Ausgabe 1102 - Dezember 2022 / Januar 2023
Was heisst hier neutral?: Was heisst hier neutral? Fabian Molina und Stephan Rietiker im Streitgespräch.
In dieser Ausgabe
Schwerpunkt
Wer Machtmissbrauch verhindern will, muss die Macht begrenzen
Der politische Prozess führt zu einem Wettstreit um staatliche Sondervorteile und damit zu einer stetigen Aufblähung des Staates. Der einzige Ausweg ist ein System ohne Sondervorteile.
«Private cities are in the zeitgeist now. I don’t think they can be stopped»
The time for voluntary opt-in societies has come, believes libertarian activist and fund manager Patri Friedman. To get radical improvement, he says, one must create new structures rather than improve existing ones.
«Ich glaube nicht, dass man Privatstädte aufhalten kann»
Die Zeit für freiwillige Opt-in-Gesellschaften sei gekommen, glaubt der libertäre Vordenker Patri Friedman. Um radikale Verbesserungen zu erzielen, müsse man neue Strukturen schaffen, statt bestehende zu verbessern.
Freier leben
Das Machtverhältnis zwischen Staat und Bürger sehen viele als gegeben an. Dabei wären auch Systeme mit weniger Politik und Herrschaft denkbar. Daran arbeiten jedenfalls schon manche Liberale und Libertäre.
Die liberale Utopie liegt vor unserer Haustür
Statt von Freiheit jenseits der Staatsgrenzen zu träumen, sollten Liberale ihre eigenen Gesellschaften freier machen. Das genossenschaftliche Staatsverständnis der Schweiz ist dafür die ideale Basis.
Dossier
Zwischen mythischer Überhöhung und Geringschätzung: Die wechselvolle Geschichte der Schweizer Neutralität
Vor 350 Jahren wählte die Eidgenossenschaft aus innen- und aussenpolitischen Gründen die Neutralität. Seither wird immer wieder über ihre Bedeutung gestritten.
Die bewaffnete Neutralität ist ein Friedensangebot
In der Schweiz wächst die Tendenz, die Neutralität durch schwammige Adjektive und durch eine Annäherung an Verteidigungsbündnisse zu relativieren. Das zeugt von Wankelmut und mangelndem Geschichtsbewusstsein.
Als die Schweiz zur integralen Neutralität zurückkehrte
1938 stimmte der Völkerbund dem Antrag der Schweiz zu, von der differentiellen zur integralen Neutralität überzugehen. Die «Schweizer Monatshefte» feierten diesen Schritt, wenn auch zurückhaltend. Ein Auszug aus dem 84jährigen Originaltext.
Neutralität gibt’s nicht à la carte
Zwischen Neutralitätsrecht und Neutralitätspolitik kann keine scharfe Trennlinie gezogen werden. Entscheidet die Schweiz von Fall zu Fall über Ausnahmen, wird sie unberechenbar.
Im neuen Kalten Krieg ist die Schweiz Konfliktpartei
Die Schweiz verhält sich im Ukrainekrieg militärisch neutral. Im grösseren strukturellen Konflikt hat sie sich jedoch von einer glaubwürdigen Neutralitätspolitik verabschiedet.
Gefährliche Nachbarn machen Allianzen attraktiver
Zwei traditionell neutrale Länder sehen die Nato sehr unterschiedlich: Während das Militärbündnis für Finnland eine attraktive Sicherheitsgarantie bietet, sehen die Schweizer das Risiko, in einen ungewollten Krieg hineingezogen zu werden.
Tauziehen um die Neutralität
Die Neutralitätsfrage ist am Scheideweg angelangt – und könnte mittels einer Volksinitiative demnächst zur Abstimmung gelangen. Das grosse Streitgespräch zwischen Pro-Schweiz-Präsident Stephan Rietiker und SP-Nationalrat Fabian Molina.
Aktuelle Debatten
Kein Ausstieg ohne Alternative
Der Abschied von fossiler Energie klappt nur, wenn die Alternativen attraktiv und bezahlbar sind. Dazu braucht es Investitionen in die Forschung und Entwicklung grüner Energien.
«Populism is driven by uncertainty about one’s economic future»
Economic historian Barry Eichengreen sees dark days ahead for Europe. A conversation about the economic challenges of today and the future of the monetary system.
«Wir bewegen uns auf eine multipolare Währungswelt mit weniger Dollardominanz zu»
Der US-amerikanische Wirtschaftshistoriker Barry Eichengreen zeichnet düstere Zukunftsaussichten für Europa. Ein Gespräch über die wirtschaftlichen Verwerfungen von heute und das multipolare Geldsystem von morgen.
Demokratische Pioniere in den Bündner Tälern
Die Volksherrschaft in Graubünden schockierte in der frühen Neuzeit europäische Denker. Hier zeigte sich, dass Demokratie kein starres Konzept ist, sondern stetig weiterentwickelt werden muss.
Die Politik ist Treiber der Inflation
Regulierungen, Verbote und Gebote verfälschen Preissignale. Auf die negativen Folgen reagieren politische Akteure mit weiteren Markteingriffen und setzen so einen Teufelskreis in Gang.
Der Solarstrom wird nicht reichen, um alle Autos zu elektrifizieren
Berechnungen zum Strombedarf des elektrifizierten Strassenverkehrs gehen oft von zu optimistischen Annahmen aus. Es ist nicht realistisch, sämtliche Fahrzeuge in der Schweiz mit Sonnenenergie zu betreiben.
Weitere Beiträge
Blattkritik über die Dezember-Ausgabe
Die Dezember-Ausgabe des «Schweizer Monat» wird von Nicole Hasler beurteilt.
Editorial
«Bitte beachten Sie, dass Twitter in den kommenden Monaten eine Menge dummer Dinge tun wird. Wir werden beibehalten, was funktioniert, und ändern, was nicht funktioniert.» Elon Musk, Tweet am 9. November 2022 Wie nur kann ein Firmenchef ankündigen, in Zukunft eine Menge dummer Dinge zu tun, werden sich viele fragen,
Wachstum für alle
Qualitatives Wachstum sei angesagt! Dem ist durchaus zuzustimmen, nur ist dies alles andere als ein neues Konzept.
«Viktimisierung ist die älteste Technik, um jemanden zu radikalisieren»
Caroline Fourest hat sich in den vergangenen 20 Jahren Themen gewidmet, denen die meisten ihrer Journalistenkollegen ausgewichen sind. Im Gespräch verteidigt sie den Laizismus gegen Islamisten.
Leere Agenda
Denn genau so fühlt es sich an, der durchgetaktete Ablauf, der in meiner Agenda steht: wie ein Korsett, das meine Bewegungsfreiheit einschränkt, manchmal so sehr, dass es mir fast den Atem nimmt.
Der Dichter des geglückten Seins
Nobelpreisträger Peter Handke will kein Conférencier des Schreibens sein, der Stoff nur aufbereitet, sondern ein Autor, der sucht und aufpasst, dass der Kopf klar bleibt. Am 6. Dezember feiert er seinen 80. Geburtstag.
Das Theater um das politische Theater
Das identitätspolitische Denken hat längst auch die Zürcher Bühnen erfasst. Die Auswirkungen sind fatal, aber erwartbar.
Effizientes Schenken
Geschenke seien meist vergeudete Liebesmüh und verschwendetes Geld, weshalb sie einen Verlust für die Gesellschaft darstellen würden.
Das Erbe der Gebrüder Pfister
Schweizerische Nationalbank (Hrsg.): Die Schweizerische Nationalbank in Zürich. Zürich: Scheidegger & Spiess, 2022.
Firmen als Spielzeuge von Politikern
Staatsunternehmen wildern in der Privatwirtschaft – und die Politik macht beide Augen zu.
Lebendiges Erinnern
Simone Müller: Bevor Erinnerung Geschichte wird. Überlebende des NS-Regimes in der Schweiz heute – 15 Porträts. Zürich: Limmat, 2022.
Zahl des Monats
16 Prozent der Schweizer Haushalte mit Kindern werden von nur einer erwachsenen Person geführt. Damit bewegt sich die Schweiz europaweit nach Zahlen von Eurostat im Mittelfeld. In Österreich sind es 9 Prozent, in Deutschland 15 Prozent und in Frankreich 20 Prozent. An der Spitze liegen Estland und Dänemark mit 29
Nacht des Monats mit Curdin Orlik
Vojin Saša Vukadinović speist mit Curdin Orlik auf dem Niesen.
The End of… Ideologie
Neulich kritisierte ein einflussreicher Kommentator im Leibblatt der britischen Konservativen, dem «Daily Telegraph», dass die konservativen Regierungen in Grossbritannien seit 2010 praktisch keine konservativen Kernideen verwirklicht hätten. Das Land habe hohe Steuern, hohe Einwanderung und dazu links-«woke» Universitäten und Medien. Gleichzeitig bemängeln viele Linke in der Stadt Zürich in