In dieser Ausgabe
Schwerpunkt
Der Untergang Roms als Warnung an den Westen
Ich wiederhole nicht Bekanntes. Die Pariser Anschläge waren keine neue Schreckenstufe. Die Welt steht nicht an Frankreichs Seite – eine hohle Phrase. Ich applaudiere Hollandes Vergeltungsankündigung nicht, ich glaube ihm nicht. Stattdessen: So gehen Zivilisationen zugrunde.
Dossier
Abenteuer Armenien
Anfrage an Radio Jerewan: «Was ist Kapitalismus?» Antwort von Radio Jerewan: «Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen.» Zusatzfrage: «Und was ist Kommunismus?» Antwort: «Da ist es genau umgekehrt.» «Radio Jerewan», der legendäre Witzsender, der in der Sowjetzeit als Chiffre für beissende Kommunismuskritik stand, dürfte etwas vom wenigen sein, das
Vom Altertum in die Moderne
Alexander Iskandaryan spricht gerne in Bildern: Zustände wie im alten Babylon, eine Wirtschaft wie in einem Dickens-Roman, ein Land, das in nur einer Generation einen Jahrtausendsprung genommen hat. Die mitteleuropäische Zeitrechnung gilt für Armenien nicht. Ein Aufklärungsgespräch.
Die High-Tech-Teens
Programmieren, Designen, Entwickeln – was hierzulande an Universitäten angeboten wird, lernen die Jugendlichen Armeniens in ihrer Freizeit, spielerisch und kostenlos. Ein Besuch im besten Bildungszentrum, ja, der Welt.
Von sowjetischen Supercomputern zu Online-Scheidungen
Das IT-Unternehmen Volo entwickelt E-Government-Lösungen und diskutiert beim Mittagessen über gesellschaftliche Initiativen. Ein Gespräch über armenischen Erfindergeist, Schweizer Qualitätslabel und die Jobs der Zukunft.
Nicht Ziege noch Kamel
Armenien gilt nicht selten als Land der Steine. Eine durchaus treffende Bezeichnung. Wie belebt und belebend die starren Riesen und Zwerge sein können, erfährt der Besucher am besten an den zahlreichen Kultstätten und in den vielfältigen Bräuchen. Eine – Art – Pilgerreise.
Annäherung an Jerewan
Auf dem Schlamm einer völlig verelendeten Stadt gebaut, zur Paradefläche für sowjetische Heldenfeiern geworden und schliesslich ins Herzstück einer Republik verwandelt: Jerewans zentraler Platz erzählt die armenische Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Das Jahr vor der Wende
Die Spannungen zwischen Armenien und Aserbaidschan schlugen Anfang der 1990er Jahre in Gewalt um. Garri Kasparow lebte damals wie viele Armenier in Baku. Er blickt aus heutiger Sicht zurück und schildert, wie er über Nacht fliehen musste und weshalb er sich damals schon mit dem Kreml anlegte.
Armenien ist überall
Zehntausende Menschen verlassen jährlich den Südkaukasus, um die weltweite armenische Diaspora zu vergrössern. Der auswandernden Masse steht eine Handvoll innovativer Rückkehrer gegenüber, die in der unbekannten Heimat das unternehmerische Abenteuer suchen.
Kaukasischer Käfigtiger
Nach der Unabhängigkeit hat Armenien ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum erlebt. 2008 kam es zu einem Ende: Der Motor der euphorisch als «Tiger» bezeichneten Ökonomie stottert heute stark. Ob ein neuer Durchbruch möglich ist, entscheiden die Bürger.
Der Oligarchenlehrling
Der Schriftsteller Michael Stauffer macht sich Sorgen um die hiesige Wirtschaft – und seine Zukunft darin. Zur Weiterbildung ist er im Januar nach Jerewan gefahren, um eine Umschulung zum Oligarchen zu prüfen. Ein Erlebnisbericht.
Aktuelle Debatten
Zurück in die Steinzeit!
Arthur De Vany hält Fleischverzicht und intensives Joggen für unnötig. Der Amerikaner erklärt im Interview, warum wir von Überlebenskünstlern abstammen, wieso Profiläufer schnell altern – und was wir mit Laborratten gemeinsam haben.
Unter die Ratschläger gekommen
Heute haben hierzulande nicht nur alle genug zu essen, sie können sich ihren Speisezettel auch nach eigenem Gusto zusammenstellen. Genuss pur! Das passt indes nicht allen: paternalistische Ernährungsexperten werden rabiat und wollen uns den Genuss dieser Freiheit verderben.
Ramadan für Atheisten
Udo Pollmer findet, dass man den Menschen nicht zu einer asketischen Ernährungsweise zwingen soll. Sein Einsatz ist löblich – aber einseitig. Denn Pollmer vergisst zu erwähnen, dass der freiwillige Verzicht auf bestimmte Genüsse, sei es auf Würste, Pizza oder Schnaps, durchaus gute Gründe haben kann – und zwar weit über die Gesundheit
Die Asse von morgen
Kostenexplosion im Asylwesen? Die Debatte geht an den wichtigen Fragen vorbei. Was ist mit den Wirtschaftsflüchtlingen? Wie hoch ist deren Potential?
Bares ohne Ende
Bargeld muss bleiben: Warum der bundesrätliche Vorstoss zu seiner Abschaffung daneben ist.
Das bessere Recht der Anarchie
Ohne Recht keine Freiheit. Und ohne Staat kein Recht. So denken die Liberalen. Doch sie irren. Plädoyer für eine anarchistische Ordnung der Gesellschaft.
Anarchie ist auch keine Lösung
Wir leben mit der liberalen Demokratie wohl kaum in der besten aller möglichen politischen Welten. Welche Alternativen zu den bestehenden Staatsmodellen haben wir? Das anarchistische Gedankenexperiment ist verführerisch, doch der Minimalstaat ist ihm nicht nur in der Praxis überlegen.
Die Wirtschaftsform des Gebens
Christliche Sozialethiker haben es einst gewusst: der Kapitalismus ist sozial. Ein Einwurf aus katholisch-liberaler Sicht.
Weitere Beiträge
Editorial
Der Lauf der Welt hält sich nicht an den Plan der Magazinmacher. Ein eigenes Opus ist diese meine letzte Ausgabe, die ich dirigiere, allemal. Aber wir haben aus relevant-aktuellem Anlass im letzten Moment nochmals umgestellt, zu Ihrem Mehrwert, davon sind wir überzeugt: mehr von Niall Ferguson, Judith Butler und
Making of 1032
Trink dich Besser! Nasenbluten: Sarah Pines muss unseren Termin kurzfristig absagen – «Nachwirkungen des Flugs, vielleicht Stress?», mutmasst sie, hörbar mitgenommen, am Handy. Erst vor wenigen Stunden ist sie aus San Francisco gelandet. Geklappt hat es dann doch mit Kaffee und Photoshoot. Die Autorin mit deutschen Wurzeln lebt nun schon lange
Zivilisation und Verachtung
Frankreich hat die Terrorattacken der kriminellen Vereinigung mit Staatsanspruch in Irak und Syrien (ISIS) in Paris als kriegerischen Akt bezeichnet – und befindet sich nun offiziell im Krieg mit dem selbsternannten Kalifat. Nach französischer Lesart der UN-Charta, die sich auf die neue amerikanische Interpretation nach 9/11 stützt, schliesst die
Intellektuelle Schwerathletik
Am Anfang stand eine kleine, aber nachwirkende Demütigung. Als wir vor einiger Zeit zu zweit für ein Interview mit Didier Sornette in dessen Büro antrabten, roch es streng, als hätte eben jemand Sport getrieben. Den Kraftgeräten, die im Büro herumstanden, schenkten wir zunächst keine Aufmerksamkeit. Sornette, adrett gekleidet in Hemd
The Next Big Thing?
Europäische Amerikaerklärer richten ihr Augenmerk gerne auf die amerikanische Westküste: Wie aber begreift, erzählt und versteht man das Silicon Valley – heute und morgen?
Download läuft
Google, Facebook und andere Unternehmen des Silicon Valley befinden sich nicht im kreativen Winterschlaf, wie man derzeit meinen könnte. Vielmehr sind sie dabei, mehr als (nur) Firmen zu werden: Sie entwickeln sich zu gigantischen Machtzentren.
Revolution am Esstisch
Vom simplen Telephonieren über das luxuriöse Taxifahren bis zum «Perfect Match» beim Dating – überall haben Firmen des Silicon Valley ihre Finger drin. Im Guten wie im Schlechten. Nun revolutionieren die Nerds sogar unseren Speiseplan. Ihr Ziel: nicht weniger als die Rettung der Welt.
Nacht des Monats mit Levon Malkhasyan
Levon Malkhasyan ist Jazzmusiker. Sein Arbeitstag beginnt um 22 Uhr.