Ausgabe 964 - Oktober 2008
Spitzen, Frauen, Freiheit
In dieser Ausgabe
Dossier
(6) Auch in Spitzen zu Haus keine Lust
Und was, wenn die Frau und die Dessous zu Hause bleiben? Dann gehen Freiheit und Lust verloren!
(5) In Spitzencorsage auf die Bühne
Wer Spitzen zeigt, kann Massen verführen: wie Madonna in Spitzen zur Jungfrau wurde und damit die Mode einer Generation bestimmte.
(4) Ein Spitzenhemd für ein Dadareich
Ob zum Geldverdienen oder zum Zeitvertreib, Generationen von Frauen klöppelten in ihren privaten Räumen Spitzen. Doch die Spitze bleibt nicht zu Haus: wie die Künstlerin Hannah Höch sie in den Kosmos des Dada einführte.
(3) Das Persönliche ist auch das Politische
«Das Private ist politisch», forderte die Frauenbe- wegung. Hannah Arendt dagegen wollte das Private vor dem Politischen und das Politische vor dem Privaten schützen. Haben Diskussionen über Empfängnisverhütung und Abtreibung in der Politik etwas zu suchen?
(2) Eine Tür mit Schloss
Die Welt muss draussen bleiben. Wer kreativ sein will, muss den Schlüssel umdrehen und sich in die Einsamkeit seiner privaten Räume zurückziehen können. «A Room of One’s Own» – er ist noch immer nicht leicht durchzusetzen. Vor allem für Frauen.
(1) Im eigenen Zimmer mit sich allein
Wir brauchen die privaten Räume, um allein und unbeobachtet zu sein. Hier können wir die Waffen fallen lassen, hier können wir frei sein, hier können wir uns selbst finden und erfinden. Fehlt die Privatheit, geht auch die Autonomie verloren.
(0) Auftakt
Ein ruhiges Zimmer, gar ein schalldichtes Zimmer, ersehnte sich Virginia Woolf. Keine Blicke von Dritten, die den Tod der Möglichkeiten bedeuten; keine Erwartungen, die uns in Rollen zwängen; kein Netzwerk, das uns als Knoten einbindet. In den eigenen vier Wänden sind wir befreit von den Zumutungen der Öffentlichkeit. Wenn wir
Aktuelle Debatten
Das Mehrheitsprinzip und die Freiheit
Unser Mitherausgeber Robert Nef hat die Friedrich August von Hayek-Medaille erhalten. Wir gratulieren! In seiner Preisrede wirft er die Frage auf, ob Mehrheiten in modernen Demokratien frei sein wollen.
Vivisektion des Gutmenschentums
Teil II: Warum es nicht gut ist, den Reichen zu nehmen und den Armen zu geben
L’Etat, c’est moi – et toi
Ich bin hier, der Staat ist dort. Ich bin gut, der Staat ist schlecht. So einfach ist es nicht. Selbst hartgesottene Staatsskeptiker hegen eine spezielle Liebe zum Staat.
Wenn die Verantwortung schwindet…
Es stimmt schon: der Ruf nach Verboten ertönt öfter als noch vor einigen Jahren. Aber sind daran bloss die Politiker schuld? Eine Entgegnung auf Balthasar Glättli.*
Vom Privileg, das Wachstum zu kritisieren
Wenn die Wirtschaft darbt, reden alle vom Wachstum. Wächst die Wirtschaft hingegen, wächst auch die Kritik am Wachstum. Ist Wachstumskritik ein Ausdruck fortgeschritte-ner Wohlstandsverwahrlosung im Denken?
Wir müssen uns entscheiden
US-Finanzkrise: die Rede vom Marktversagen geht um. Der Blick zurück auf die Grosse Depression belehrt uns eines besseren.
Wir sind pleite
US-Finanzkrise: die Manager haben uns an den Abgrund geführt. Aber meint wirklich irgendwer, die Regierung sei fähig, die angeschlagenen Konzerne besser zu führen als die Manager?
Die EU-Zyniker
Wohin geht Europa? Das fragen sich immer mehr EU-Bürger. Und werden zu konsequent inkonsequenten Nein-Sagern.
Weitere Beiträge
Editorial
Frauen bleiben zu Hause, Männer erobern die Welt. Auch wenn das heutzutage nicht mehr in dem Masse gilt wie noch vor 50 Jahren, so ist doch die Assoziation geblieben, die das Adjektiv «weiblich» gern mit «passiv» und «privat» gruppiert, das Adjektiv «männlich» hingegen eher im semantischen Zusammenhang mit «aktiv» und
Die unsterbliche Quizfrage
Als ich jung war, und studierte, war in den Wandelhallen des Geistes folgendes Raunen zu vernehmen: «Ich bin. Aber ich habe mich nicht. Darum werden wir erst.» Das war der Bloch-Ton, der den Goethe-Ton ablöste, der bisher von einem berühmten Namen verwaltet worden war, vom Ordinarius für Germanistik,
Rosmarie Michel im Gespräch
Begonnen habe ihre Karriere mit Tellerwaschen, sagt Rosmarie Michel. Doch schon als junge Frau habe sie gewusst: ich werde Unternehmerin. Den Boden unter den Füssen verlor sie dabei nie. Suzann-Viola Renninger hat Rosmarie Michel in Zürich getroffen.
Von der Kunst, den «Grünen Heinrich» zu lesen. Folge 5
Frauenbilder 1853 schrieb Gottfried Keller an einen Freund: «Ich habe gesehen und gestaunt, wie schlecht und unfähig die Produkte anderer Leute gelesen werden.
Was heisst denn hier Freiheit?
Eine Antwort aus dem Stegreif von Vesselina Kasarova «Die ganze Welt als Heimat, dein Wille dein Gesetz! Und vor allem die berauschende Sache: die Freiheit!» (Prosper Mérimée)
Schweizer Literatur in Kurzkritik XI
Bücher, von Frauen geschrieben, und Bücher, in denen Frauen oder auch ein Mädchen im Mittelpunkt stehen. 12 Kritiken, nicht nur für Frauen, in der elften Folge der «Schweizer Literatur in Kurzkritik». Fortsetzung folgt.
In die Schelmerei mit vollem Mieder
Margrit Schriber: «Die falsche Herrin». Zürich: Nagel & Kimche, 2008. Haut wie Milch hat sie und ein volles Mieder. Beim Reden singt sie. Ihre Erscheinung lässt die Männer nicht kalt. Aber sie ist auch widerborstig, unbelehrbar, ohne Scham noch Reue. Diese Frau fällt aus der Norm. Die Muotatalerin Anna Maria
Ins Début mit 11 Geschichten
Anja Jardine: «Als der Mond vom Himmel fiel». Zürich: Kein & Aber, 2008.
Im Bilderbuch als Arbeitsloser
Lydia Zeller (Text) und Monika Maslowska (Illustration): «Suche Arbeit für Papa». Zürich: Bajazzo, 2008. Kinderbuchwelten sind magische Welten. Kreativität, Phantasie und Liebe zu Sprache und Bild sind dort zu Hause. Und so macht Kinderliteratur auch neugierig: auf die Welt der Bücher, auf die Welt in einem selbst und, nicht zuletzt,
Im Hexenkessel der Glarner Patrizier
Michael Hauser: «Der Justizmord an Anna Göldi». Zürich: Limmat, 2007. Unsere Zeit liebt Rekorde. Auch traurige. Deshalb ist Anna Göldi, die letzte Hexe Europas, das namentlich wohl bekannteste Opfer der grimmen Verfolgung, die zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert im Alten Reich und in der Schweiz allgemeinen Schrecken auslöste. Es
In die Moderne mit Denkern
Ursula Amrein: «Phantasma Moderne. Die literarische Schweiz 1880 bis 1950». Zürich: Chronos , 2007. Die Geschichte der Intellektuellen und ihrer Einflussnahme auf Politik, Gesellschaft und Kultur im 20. Jahrhundert muss noch geschrieben werden. Dass in ihr eine verheerende, eine deprimierende Bilanz zu ziehen wäre: wer wollte dies ernsthaft bezweifeln? Ursula Amrein
Ins Glück trotz dickem Hintern
Katharina Wille-Gut: «Der Name der Hose». Oberhofen: Zytglogge, 2008. Niemand, der Brian De Palmas Filmadaption von Stephen Kings Horrorklassiker «Carrie» gesehen hat, wird je vergessen, was ein geschmackloser Scherz auf einer Schulfeier in der Seele eines weiblichen Teenagers anrichten kann. Über die 14jährige Eveline ergiesst sich zwar kein Eimer
In Schwamendingen mit einer Schweizerin
Susann Sitzler: «Vorstadt Avantgarde. Details aus Zürich-Schwamendingen». Zürich: Limmat, 2007.
In Unterwäsche aus Winterthur
Peter Niederhäuser: «Unterwäsche aus Winterthur. Die Industrie- und Familiengeschichte Sawaco Achtnich.» Zürich: Chronos, 2008.
In den Kissen des deutsch-arabischen Diwans
Ilma Rakusa & Mohammed Bennis (Hrsg.): «Die Minze erblüht in der Minze. Arabische Dichtung der Gegenwart». München: Hanser, 2007.
Und immer wieder: Heidi
Hannes Binder / Peter Stamm: «Heidi. Nach einer Geschichte von Johanna Spyri.». München: Nagel & Kimche im Carl Hanser Verlag, 2008. Heidi ist eine vielbeschäftigte Powerfrau. Tagsüber steht sie sich in Schweizer Vorgärten die Beine in den Bauch, abends werden die verkrampften Waden wahlweise auf der Musicalbühne oder in japanischen Mangaclubs