Ausgabe 971 - August 2009
Sind Sie urban? Stadtleben heute
In dieser Ausgabe
Dossier
(6) Die Unterwelt ist die Oberwelt
Ein Bedürfnis, ein Angebot, ein Abwägen von Kosten und Nutzen. Dann die Entscheidung. Auch in der Unterwelt reagiert der Markt. Und auch hier sind Vorhersagen nicht möglich. Ein Exposé und eine wahre Geschichte.
(5) Urbane Umwertung der Werte
Sicherheit regiert die Stadt. Sie zieht sich durch die unterschiedlichsten Räume und Massstäbe – bis in die geheimsten Winkel des Subjekts.
(4) Wenn die kreativen Klassen kommen
Städtebauer planen. Die Bewohner hingegen handeln. Chaotisch. Das ist gut so. Denn so bleiben unsere Städte aufregend.
(3) Die Stadt ist alles, was der Abfall ist
Weg damit? Recyling? Abfall-Assemblagen? Sag mir, wie du mit deinen Abfällen umgehst, und ich sage dir, wer du bist. Eine Tour durch den Müll, von der Mongolei bis zur Zürcher Josefstrasse, vom 13. Jahrhundert bis heute.
(2) Was eigentlich ist Urbanität?
Je globaler die Welt, desto wichtiger die Städte. Die Metropolen des 21. Jahrhundert sind die zeitgenössischen Kultorte, die unsere Lebenswelt neu verzaubern. Wir brauchen deshalb mehr Kommerz – und mehr Monumentalität.
(1) Du lässt mich in Ruhe und ich dich
Die Stadt ist der Ort des Individualismus. Der Ort der Minderheiten. Der Anonymität. Und der Unruhe. Das urbane Leben hat seinen Preis. Ist es ihn auch wert? Austausch zwischen einem Landei und einem Städter.
(0) Auftakt
«Urbanität». Das Schlagwort suggeriert «Weltläufigkeit», «Modernität», «Aufgeschlossenheit». Wer sich als «urban» bezeichnet, sieht sich als «gebildet», «kreativ», «unabhängig». Vom hochnäsigen und dünkelhaften «Städter» – dem Schimpfwort von einst – ist wenig übriggeblieben. Kulturkritik, die in der Stadt das Dunkle und Verruchte ausmacht, ist passée. Die Menschen zieht es wieder in die urbanen
Aktuelle Debatten
Wie legitim ist das Völkerrecht?
Debatte (II) Erwiderung auf das staaspolitische Gutachten von Robert Nef
Wir alle sind arm
Wer von Statistikern offiziell für arm erklärt wird, ist nicht unbedingt arm. Klingt paradox, ist es aber nicht. Unsere politisierte Armutsforschung macht es möglich.
Calvin und die Freiheit
Über den Genfer Reformator Johannes Calvin kursieren 500 Jahre nach dessen Geburt viele Gerüchte. Zwei von ihnen werden hier mit Originalzitaten ad absurdum geführt. Definitiv. Hoffentlich.
Strategie ade
Was haben helvetische Politik und helvetische Wirtschaft gemeinsam? Genau – die neue Kurzsichtigkeit.
Die schrittweise Entmündigung der Eltern
Unsere Landesregierung plant die vorsorgliche Unterstellung aller Eltern unter Staatsaufsicht. Sie soll bis ins Detail reglementieren, wem Kinder zur Betreuung anvertraut werden dürfen.
Der New Deal liegt in Scherben
Er ist das Losungswort der Stunde. Und das Schlagwort, das heute staatliche Interventionen rechtfertigt: «New Deal». Aber waren die Massnahmen der 1930er Jahre in den USA wirklich ein Erfolg? Ein Blick in die historische Forschung.
Weitere Beiträge
Das Quadrat soll ein Kreis werden
Der Sozialismus hat Schriftsteller mit einem sozialen Gewissen in vielerlei Konflikte geworfen, ohne dass sein Scheitern sie von ihnen befreit hätte. Literatur den Zielen einer idealen Gesellschaft zu unterstellen, so die Erfahrung, führt zu einem Desaster. Literatur sich selbst zu überlassen, schützt aber ebensowenig vor politischer Vereinnahmung durch Dritte. Furtwängler
Tischheit und Becherheit sah er nicht
Kurt Steinmann (Hrsg): «Das Leben des Diogenes von Sinope erzählt von Diogenes Laertios». Zürich: Diogenes, 2009.
Religiöses Ethos und Geist des modernen Kapitalismus
Georg Pfleiderer, Alexander Heit (Hrsg.): «Wirtschaft und Wertekultur(en). Zur Aktualität von Max Webers ‹Protestantischer Ethik›». Zürich: TVZ, 2008
Gizgnäpper, Hüürebeiss, okee
Den Anlass zu den 83 alphabetisch sortierten «Wortgeschichten», die der aus dem Schweizer Radio bekannte Redaktor Christian Schmid auf gut 200 Textseiten erzählt, gaben Anfragen seiner Hörer. Da in vielen Wortgeschichten – die Stichwörter sind meist Substantive und Adjektive, selten Verben – auch auf Ableitungen, Zusammensetzungen, Synonyme oder etymologisch Verwandtes eingegangen wird,
Reisen statt orgeln
Seit vier Jahrzehnten hat Gerold Späth sich mit Romanen, Erzählungen, Bühnenstücken und Hörspielen einen Namen gemacht. Beinahe unbemerkt sind nebenbei in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren Reisereportagen für die «Neue Zürcher Zeitung» entstanden, die nun unter dem Titel «Mich lockte die Welt» gesammelt nachzulesen sind. Gleich zu Beginn
Eloge auf die Nichtprovinz
Wer beim Stichwort «St. Gallen» lediglich «ewiggestrig» und «provinziell» denkt, ist selber ewiggestrig und provinziell. St. Gallen hat zum Beispiel eine lebendige Literaturszene, einer ihrer Verkehrsknotenpunkte war bis vor kurzem die Syrano-Bar, wo Florian Vetsch Schriftsteller aus aller Welt zum Stelldichein lud. Vetsch ist selber eine Art Relais, wo
Statt Äplermakronen Rösti aus der Packung
Es ist schön in den Bergen, schwärmen die Touristen, die in roten Socken an der Alphütte vorbeiwandern und den Senn davor mit ihrer Kamera fotografieren. Im Brunnen waschen sie ihre Schuhe und denken nicht daran, dass dieser Brunnen den Bewohnern der Alp mehr ist als blosse Dekoration. Vier Männer teilen
Klaus Merz 1/2 Gespräch
Werkgespräche // Eine Stafette: Wie entsteht ein Buch? Schriftsteller erzählen über ihr Schreiben und stellen Textauszüge vor, an denen sie arbeiten. Diese Ausgabe führt die Gespräche mit Klaus Merz fort. Er gibt das Staffelholz an Friederike Kretzen weiter.
Schweizer Autoren in Kurzkritik XVIII
8 Bücher, vorgestellt in der achtzehnten Folge der «Schweizer Autoren in Kurzkritik». Fortsetzung folgt.
Was heisst denn hier Freiheit?
Eine Antwort aus dem Stegreif von Susanne Boshammer «Sie hätte gelehrt werden müssen, die Sterne zu beobachten und wissenschaftlich zu argumentieren. Ihr Verstand war wirr vor Einsamkeit und Freiheit.» (Zitiert aus «A Room of One’s Own» (1929))
Fredmund Malik im Gespräch
Unternehmensberater Fredmund Malik kritisiert, dass 99 Prozent der Managementtheorien Irrlehren sind. Ihre naive Anwendung habe zum gegenwärtigen Unheil beigetragen. Der Unternehmer plädiert für eine neue Sicht auf Unternehmertum und echten Liberalismus.
Interview Teil 4: Die ideale Welt
Wie er zum Autor wurde und worauf er beim Schreiben Wert legt — das erzählt Anthony de Jasay im letzten Teil unserer Interview-Reihe.
Editorial
Die Stadt. Für die einen ist sie ein Graus, Inbegriff des Dunklen, des «Abstraktwerdens des Lebens», wie Robert Musil schreibt. Für die anderen hingegen das Versprechen der Selbstbestimmung: Arbeitsstätte, Wohnort, Vergnügungsparadies, kreativer Lebensraum. Lesen Sie im Dossier ab S. 19 mehr zur ungebrochenen Faszination der Stadt im 21. Jahrhundert. «Machen