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Der Irrglaube von DEI

Toleranz lässt sich nicht verordnen. Wenn Regierungen Vielfalt und Inklusion per Dekret erzwingen, erzeugen sie genau jene Gegenreaktion, die sie eigentlich verhindern wollten. Die bessere Antwort ist Überzeugungsarbeit.

Trans-Aktivistinnen und -Aktivisten demonstrieren für die Rechte von Transmenschen. Bild: Wikimedia Commons.
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Ein Teil der populistischen Gegenreaktion auf die etablierte Politik in vielen Ländern richtet sich gegen die Toleranz gegenüber Andersartigkeit. Erinnern Sie sich noch daran, wie Jair Bolsonaro sagte, er hätte lieber einen toten als einen schwulen Sohn?

Inzwischen scheint die Partei Donald Trumps eingesehen zu haben, dass sie nicht mehr gegen Schwule vorgehen kann. Es gibt schlicht zu viele von ihnen – und ohnehin hat sich die Mehrheit der Amerikaner für Toleranz entschieden. Schliesslich begannen die Amerikaner zu sagen: «Ich habe einen schwulen Cousin, und er ist auch in Ordnung.»

Um dennoch einen Feind zu haben, mit dem sich die Menschen einschüchtern lassen, haben sich die konservativen Populisten in den USA den Transfrauen zugewandt. So hat Trump alle Transfrauen aus dem Militär entlassen, unabhängig davon, ob sie über wertvolle Fähigkeiten verfügten oder nicht.

«Wenn es gelingt, die Menschen vor «dem Anderen» in Angst zu halten, lassen sie einen mit jeder noch so weitreichenden polizeistaatlichen Willkür davonkommen.»

Das ist eine alte, abgegriffene Masche aus dem Handbuch autoritärer Machtpolitik. Wenn es gelingt, die Menschen vor «dem Anderen» in Angst zu halten, lassen sie einen mit jeder noch so weitreichenden polizeistaatlichen Willkür davonkommen.

Seien Sie also auf der Hut. Schon morgen könnten Sie der nächste «Andere» sein.

Toleranz aus Eigennutz

Das ist gewissermassen das rein egoistische Argument für Toleranz. Ich selbst hätte früher nie gedacht, dass ich als Transfrau einmal gefährdet sein könnte.

«Das tiefere Argument gegen Intoleranz lautet, dass sie moralisch verwerflich ist. Es ist schlicht falsch, Menschen zu hassen.»

Ein weiteres liberales Argument gegen Intoleranz reicht über das Schicksal des Einzelnen hinaus. Historisch betrachtet hat Intoleranz auch der Gesellschaft als Ganzes immer geschadet. Intolerante Gesellschaften sind auf vielerlei Weise erfolglos. Sie bringen schlechte Kunst und schlechte Geschäfte hervor. Und sie beginnen, einander umzubringen.

Doch das tiefere Argument gegen Intoleranz lautet, dass sie moralisch verwerflich ist. Es ist schlicht falsch, Menschen zu hassen. Natürlich versuchen die Autoritären, den Menschen diesen Hass als pure Notwehr zu verkaufen. Die Anderen seien gefährlich, entweder für einen persönlich, etwa Einwanderer, die einem den Arbeitsplatz wegnähmen; oder gesellschaftlich, etwa queere Menschen, die angeblich die Jugend verderben. Man sollte ja auch Hexen hassen, weil sie Schafe töten könnten – oder zumindest, weil ihre Duldung den Zorn Gottes heraufbeschwören würde.

Überzeugen statt verordnen

Was also tun gegen die Plage der Intoleranz? Die liberale Antwort lautet: Kolumnen schreiben. In den vergangenen zehn Jahren haben Werbeanzeigen ganz selbstverständlich Paare unterschiedlicher Hautfarbe gezeigt. Filme haben unseren Horizont der Toleranz erweitert.

Die Etatisten hingegen, die keine Liberalen sind, wollen Toleranz mit den Mitteln staatlichen Zwangs durchsetzen. Viele, sehr viele Politiker des linken Establishments haben das, was wir in den USA unter dem Kürzel DEI zusammenfassen (Diversity, Equity, Inclusion – Vielfalt, Gleichstellung, Inklusion), in starre Gesetze gegossen. Wenn Sie ein beleidigender Komiker sind, landen Sie im Gefängnis. Wenn Sie sich über Transfrauen lustig machen, landen Sie im Gefängnis. Gefängnis, Gefängnis, Gefängnis. Das ist die Denkweise des Juristen: Etwas ist schlecht? Dann erlassen wir ein Gesetz. Aufklärungsarbeit und Überzeugung? Das wird schlicht ignoriert.

Nun beginnt zwar mein Vorname zufällig mit DEI, also ... Aber Spass beiseite: Ich befürworte alle drei Anliegen mit Nachdruck. Vielfalt führt zu bereichernden Ideen, die rechtliche Gleichstellung hat uns seit 1800 enorm vorangebracht, und die Einbeziehung weiterer Menschen hat unsere materielle wie geistige Lage erheblich verbessert. Die Einwanderung zu fördern, die Sklaverei abzuschaffen und Frauen die gleichen Rechte wie Männern zuzugestehen, hat uns zu besseren Menschen gemacht.

Doch die Verwandlung von DEI in Gesetzesform hat die populistische Gegenreaktion und deren Gefängnisse erst befeuert.

Treten wir daher besser einen Schritt zurück. Überzeugen wir die Menschen.

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