Ausgabe 963 - August 2008
Schweizer und Deutsche – kennt Ihr euch?
In dieser Ausgabe
Dossier
(7) Die Deutschenverschrecker
Kein Schweizer Film lockte jemals so viele Menschen in die Kinos wie die «Die Schweizermacher». Wie ein Film ein Vierteljahrhundert lang dafür sorgte, dass Deutsche nicht in die Schweiz einwanderten.
(6) Deeskalierend höflich
Die Deutschen mögen uns. Sie finden uns freundlich, was wir aber faktisch weder sind noch sein wollen. Wir bemühen uns bloss, höflich zu sein. Das ist ein himmelweiter Unterschied.
(5) Die Mär vom Steuerstreit
Die Schweiz gilt bei vielen Politikern und Bürgern unseres nördlichen Nachbarn als «Steueroase»: schlaue Gesetze sollen für den Zufluss ausländischer Gesellschaften sorgen und unverdienten Profit garantieren. So will es die Legende. Warum die deutsche Kritik am helvetischen Steuersystem haltlos ist.
(4) Wehret den Schweizern!
Deutsche Schriftsteller und Intellektuelle begegnen dem Schweizertum mit grosser Skepsis. Schweizer Gelehrte in Deutschland müssen deshalb oft die Rolle des putzig-polyglotten Eingeborenen aus einem helvetischen Kulturreservat annehmen.
(3) Vom Schwarm und Schwärmen
Es gibt beides: die geträumte und die wirkliche Schweiz. Der Unterschied ist kleiner, als viele glauben. Warum deutsche Unternehmer ihr Glück in der Schweiz versuchen.
(2) So nah und doch so fern
Die Schweiz und Deutschland geben ein ziemlich ungleiches Paar ab. So ähnlich die beiden Bundesstaaten auf den ersten Blick erscheinen, so unterschiedlich ist ihr Verständnis von Staat, Konkurrenz und Föderalismus. Das Konfliktpotential ist gross. Dennoch hat die Beziehung Zukunft.
(1) «Hallo, hier sind wir!»
Die Schweiz leidet unter Deutschlands politischem Druck, weil Deutsche wenig über sie wissen. Der kleine Nachbar verliert dabei zunehmend. Eine mediale Aufklärungsoffensive in Deutschland ist dringend erforderlich, um gegenseitiges Verständnis zu schaffen.
(0) Auftakt
Man stelle sich vor, die deutsche Elf hätte die Fussball-EM in der Schweiz gewonnen! Die Zeitungen nördlich und südlich des Rheins wären voll gewesen von bösen Anekdoten über Mentalitätsunterschiede, die sich die 200’000 in der Schweiz lebenden Deutschen über die Schweizer und die 70’000 in Deutschland lebenden
Aktuelle Debatten
Alt ist gut
Die Angst vor den Folgen demographischer Überalterung geht um. An World-Age-Kongressen wird westeuropäischen Gerontokratien eine düstere Zukunft angekündigt. Warum eigentlich?
Vivisektion des Gutmenschentums
Teil I: Warum es nicht gut ist, die Welt mit den Mitteln der Politik zu verbessern
Politische Zwangs-Neurosen
Gefangen im Zwang zu mehr Sicherheit und Ordnung, verfallen immer mehr Politiker derselben Phantasie: die geltende Ordnung mit mehr Zwang durchzusetzen.
Big Business und Big Government
Mit dem Staat gemeinsame Sache zu machen, ist durchaus profitabel – für einige wenige. Das tun auch solche, die sich selbst «Unternehmer» nennen. Wie der Korporatismus funktioniert, zeigt Kultautorin Naomi Klein in ihrem neuen Buch. Eine Entgegnung an Roland Baader.*
Bhutan? Bhutan!
Entwicklungszusammenarbeit? Ja, aber auf einer soliden Basis! Und diese beruht allein auf dem Charakter des Menschen. Bilanz der fünfzigjährigen Zusammenarbeit Schweiz–Bhutan in Form eines Briefes.
Weitere Beiträge
In Nöten mit der Liebe
Wer würde schon Einspruch erheben, wenn im Titel eines Buches, das «Liebesgeschichten» verspricht, von «Glück» die Rede ist? Denn wer würde das Hochstimmungspaar Liebe und Glück auseinanderdividieren wollen – wenigstens zu Beginn der Geschichten? Und wer schaut deshalb nicht zweimal auf den Titel des neuen «Liebesgeschichten»-Buches von Adolf Muschg, der
Editorial
«Wer Ohren hat zu hören, der höre», heisst es in Matthäus 11,15. Die Hörverweigerung ist in der Schweiz, gerade in aussenpolitischen Fragen, weitverbreitet. Die diplomatischen Beziehungen zwischen unserem Land und Deutschland haben sich in den letzten Jahren merklich getrübt, auch wenn sich dies nicht alle eingestehen wollen. Der erste
Grenzerfahrung
Geboren und aufgewachsen in Freiburg i.Br., waren mir Basel und Zürich stets näher als Berlin oder Stuttgart, Strassburg oder Brüssel, als Stettin oder Dresden ohnehin. Später dann, mit einer Schweizerin in Berlin lebend, machte einem die einst nahe Grenze in der Ferne das Leben schwer – es war die Zeit
Daniel Borel im Gespräch
Logitech-Gründer Daniel Borel beschreibt die Computermaus als revolutionäre Erfindung. Aus dieser Gewissheit entstand eine bewegte Unternehmensgeschichte, die Logitech zu einem führenden Unternehmen der digitalen Welt machte. René Scheu traf Borel in Morges zum Gespräch.
Von der Kunst, den «Grünen Heinrich» zu lesen. Folge 4
Das Glück des Wissens 1853 schrieb Gottfried Keller an einen Freund: «Ich habe gesehen und gestaunt, wie schlecht und unfähig die Produkte anderer Leute gelesen werden.
Schweizer Literatur in Kurzkritik X
Sommerzeit, Urlaubszeit. Dass selbst dicke und grosse Bücher eine Reise nicht beschwerlich machen, davon erzählt der erste Text in der zehnten Folge der «Schweizer Literatur in Kurzkritik». 12 Empfehlungen für lange Reisen. Fortsetzung folgt.
Im Flugzeug mit Fotos vom Grabserberg
«Nur in den Träumen, in der Dichtung, im Spiel beugen wir uns zuweilen über das, was wir gewesen sind, bevor wir das wurden, was wir vielleicht sind» (aus «Himmel und Hölle» von Julio Cortazar) Es ist nicht einfach, mit einem so schönen und dicken Fotoband zu reisen. Einerseits weil der
In Afrika mit Max
In Laos begegnete ich einmal zwei jungen Schweden, die sagten, sie wollten auf ihrer Reise durch Südostasien leben wie die Einheimischen. Sie lernten kochen wie Laoten, kleideten sich wie Laoten, nur Bier tranken sie wie Schweden, und so waren sie auch schon ziemlich besoffen, als sie sich in Luang Prabang
In Mundart quer durch die Evangelien
«Nach den vier Evangelien» gearbeitet zu sein, beansprucht Hansjörg Schneiders Dialektstück «Jesus und die drei Mareien», das bis zum 22. März während dreieinhalb Monaten in der Luzerner Mariahilf-Kirche zu sehen war. Der Untertitel verweist auf ein erstaunlich legeres Verhältnis des vor allem seiner Hunkeler-Krimis wegen beliebten Autors zur
Vorschau
Die nächste Ausgabe Das Dossier der Ausgabe September 2008 gilt dem Thema «Das Private, das Weibliche & die Autonomie». Gast in der Galerie ist Annelies Strba. Aus der Agenda 2008/09 «Familie & Politik» «Europa oder EU?» «Mediterrane Welt» «Kunst der Kritik» «Tessin» «Mikrokredite» «La Chaux-de-Fonds» Zuletzt erschienen
In San Francisco mit Milena Moser
«Flowers in your hair» oder «Wie man in San Francisco glücklich wird » ist der neuste Band von Milena Moser. Nach drei Büchern, die von dieser Stadt beeinflusst worden sind – «Bananenfüsse» (2001), «Sofa, Yoga, Mord» (2001) und «Schlampenyoga» (2005) – ist dies nun eine sehr subjektive Aufarbeitung ihrer Amerikaerfahrung. Die Gattung ist
In Ascona mit Peter und Ursula
Wollte man «Die Welt ist blau» von Victoria Wolff, der Präsentation des AvivA-Verlages folgend, als heiter-erfrischenden Sommerroman aus Ascona lesen und besprechen, so läge man nicht falsch – doch der eigentliche Wert des Buches, die Editionsleistung und die aussergewöhnlich bedachte Gestaltung blieben auf der Strecke. «Also gut, in die
Im Unklaren mit Grossmutters Vergangenheit
Die alte Dame ist ebenso eigensinnig wie willensstark. Lange hat sie sich bemüht, auch vor sich selbst die ersten Anzeichen einer sich ankündigenden Demenz zu verbergen. Erst als ihre Enkelin sich dazu durchringt, in drastischen Worten auf die abnehmende Hygiene im Haushalt hinzuweisen, beschliesst sie, in ein Heim umzuziehen. Ihr
In den Ofen mit den Kleidern!
Silvio Huonder: «Wieder ein Jahr, abends am See». München: Nagel & Kimche, 2008.
Im Paradies ohne Schlange
Erika Burkart & Ernst Halter (Texte); Alois Lang (Fotos): «Das verborgene Haus. Zeit und Augenblick». Zürich: Ammann, 2008.
Im Basler Totengässli mit Wein
Stefan Brockhoff: «Musik im Totengässlein», hrsg. von Paul Ott und Kurt Stadelmann. Zürich: Chronos, 2007.
In der Musse mit Leichtigkeit
Andrea Köhler: «Lange Weile. Über das Warten». Frankfurt a.M.: Insel, 2007.
Tag der Dachse
«Tag der Dachse» wurde im Mai 2008 im Theater Winkelwiese in Zürich unter der Regie von Antje Thoms uraufgeführt. Der erste Akt des dreiaktigen Dramas ist im folgenden abgedruckt.
Was heisst denn hier Freiheit?
Eine Antwort aus dem Stegreif von Thorsten Hens «Freiheit [ist] die Einsicht in die Notwendigkeit» Zitiert aus «Anti-Dühring» (Friedrich Engels, 1878).*