Ausgabe 941 - Juli 2005
Dienstleistung Kunst: Werke von Com & Com
In dieser Ausgabe
Dossier
(9) Die Enteignung der Kultur
Wo Kunsthandel zum Termingeschäft verkommt, läuft letztlich auch die Kunst Gefahr, ihre Stetigkeit als Institution zu verlieren. Der Autor beschreibt eine ungute Entwicklung, deren Ursachen er nicht etwa im Kapitalismus, wohl aber in Auswüchsen neoliberalen Wirtschaftens festmacht.
(8) Staat, Markt und Kultur
In der kulturpolitischen Debatte geht es um die Fähigkeit des Staates, Kultur zu fördern. Staatsgläubige und Marktgläubige stehen sich dogmatisch gegenüber. Doch Kultur ist ihrem Wesen nach näher beim freien Austausch als beim staatlichen Zwang.
(7) Ode, schöner Götterfunken
Beethovens «Ode an die Freude» aus der Neunten Symphonie hat eine bewegte Geschichte: 1936 bei Olympischen Spielen aufgeführt, 1972 zur Europahymne erklärt, heute in Film, Werbung und Popmusik präsent. Das Werk wurde vielfach politisch und kulturell vereinnahmt.
(6) Nicht immer das alte Lied
Dem Wechsel der Machthaber und Ideologien in Russland, vom Zarenreich bis heute, folgte oftmals ein Wechsel der Musik und der Lieder. Oft blieben die Melodien, die Texte hingegen wurden neu gedichtet.
(5) Zur Abwehr von Junkies und zur Ermunterung von Shoppern
Jahraus, jahrein scheint die Hintergrundmusik in Kaufhäusern, U-Bahnhöfen und Restaurants dieselbe zu sein. Undramatisch, weder leise noch laut, ohne Höhepunkte. Dennoch aber nervtötend und lästig. Eindrücke zum Unternehmen, das dahintersteht.
(4) Musik als Dienstleistung?
Im Kontext internationaler Organisationen und Regelwerke wird das Produzieren und Reproduzieren von Musik neuerdings als «Dienstleistung» bezeichnet. Das Nachdenken über die sprachliche Ökonomisierung auch dieses Lebensbereichs mündet in eine Reflexion über die schwierige Kunst, selber hinzuhören.
(3) Kunsterziehung für das Humankapital
Albert Barnes, amerikanischer Unternehmer, gründete 1922 die Barnes Foundation. Er kaufte Kunstwerke, um seine Mitarbeiter zum Weltbürgertum zu erziehen und ihnen analytisches Betrachten beizubringen. Dies sollte Toleranz fördern und ihnen helfen, mit Rassenkonflikten besser umzugehen.
(2) Kunst als Schmuck hat ausgedient
Grossunternehmen kaufen grosse Kunst? Diese Regel gilt nicht mehr. Unternehmen investieren in zeitgenössische Kunst nur, wenn sie zur Wertschöpfung beiträgt – für Innovationsmanagement, Corporate Identity, Raumentwicklung und Werbung.
(1) L’art pour le service
Die Moderne ist nicht nur die Epoche, in der die Ökonomisierung mehr als je zuvor die Kunst ergriffen hat. Gleichzeitig ist für sie auch die Idee kennzeichnend, Kunst und Autonomie gehörten zusammen. Ein Rückblick in die Geschichte, als die Kunst sich für den Nutzen noch nicht zu schade war.
(0) Dienstleistung Kunst
«Was, der Kerl schreibt für Geld?». Mit diesem entsetzten Ruf soll Beethoven einen Roman seines Zeitgenossen Walter Scott in die Ecke geschleudert haben. Es scheint für die Schriftstellerei ebenso wie für die Musik oder die Malerei zu gelten: Geld verdunkelt das Strahlen der Kunst. Wird mit dieser doch gerne die
Aktuelle Debatten
Vor einer Neuausrichtung in Europa
Das «Nein» zum Verfassungsvertrag in Frankreich und in den Niederlanden ist als Warnschuss vor den Bug der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten zu interpretieren. In dieser Situation darf der alte Kontinent nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.
Lehren aus der Intifada
Die Zweite Intifada ist faktisch zu Ende. Nachhutgefechte wird es weiter geben, Blut wird weiter fliessen. Der Autor versucht ein erstes militär- und nahosthistorisches Fazit, in dem er seine Meinung darlegt, dass die Strategie asymmetrischer Kriegführung für die Palästinenser nicht aufgegangen ist.
Architektur am Bau
Alles ist Dienstleistung! Genauer: alles soll als Dienstleistung ausgewiesen werden. Nicht nur der Postbote, der im Dienste und im Dienstanzug alltäglich die Post abliefert, erbringt eine Dienstleistung. Auch Lehrer und Professoren tun es. Wer möchte da noch an die altmodischen Aufgaben von «Bilden» und «Erziehen» denken! Es reichen nicht länger
Weitere Beiträge
Editorial
Dienst, Leistung und dann noch Kunst? Dient, wer etwas leistet? Leistet, wer dient? Vor allem: leistet die Kunst noch etwas, wenn sie dient? Kann im Zusammenhang mit Kunst überhaupt von einer «Dienstleistung» gesprochen werden, ohne die Kunst zu kompromittieren? «Dienstleistung Kunst». Leistung im Zusammenhang mit Kunst, das mag man noch
Vocabulaire européen des philosophies. Dictionnaire des intraduisibles
Eines der dringlichsten und wohl schwierigsten Probleme Europas ist und bleibt die Sprachenfrage. Es bestehen dazu grundsätzlich zwei Lösungsansätze. Entweder man einigt sich auf eine dominante Sprache – ein globalisiertes Anglo-Amerikanisch –, derer sich jedermann als die eine Verkehrssprache bedient, oder man entwickelt eine Vorstellung von Mehrsprachigkeit, in der die Unterschiede
Paul Driessen, Eco-Imperialism
Der provokativ anmutende Titel deutet auf einen brisanten Beitrag zu einem brisanten Thema hin. Und Paul Driessen bricht mit diesem Buch in der Tat ein modernes Tabu. Auf der Grundlage einer detaillierten Analyse der Aktivitäten und Motivationen aktivistischer Umweltorganisationen stellt er ihre Rolle als selbsternannte Vertreter der internationalen öffentlichen Meinung
Wolfgang Schivelbusch. Entfernte Verwandtschaft: Faschismus, Nationalsozialismus, New Deal 1933–1939
Mangelnde Courage wird man Wolfgang Schivelbusch nicht vorwerfen können. Wenn er in seinem Band «Entfernte Verwandtschaft» Beziehungen zwischen Faschismus, Nationalsozialismus sowie dem New Deal und damit natürlich auch zwischen den Führungsfiguren Benito Mussolini, Adolf Hitler und Franklin D. Roosevelt aufzeigt, dann begibt er sich nicht eben in ruhige Gewässer. Vielmehr
Ein Auge zugedrückt
«Ich beginne damit, etwas nicht zu photographieren», sagt der kanadische Photograph Jeff Wall (*1946). Sein Interesse gelte dem, was man nicht sehe. So sind seine Bilder Erinnerungsphotos. Er stellt nach, was sich in seinem Kopf festgesetzt hat, sei es eine Alltagsszene oder ein künstlerisches Werk, wie ein Film oder ein
«vorübergehend gleichberechtigt»
Die Rechtschreibreform verunsicherte Verlage erheblich. Michael Klett, Verleger von Klett-Cotta und Ernst Klett, erzählt von seiner Liebe zur Sprache und möglichen Lösungen für die deutsche Sprachverwirrung. Stefan Stirnemann führte das Gespräch.
Schweiz in Sicht
Der Grazer Dichter Alfred Kolleritsch ist, man mag das bedauern oder nicht, als Herausgeber der seit 1960 bestehenden Literaturzeitschrift «manuskripte» wahrscheinlich bekannter denn als hochsensibler Lyriker und eleganter Stilist. Die Literaturfehden und politisch-intellektuellen Erregungen der frühen Jahre, auf die die Zeitschrift selber mehrfach zurückgeblickt hat (zuletzt zu ihrem 40.
Zur Freiheit verurteilt
Zum 100. Geburtstag des Philosophen, Schriftstellers und Aktivisten Jean-Paul Sartre
Von der Mutter- zur Stiefmuttersprache
Mit der St. Galler Lyrikerin Dragica Rajcic stellen wir in der vierten Folge des Fokus «Chamisso-Preis» eine weitere, in der Schweiz lebende Preisträgerin der seit 1985 jährlich vergebenen Auszeichnung vor.
Ohne Titel
Ohne Titel Nach den schönsten wörtern kammen die andere aus dem hinterhalt nicht zu halten einfach wäre es allemal zu schreiben es darf nicht sein. Laufenburg Wir werden alt und leise oder wenigstens nicht alt oder werden wieder am selben wort ins Rhein abstürzen du hättest mich warnen sollen wird
Das Sklavenschiff
Nicht ohne Zynismus zeigt Heinrich Heine in seinem Gedicht, wie veranstaltete Musik zum Zwecke der Profitmaximierung instrumentalisiert werden kann.