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Kolumne

Mensch, menschlicher, Unmensch

Der Mensch steht im Mittelpunkt und darf damit als grösstes Hindernis für klare Sicht betrachtet werden. Er ist nicht nur in aller Munde, jedenfalls der Politiker, er verursacht auch Gedrängel, weil seine Vertreter ihn unermüdlich abholen und in den Arm nehmen wollen. Wo vom Menschen die Rede ist, gebe man

Von Fischern, Fischen und Ködern

Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Werbetreibende an unserer kleinen Strasse wohnen. Aber es müssen viele sein. Denn nur für sie kann die Botschaft bestimmt sein, die uns von der Hausfassade der Dorfbeiz im Riesenformat herunter zuruft: «Sorry, Venus, Brands fahren auf unsere Plakate, nicht auf Kurven ab.» Wie

…des Wohlstandes

Die Schweiz lobt ihre Innovationskraft und rühmt sich als Insel der Glückseligen mit «freiem Unternehmertum» und «breit abgestützter» Wirtschaftskraft. Grund zum Feiern und Schulterklopfen? Wir denken nein: Seit einiger Zeit sind nämlich auch wir mit einer schleichenden Erosion der frei verfügbaren Mittel konfrontiert. Ein Angriff auf unser individuelles und kollektives

Küchenkompromiss

Kennen Sie das Harvard-Verhandlungsmodell? Nicht? Sollten Sie aber. Denn es stellt nicht nur ein kommodes Diplomatenwerkzeug dar, sondern ist auch für jeden Streit am Küchentisch ein unerlässliches Utensil. Schnitt, und Auftritt Klischeepaar. Sie: «Schatz, kommst du am Sonntag mit zu meinen Eltern?» Er: «Kann nicht, der FC Zürich spielt

Wozu eigentlich Ökonomen?

Das wissen viele Ökonomen selbst nicht so genau. Ich sage es immer wieder gern: Die Rolle eines Ökonomen ist bestimmt nicht, das BIP zu vergrössern, sondern – schon eher – die Fallhöhe von Konjunkturzyklen zu verkleinern. Das bedeutet: das BIP muss während prosperierender Jahre künstlich verkleinert werden, um Ressourcen zur Erholung zu

François und die Turteltauben

Was wäre, wenn François Hollande Schweizer wäre? Einfach: die Auserwählte, mit der er wilde Nächte geniesst, hiesse nicht Julie Gayet, sondern etwa Barbara Moser. Und die Filme, in denen sie mitspielte, hätten nicht so verführerische Titel wie «Un baiser s’il vous plaît», sondern vielleicht «Missen-Massaker». Hollande müsste sich

Buhmann oder Vorbild?

Anlässlich eines Referats Ende des letzten Jahres wollte eine Zuhörerin von mir wissen, warum ich überhaupt noch den Begriff «Manager» verwende, da dieser doch heute mit negativen Vorzeichen belegt sei. Und ja, die Frau hat recht. Ich kann es ihr nicht verargen, wenn sie mich an einzelne Topmanager, insbesondere aus

Der Papst, Schumpeter und die Spitze des Wortes

Seit September bin ich Kolumnist der «NZZ am Sonntag», und vergangenen Dezember habe ich mir in meiner Kolumne den ersten offiziellen Text des neuen Papstes – ein apostolisches Schreiben mit dem Titel «Evangelium gaudii» – vorgeknöpft. Ich wollte wissen, ob das Bild des katholischen Reformators, das Franziskus in öffentlichen Auftritten gerne pflegt,

Drogen gegen die Verblödung

Viele Menschen sind süchtig. Nach Essen, Drogen, Sport, Fern-sehen oder sogar nach dem Internet. Wenn sie ihre Sucht befriedigen, erleben die Betroffenen ein High-Gefühl, das sie für einen Moment von den 50 000 anderen Gedanken (geschätzt von der Stiftung National Science) befreit, die ihnen am Tag durch den

Der Schlüssel an der Kirchentür

An der geschlossenen Kirchentür der kleinen Dorfkirche, in der ich hin und wieder als Hilfsorganist amte, hängt der Schlüssel. Na und, werden Sie sagen. Das ist doch nichts Besonderes. Zu einem Schloss gehört ein Schlüssel, oder etwa nicht? Wohl wahr. Nur ist der Schlüssel zu einem Schloss in der Regel

Empfindungen der Freiheit I

Manchmal kitzelt es ihn an der Ferse, dort, wo ein kühler Luftzug an die alte Freiheit erinnert. Die meiste Zeit sitzt er im Verschlag seiner Wohnung, eilt morgens zur Arbeit, vertilgt manierlich seine Rationen und äfft seine Artgenossen nach. Unter dem Joch der Zivilisation hat er früh gelernt, sich unauf-

…des Leben-und-Sterben-Lassens

Wir gefallen uns in unverbindlicher Toleranz für eigenwillige Lebensentwürfe. Wer andere nicht schädigt oder stört, kann tun und lassen, was er bzw. sie will. Was aber, wenn man/frau gar nicht mehr will? Lassen wir ebenso frei sterben wie leben? Der Rückzug auf die ureigenen Bedürfnisse, bis hin zur freien

Von unfreien Freiern

Den Freiern in Europa weht vom Norden her ein garstiger Wind entgegen. Schweden büsst sie seit 1999, und Norwegen, Finnland und Island haben ähnliche Gesetze erlassen. Nun wird in Deutschland und Frankreich über ein Prostitutionsverbot debattiert, und auch hierzulande haben jüngst 43 Parlamentarier das Postulat der EVP-Nationalrätin Marianne Streiff-