Ausgabe 1101 – November 2022
Der lange Weg zum neuen Stadion: Ancillo Canepa will den demokratischen Prozessen Beine machen.
In dieser Ausgabe
Schwerpunkt
Schlechte Politik führt zu schlechtem Geld
Das vor 50 Jahren entstandene Geldsystem ohne Deckung hat die Möglichkeiten der Politik, die Währung für ihre Zwecke einzusetzen, vergrössert. Durch die massive Verschuldung und den Inflationsschub stösst es nun an seine Grenzen.
Der Euro hängt an der Politik
Die Europäische Zentralbank schützt den Euro mit allen Mitteln. Sie bricht dafür Regeln und erleichtert so die Schuldenwirtschaft. Wie lange funktioniert dieses Rezept noch?
Der Rechtsstaat setzt auch der Nationalbank Grenzen
Die Rechenschaftspflicht der Zentralbank ist in einer Demokratie ein notwendiges Gegenstück zur Unabhängigkeit. In der Schweiz ist diese Pflicht der Nationalbank zu schwach ausgeprägt. Das Parlament muss handeln.
Die Währungsgeschichte und das Euro-Experiment im Spiegel des «Schweizer Monats»
Willy Linder, ehemaliger Leiter des Wirtschaftsressorts der NZZ September 1990 «Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die Befürchtung, die EG könnte sich über die ‹Eurofed› zu einer Inflationsgemeinschaft wandeln, mehr und mehr zu vernehmen ist.» Jürg Niehans, Professor für Nationalökonomie der Universität Bern März 1985 «Die Gegenwartsaufgabe besteht darin,
Dossier
In der Stadt wird Zukunft gemacht
Städte brachten uns die Marktwirtschaft, den Wohlstand und die bürgerliche Gesellschaft. Der technologische Wandel wirft die klassische Arbeitsteilung zwischen Zentrum und Umland jedoch gerade über den Haufen. Daher braucht die Stadt eine neue Identität.
Land der Verhinderer
Die ausgeprägte Mitbestimmungskultur in der Schweiz geht so weit, dass einzelne Bürger mit willkürlichen Einsprachen bereits legitimierte Projekte blockieren können. Es ist an der Zeit, die Verfahren zu beschleunigen.
«Windkraft sehe ich weniger in der Schweiz»
Innovative Infrastrukturprojekte werden zunehmend unter privater Eigentümerschaft gebaut. Eine klare Aufgabenteilung zwischen Staat und Privaten mache Sinn, sagt Esther Peiner, die bei der Partners Group für den Infrastrukturbau verantwortlich ist.
Die 20-Millionen-Gartenschweiz
Die Schweiz hat grosses Potenzial für weiteres Wachstum. Um die im politischen System angelegte Tendenz zum gleich verteilten Siedlungsbrei zu überwinden, braucht es neue Formen – die Linie, das Rechteck und die Wolke.
Dichte ohne Stress
Die Schweiz dürfte bis 2040 auf zehn Millionen Einwohner wachsen. Damit sie eines der lebenswertesten Länder der Welt bleibt, müssen die Weichen jetzt gestellt werden.
Dörfler mit urbanen Vorteilen
Statt über reale und eingebildete Gräben zwischen Grossstädten und Bergdörfern zu jammern, sollten wir den Föderalismus als Chance für eine vielfältige Schweiz nutzen.
Mit Zuversicht in die Ökomoderne
Infrastrukturen sollten die grundlegenden Bedürfnisse möglichst umweltgerecht befriedigen. Da Menschen in grosser Zahl nicht im Einklang mit der Natur leben können, müssen wir uns von ihr entkoppeln.
Aktuelle Debatten
How Big Companies Use Technology To Stifle Competition
Digitalization was once seen as a disruptor for the economy. However, proprietary software is now slowing innovation and productivity. We need new policies to encourage the spread of technology.
Mit Technologie gegen den Wettbewerb
Die Digitalisierung versprach einst eine Disruption der Wirtschaft. Heute jedoch bremsen Grosskonzerne mit ihrer proprietären Software Wachstum und Produktivität.
Medienliebling Berset
Eine Analyse zeigt grosse Unterschiede in der Berichterstattung über die Akteure der Coronapandemie. Bei einigen Medienhäusern scheinen Transparenz und Vielfalt zu kurz gekommen zu sein.
Die Illusion am Rhein
Der Damhirsch Peter, das Munotglöcklein, die Abstimmungspflicht: Von Deutschland ummantelt und durch den Rhein vom übrigen Schweizer Festland getrennt ist Schaffhausen schon fast Ausland.
Weitere Beiträge
Blattkritik über die November-Ausgabe
Die November-Ausgabe des «Schweizer Monat» wird von Benjamin von Wyl beurteilt.
Editorial
«Was wir in den letzten Jahrzehnten im Kreditrausch vorgefressen haben, werden wir in den nächsten Jahrzehnten nachhungern müssen. Es wird furchtbar werden.» Roland Baader, 2010 Noch Anfang der 1980er-Jahre betrugen die Schulden der USA 30 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts, heute sind es rund 135 Prozent. Im bis heute andauernden
Verschwendung macht abhängig
Ist immer alles zu haben, fällt einem der Verzicht auf einmal schwerer. Doch vielleicht liegt gerade in der Einschränkung eine gewisse Freiheit.
Vergänglichkeit im Wandel
Die Art und Weise, wie heute gestorben wird, unterscheidet sich erheblich von früher. Neu sind der Trend zur Kremation oder Wünsche nach einem digitalen Nachleben.
«Sterben ist etwas sehr Intimes»
Corina Caduff befasst sich mit dem neuen Genre der Sterbeliteratur. Unheilbar kranke Autorinnen und Autoren dokumentieren darin ihre letzten Lebensjahre. Dabei beschäftigen sie sich mit Sinnfragen und werden Experten für das Gesundheitswesen.
Einsam gegen den Blitzausstieg
Die Zahl derjenigen, die per Sterbehilfe aus dem Leben scheiden, steigt an. Wer diese Praxis hinterfragt, steht rasch allein da.
Können Kaninchen den Aktienmarkt erklären?
Die Fibonacci-Zahlen lassen sich in Biologie und Architektur anwenden – und darüber hinaus.
Klimapolitische Planwirtschaft
Planwirtschaft und eigene Interessen sind offensichtlich wichtiger als Umweltschutz.
Ein laues Plädoyer für die Vernunft
Thilo Sarrazin: Die Vernunft und ihre Feinde. Irrtümer und Illusionen ideologischen Denkens. München: Langen-Müller-Verlag, 2022.
Locker-flockig dringlich
Die Politiker haben sich an das Dringlichkeitsrecht gewöhnt wie ein Süchtiger an eine Droge.
Zahl des Monats
78 Prozent der Schweizer wird mindestens eine «grundlegende digitale Kompetenz» gemäss Umfragedaten von Eurostat aus dem Jahr 2021 attestiert. Damit liegt die Schweiz deutlich über dem EU-Durchschnitt von 54 Prozent. Insgesamt wurden Personen in 36 Ländern befragt und die Schweiz liegt nur hinter Island (81), den Niederlanden, Finnland und
Der Fussball hat seine Romantik verloren
Christoph Biermann: Um jeden Preis. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2022.
Herkunft wird überschätzt
Lukas Bärfuss: Vaters Kiste. Eine Geschichte über das Erben. Hamburg: Rowohlt, 2022.
Nacht des Monats mit Gabrielle Alioth
Vojin Saša Vukadinović lässt sich von Gabrielle Alioth über Biber aufklären.
The End of… Problemschweiz
Die Schweiz hat jahrelang darunter gelitten, dass ihr qualitativer Vorsprung in den starren und ungenauen quantitativen Messsystemen und Ranglisten (etwa dem Bruttoinlandsprodukt, dem Bildungsstand etc.) nicht richtig sichtbar wurde. Im Gegenteil wurde die Schweiz von der OECD etwa wegen ihrer niedrigen Maturanden- und Akademikerquote getadelt. Einige Jahre lang sah Irland