Ausgabe 1077 – Juni 2020
Seuche Moralismus: Seuche Moralismus Wie Überkorrektheit die Gesellschaft vergiftet.
In dieser Ausgabe
Schwerpunkt
Nur selbstbestimmt ist man auch frei
Souveränität ist ein definierendes Merkmal jedes Staatswesens. Doch sie kann von der Digitalisierung untergraben werden.
Im Netz der vielen kleinen Abhängigkeiten
Um ihre Souveränität zu wahren, muss die Schweiz den Schutz der Bürger ins Zentrum stellen und auf internationale Kooperation setzen.
Die vernachlässigte Bedrohung
Cyberangriffe gefährden das souveräne Handeln von Staaten wie auch von Unternehmen. Essentielle Infrastrukturen wie die Energieversorgung oder der Verkehr sind in der Schweiz ungenügend gegen Risiken geschützt.
Wir nähern uns Peak IT
Je weiter die Digitalisierung fortschreitet, destoweniger zusätzlichen Nutzen bringt sie. Früher oder später müssen wir unsere Abhängigkeit von der Informationstechnologie reduzieren.
Dossier
Faites vos jeux!
Nutzen Sie die Gunst der Stunde und schöpfen Sie aus dem Vollen! Ein Plädoyer für ein Leben mit Stil, Spiel und Genuss – sobald es wieder geht und solange es noch geht.
Ich bin ein Libertin und das ist auch gut so
Der Moralismus wurde erfunden, um den Menschen zu versklaven. Warum haben wir dieses Joch immer noch nicht auf die Müllhalde der Geschichte abgelegt?
Kerngesund sterben, bitte!
Auch in der Schweiz spielen sich die Bundesbehörden mittlerweile als das gesundheitliche Gewissen der Nation auf. Mit «präventiver Gesundheitsförderung» wollen sie Zivilisationskrankheiten den Garaus machen.
Zu gut, um legal zu sein
Das Regulieren von Genussmitteln ist in jüngerer Zeit zu einem irrsinnigen Wetteifern zwischen Staaten verkommen – obwohl der Nutzen von immer rigideren Gesetzen zweifelhaft ist.
«Noch sind wir in der Schweiz in einem liberaleren Umfeld»
Der politische Druck nimmt zu, den Salz-, Fett- oder Zuckergehalt von Produkten zu regulieren. Der CEO von Zweifel Pomy-Chips wehrt sich dagegen und setzt auf die Macht der Konsumenten.
Keine Macht den Denunzianten und Reinheitsfanatikern der Kulturszene!
Kämpfer für Political Correctness sehen sich als selbsternannte geistige Seuchenbeauftragte. Ein kolossaler Irrtum: Sie sind selbst die Seuche.
Eine Allzweckwaffe für alle
Als sich Künstler gegen den Moralismus aufgelehnt haben: Eine Tour d’Horizon der Avantgarde-Manifeste des 20. Jahrhunderts.
Das Reich des Guten bahnte sich lange an
Michel Houellebecq, das Enfant terrible der französischen Literatur, kennt jeder. Doch er hatte einen Lehrmeister, der den Moralismus von heute schon in den 1990er Jahren vorhersah: Philippe Muray.
Schuldig durch Anklage
Mit ihrer Begriffspolitik konnte die politische Korrektheit im Westen eine Machtbasis erobern. Wie werden wir die Ideologie wieder los?
Die Macht der Maschinenmoral
Und willst du nicht moralisch sein, stelle ich einen Algorithmus ein.
Moralismus ist der Borkenkäfer der Demokratie
1989 fiel die Mauer. Doch der Geist der DDR lebt immer noch. Beobachtungen aus einem anderen Deutschland.
Aktuelle Debatten
«Europa kann viel von der Schweiz lernen»
Nationalismus, Bürokratismus und Demokratiedefizite haben die Europäische Union in eine tiefe Krise gestürzt. Eine Bürgerrepublik von unten mit Anleihen am Schweizer Vorbild könnte das Modell sein, das Europa nun braucht.
Die Gralshüter des Fortschritts sind träge geworden
Die Innovationskraft als Triebfeder des Liberalismus lahmt. Die Liberalen müssen sich wieder an die Spitze des Fortschritts setzen.
Hauptstadt des Bewahrens
Bern hätte die Voraussetzungen für eine dynamische Region. Doch statt Chancen zu packen, bleibt der Kanton von anderen abhängig und gefällt sich in der Opferrolle. Ein Weckruf zum Abschied.
Weitere Beiträge
Editorial
«Modern fiat money is a bubble, as it has no explicit future payoffs, yet people value it in exchange.» Stephen Williamson, Wirtschaftswissenschafter, in der «Review» der Federal Reserve Bank of St. Louis (Second Quarter 2018, Vol. 100, No. 2) Anfang Mai habe ich mein Bankkonto geplündert und über 90 Prozent
Zum Glück kein grosser Plan
Der berühmte Kompromiss ist kein schlechtes Prinzip der Staatlichkeit.
Zufall belebt die Demokratie
Und vermindert die Beeinflussung der Politik durch Interessensgruppen.
Prozente vernebeln auch ohne Alkohol
So bleibt alles richtig, selbst wenn es völlig falsch ist.
Es gibt so vieles, wir kennen so wenig
Der tausendste «Hamlet», der hunderttausendste «Don Carlos». Warum immer dieselben Stücke? Das Theater braucht dringend eine Spielplanänderung.
«Unsere Aufgabe ist das künstlerische Experiment»
Theater muss nicht dem Massengeschmack entsprechen, um legitim zu sein.
Hier spricht der Geist Roland Baaders
Ende März sprang ein Buch aus dem Stand auf Platz 2 der deutschen Sachbuch-Bestsellerliste des «Spiegels», mit dem nur wenige Beobachter gerechnet hatten. Der 57jährige Risikospezialist Markus Krall geht darin mit Wirtschaft, Gesellschaft und Politik unmissverständlich hart ins Gericht. Somit ist Krall aktuell der erfolgreichste libertäre Autor im deutschsprachigen
Die Hänny-Variationen
Dieser Roman ist ein doppeltes Wagnis. Für den Leser, der sich leicht verirrt in den Satzungetümen, den ausschweifenden Beobachtungen, den frei assoziierenden Erinnerungen. Aber auch Reto Hänny selbst wagt einiges: Zum dritten Mal schreibt der 1947 im bündnerischen Tschappina geborene Autor nun ein und dieselbe Geschichte, die doch immer
Das Licht, das erlosch. Eine Abrechnung. Und: Warum der Liberalismus gescheitert ist.
Es ist mittlerweile 30 Jahre her, da verkündete der amerikanische Politologe Francis Fukuyama das Ende der Geschichte. Nach dem Untergang des Kommunismus würden sich nun weltweit Liberalismus, Demokratie und freie Marktwirtschaft durchsetzen. So kann man sich irren. Fukuyama übersah schlicht und ergreifend, dass der liberale Westen durch Strukturen der Selbstorganisation