Ausgabe 937 - Dezember 2004
Preis der Gerechtigkeit: zur Situation und Entwicklung der Sozialwerke
In dieser Ausgabe
Dossier
Editorial
Wenn im Dossier dieses Heftes nach dem Preis der Gerechtigkeit gefragt wird, so könnte der Eindruck aufkommen, auch die Gerechtigkeit werde damit zur käuflichen Handelsware degradiert. Wer die Dinge nicht nur beim Wort nennt, sondern den Worten auch umfassendere Bedeutungen zutraut, wird jedoch nicht daran Anstoss nehmen, wenn auch im
(5) Die AHV überfordert die Jungen
Der Verein Zivilgesellschaft lud Experten ein, um die Zukunft der Finanzierung von Sozialwerken zu diskutieren. Basierend auf den Tagungsergebnissen werden hier zentrale Fragen zum Thema aufgearbeitet und beantwortet.
(4) Existenzsicherung versus Giesskannenprinzip
Das Schweizer Stimmvolk lehnte die 11. AHV-Revision ab. Der Verein Zivilgesellschaft schlägt als Alternative ein Existenzminimum-Versicherungs-Modell vor. Der Beitrag analysiert dessen Umsetzbarkeit und Sparpotential kritisch.
(3) Altersvorsorge: zwei Reformansätze
Allein durch Mehreinnahmen und Leistungsabbau lassen sich die Sozialwerke nicht sanieren. Erforderlich ist eine Systemänderung, die das Versicherungsprinzip, das Vorsorgeprinzip und das sozialpolitische Fürsorgeprinzip neu definiert und kombiniert.
Schweizer Altersvorsorge: Kartenhaus oder solide Konstruktion?
Demografischer Wandel und Börsenrückgang stellen Altersvorsorgesysteme in Frage. Der Beitrag untersucht kritisch deren Nachhaltigkeit, Finanzierbarkeit, Sicherheit, Stabilität, Flexibilität, Effizienz, Transparenz und Allokationsneutralität.
(1) Die grosse Umverteilung
Der Staat sollte durch Umverteilung Reich und Arm ausgleichen. Heute jedoch finanzieren diese Gelder erst die Verwaltungsapparate selbst und erreichen Bedürftige nur teuer oder gar nicht. Ein grosser Staat ist nicht zwingend gerecht – auch ein schlanker Staat kann sozial handeln.
(0) Preis der Gerechtigkeit
Wir leben in einer komplexen Gesellschaft. Diese Feststellung ist weder besonders neu noch besonders originell. Der amerikanische Soziologe Lewis Mumford hat schon vor Jahren festgestellt, dass bestehende Gesellschaften die Tendenz haben, immer weitere neue Vergesellschaftungen hervorzubringen. Wer diesbezüglich noch Zweifel hat, werfe einen Blick auf die Entwicklung der Steuer- und
Aktuelle Debatten
«Soziale Gerechtigkeit» – mehr Schaden als Nutzen
Der Versuch, mittels staatlicher Umverteilung das anzustreben, was man soziale Gerechtigkeit nennt, hat einen ausserordentlich hohen moralischen Preis. Er ist so hoch, dass dieses Streben alle Merkmale kontraproduktiven Handelns aufweist.
Vorbildliche Sozialisten
Frankreichs politische Elite teilt die Verantwortung ungern mit dem Volk und bevorzugt eigene Entscheidungen. Umso bemerkenswert ist das Experiment, das am 1. Dezember innerhalb einer grossen Partei stattfand.
Pragmatiker, Zweifler und ökonomische Ingenieure
Mit der wachsenden Einsicht in die unvermeidliche demographische Entwicklung hat auch in der Schweiz eine breite Debatte über die Zukunft (oder eher das Ende) des Wohlfahrtsstaates eingesetzt. Die Linke tendiert dabei nach wie vor zur Verdrängung der Alterungsproblematik, träumt – zum Teil gegen besseres Wissen – von unrealistischen Produktivitätsfortschritten bzw. Wachstumsraten und
Weitere Beiträge
Corporate Governance: Das subtile Spiel um Geld und Macht
Kurt Schiltknecht schreibt über Corporate Governance aufgrund eigener Beobachtungen und Erfahrungen; er war Mitarbeiter in der OECD, in leitender Stellung bei der Schweizerischen Nationalbank, der Bank Leu und der BZ-Gruppe. Zudem verfügt er über solide Kenntnisse der ökonomischen Theorie, die er sich – wie er im Vorwort schreibt – zunächst an
Wodka
Die Verbreitung der westlichen Zivilisation ging vielerorts einher mit der Zerstörung indigener Kulturen durch Alkoholmissbrauch. Im Alten Testament und auch in der europäischen Geschichte gibt es aber genügend Beispiele für den umgekehrten Prozess: die Kultivierung eines ursprünglich barbarischen Umgangs mit Trunkenheit zu massvollen, gesellschaftlich integrierten Verhaltensweisen. Die griechische Maxime «Niemals
Der letzte Dienst des perfekten Kellners
Alain Claude Sulzer erzählt von der Fixierung auf die Lebensliebe
Du sollst dir ein Bild machen
Bilder besetzen zunehmend unser Bewusstsein und die kritische Distanz geht verloren. Marie-José Mondzain zeigt, wie der Verlust der Interpretationsvielfalt die Bildmacht steigert. Ihre Analysen zur Überwindung kommerzieller Strategien blieben im deutschsprachigen Raum bislang unbekannt.
Überfülle von Zitaten
2004 erschienen zwei Werke von Umberto Eco: ein illustrierter Roman, in dem der Protagonist durch Zitate versucht, sein durch einen Schlaganfall verlorenes Gedächtnis wiederzufinden, und ein Bildband mit Künstlerzitaten von der Antike bis heute, der zeigt, wie sich die Idee von Schönheit wandelt.