratie lebt. Und solange sie nicht tot ist, gibt es keine Totengräber der Demokratie. Die Gruben entstehen trotzdem.
Hans-Hermann Hoppe im Gespräch
Hans-Hermann Hoppe, einer der streitbarsten libertären Intellektuellen, bietet radikale Kritik an der Demokratie: Sie ermöglicht einer Mehrheit, sich geschickt auf Kosten einer Minderheit zu bedienen. René Scheu traf Hoppe in Zürich und Lech am Arlberg; der Gedankenaustausch fand per E-Mail statt.
(1/3) Parks, Klöster, Kesselschlachten, Westberlin
Thomas Hürlimann, 1950 in Zug geboren, feiert seinen 60. Geburtstag. Nach seiner Schulzeit im Kloster Einsiedeln studierte er Philosophie in Zürich und Berlin. Der Autor verfasste zahlreiche Theaterstücke, Essays und Romane, darunter «Vierzig Rosen» und «Der grosse Kater», verfilmt mit Bruno Ganz.
(2/3) «Gegen einen Wattebausch ist Ödipus machtlos»*
Hans-Rüdiger Schwab im Gespräch mit Thomas Hürlimann
Anrufung der Melancholie
Andreas Neeser könnte ein Minimalist sein. Aus lyrischen Bezügen kommend, monogrammiert er die Welt auch in seiner Prosa. Für die acht Erzählungen in seinem neuen schmalen Band «Unsicherer Grund» beansprucht er gerade einmal hundert Druckseiten. Das kennt man von den prosaschreibenden Lyrikern, dieses Anwenden des lyrischen Prinzips auf Prosatexte, das
Schweizer Autoren in Kurzkritik XXIX
8 Bücher, vorgestellt in der neunundzwanzigsten Folge der «Schweizer Autoren in Kurzkritik». Fortsetzung folgt.
Schwarzes Buch in allen Farben
Ein Buch in Schwarz. Nein nicht in Schwarz, sondern in Pfirsichkernschwarz, in Traubenkernschwarz , in Kirschkernschwarz, in Flammruss. So schaut einen das Buch an. Ein schwarzes Buch über Farben. Eigentlich suspekt. Doch schon habe ich es in der Hand, schlage es auf: Bologneser Kreide, Carraramarmor, Rügener Kreide, Champagner Kreide. Irritiert und
Keine Fluchten mehr!
Die männliche Hauptfigur dieses Romans ist Mitte 50 und bekommt ein nachgerade klassisches existentielles Problem: «Wie überspringt man die Jahre, … wie kehrt man noch einmal zu dem zurück, der man war, zu der Frau, die man liebte? Und für die man sich doch nie ganz entschieden hat.» Der so redet,
Gönnen können
Es ist die alte Geschichte und eine denkbar einfache Gleichung: Menschen können nicht gönnen, darum kommt es immer, wie es kommen muss. Mit dieser Formel lässt sich die europäische Geschichte von der Völkerwanderung über die Besiedlung Amerikas bis zum Ersten Weltkrieg erklären. Oscar Peer krempelt die Historie nicht um, er
Unliterarisch?
Er sei der «unliterarischste aller Schweizer Schriftsteller», meinte Carl Albert Loosli (1877–1959) einmal bittersüss über sich selbst. Denn ab 1900 hatte er sich sechs Jahrzehnte lang wie kein zweiter mit Wort und Tat unermüdlich den Aussenseitern der Gesellschaft gewidmet. Bei all dieser humanitären Leistung blieb aber trotz der atemraubenden
Süditalien retour
Der Zug war eine gute Wahl, auch wenn die Reise in den Süden Italiens Stunden dauert. Mit dem Auto wäre es zu weit gewesen. Nach der Mitteilung, dass ihr Vater im Sterben liege, hat Dora schnell ein paar Dinge eingepackt und sich auf den Weg gemacht. Im Speisewagen setzt ein
Sau-Ton – pianissimo gestrichen
«Technik habe ich keine, aber einen Sau-Ton.» Der das sagt, ist ein «braver Schweizer Cellist» in einem von Urs Frauchigers früheren Büchern «Der eigene Ton» (2000). Und Gidon Kremer, der russische Meistergeiger, präzisiert: «Der grosse Ton ist ein Ton, der mit der Person, die ihn erzeugt – und nur mit
Lakonie schlägt Pathos
Ein schmaler Gedichtband von rund 70 Seiten wird leicht übersehen oder für zu leicht befunden. Die zweite Buchveröffentlichung von Roman Graf ist jedoch alles andere als leicht, weder leicht geschrieben noch leicht zu beschreiben. Es ist auch nicht einfach, den Autor zu loben, weil er sich dem leicht Gefügigen und