zum Inhalt

Faktor Vereinsmeier: Die soziale Durchmischung in der Schweiz erleichtert den gesellschaftlichen Aufstieg

Die Vernetzung zwischen verschiedenen sozialen Schichten ist hierzulande hoch. Das ist bereichernd – in jeder Hinsicht.

Vereine schaffen Chancen. Bild: Bing Image Creator.

«Mir hei e Verein, i ghöre derzue», sang Mani Matter einst. Tatsächlich gibt es in kaum einem Land so viele Vereine relativ zur Bevölkerung wie in der Schweiz. Dieser ausgeprägte Hang zur Vereinsmeierei bringt nicht nur vielerlei persönlichen und gesellschaftlichen Nutzen. Er ist auch entscheidend für wirtschaftliche Chancen.

Vereine sind ein Ort, wo Menschen zusammenkommen. Das Gleiche gilt für die Feuerwehr, die Schulpflege und andere Milizgremien. In solchen Organisationen engagieren sich Menschen aus unterschiedlichen Schichten und mit unterschiedlichsten Hintergründen gemeinsam. Man kommt in Kontakt mit Personen, die man sonst privat oder im Berufsleben niemals treffen würde.

Solche Beziehungen sind nicht nur persönlich bereichernd. Sie können auch für das berufliche Vorankommen hilfreich sein. Das legt zumindest eine neue Studie des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern nahe. Sie zeigt: Je stärker die soziale Vernetzung über Einkommensschichten hinweg, desto höher ist die soziale Mobilität.

«In Frankreich gab lediglich ein Viertel der Personen mit einem Einkommen unter dem Median an, wöchentlich Kontakt zu Personen zu haben, die ‹deutlich reicher› als sie selber sind. Dagegen beträgt der Anteil in der Schweiz und in Schweden rund 55 Prozent.»

Die Autoren Jonas Bühler, Melanie Häner-Müller und Christoph Schaltegger messen soziale Netzwerke über Umfragen. Dabei ergaben sich erstaunliche Unterschiede zwischen den 15 untersuchten Industrieländern. In Frankreich gab lediglich ein Viertel der Personen mit einem Einkommen unter dem Median an, wöchentlich Kontakt zu Personen zu haben, die «deutlich reicher» als sie selber sind. In den USA liegt der Wert mit rund 30 Prozent nicht viel höher. Dagegen beträgt der Anteil in der Schweiz und in Schweden rund 55 Prozent.

Ein Land der Chancen

Stellt man die Werte den Massen für soziale Mobilität gegenüber, sieht man einen erstaunlich starken Zusammenhang. Das heisst: In Ländern, in denen die verschiedenen Einkommensschichten häufiger miteinander in Kontakt kommen, ist der soziale Aufstieg leichter möglich und geschieht häufiger.

«In Ländern, in denen die verschiedenen Einkommensschichten häufiger miteinander in Kontakt kommen, ist der soziale Aufstieg leichter möglich und geschieht häufiger.»

Die Schweiz zeigt dies exemplarisch: Hier ist sowohl die soziale Vernetzung wie auch die soziale Mobilität im internationalen Vergleich hoch.

Das sind gute Nachrichten. Die Meritokratie funktioniert hierzulande offensichtlich. Die Schweiz ist ein Land der Chancen – das Milizsystem und die Vereinsmeierei spielen dabei offenbar eine wichtige Rolle.

Unterstützen Sie uns!

Dieser Artikel war frei zugänglich – ermöglichen Sie mit einer Spende den freien Zugang für alle.

Jetzt spenden

Aktuelles

Wie man auf Faschisten hereinfällt

Im November 1932, kurz vor der Machtübernahme Hitlers, schrieb der deutsche Jurist Edgar Jung einen Artikel in den «Schweizer Monatsheften», wie der Schweizer Monat damals hiess. Er lobte die Entfernung von Reichskanzler Heinrich Brüning durch Reichspräsident Paul von Hindenburg. Jung äusserte sich wohlwollend über Hindenburgs Ziel der «Überwindung des Liberalismus»