Immer wieder erleben wir in der Schweiz Staatsbesuche irgendeines Präsidenten oder Monarchen. Es erstaunt dabei regelmässig, wie offen der Stolz zur Schau getragen wird, wenn mal jemand Wichtiges zu Besuch ist – obwohl Personenkult dem Schweizer Naturell widerspricht. Wenn nun ein Bundesrat mit dem Staatsgast eine Ehrenformation von Soldaten abschreitet, ist das überholt, wenn nicht sogar lächerlich. Ganz besonders peinlich ist es, wenn dies eine Bundesrätin tun muss, weil sie normalerweise keinen Militärdienst geleistet hat. Vor allem entspricht ein solches Theater ganz und gar nicht dem Bild unseres Landes, das wir nach aussen vermitteln wollen. Die Schweiz ist zu Recht stolz auf ihre humanitäre Tradition, auf karitative Organisationen wie das Rote Kreuz und legt heute zum Glück keinen Wert mehr auf militärische Prachtentfaltung. Ebenfalls ist die Schweiz in vielen wissenschaftlichen Bereichen führend. Einzigartig ist auch ihr duales Ausbildungssystem mit gleichzeitiger praktischer Tätigkeit und Schulung. Schliesslich kann die Schweiz auch stolz auf die direkte Mitbestimmung der Bürgerinnen und Bürger zu Sachfragen sein. Das alles könnte Staatsbesuchern vermittelt werden, indem sie nicht eine Ehrengarde abschreiten, sondern humanitär tätige Freiwillige, Lehrlinge, Wissenschafter oder Gemeindepolitiker treffen und mit diesen lebendige Gespräche führen. Aber liegt das Abschreiten einer Ehrengarde von Soldaten nicht in diplomatischer Tradition? Mag sein. Doch: Auch Traditionen sind gelegentlich überholt. Ist das der Fall, sollten sie aufgelöst und durch etwas Besseres ersetzt werden. Sicherlich wird ein vernünftiger Staatsgast gerne auf diese Maskerade verzichten und lieber ein Gespräch mit Einwohnern des Landes führen. Besteht er oder sie hingegen auf militärischen Ehrenformationen, versteht der Gast wenig von unserem Land und ist deshalb für die Schweiz auch ohne viel Nutzen, weshalb auf seinen Besuch durchaus verzichtet werden kann.
Lächerliche Staatsbesuche
Auf militärische Prachtentfaltung kann verzichtet werden.
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