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Nein, die Nazis waren nicht links

In der politischen Auseinandersetzung wird das Etikett «Nazi» gerne als Totschlagargument gegen bürgerliche Positionen missbraucht. Im Gegenzug versucht die «Neue Rechte», den Nationalsozialismus als links umzudeuten. Beides ist falsch – und verharmlost die historische Realität.

150 000 Menschen sollten sich auf den NS-Reichsparteitagen in Nürnberg wie eine «Volksgemeinschaft» fühlen – und zugleich im «Lichtdom» klein und unbedeutend. Bild: Wikimedia Commons.

Seit 2025 behauptet die AfD-Vorsitzende Alice Weidel – so wie letzte Woche –, Hitler sei «linksradikal», das «genaue Gegenteil eines Konservativen» und «sozialistisch-kommunistisch» gewesen.

Hitler als Kommunist? Hatte er diese nicht verfolgen, in KZs sperren und im Osten einen Rassenkrieg gegen den «jüdischen Bolschewismus» führen lassen?

Weidels Stossrichtung ist durchschaubar: Wenn man den Nationalsozialismus als «links» redefiniert, verpufft der ständige Nazivorwurf gegen die eigene Partei. In modernen Debatten dient die «Nazikeule» oft als Totschlagargument, um bürgerliche Positionen zu Migration oder Familie als illegitim brandzumarken. Wenn aber alle Bürgerlichen «Nazis» sind, wird der Begriff wertlos – und die Verlockung gross, das Etikett einfach umzudrehen.
Doch Etiketten ersetzen keine Argumente. Zur Erinnerung: Bereits in den 1920ern bezeichneten die Stalinisten selbst die Sozialdemokraten als «sozialfaschistisch».

Ein Blick auf die Herkunft der Begriffe hilft. Seit 1789 bedeutet «links» das Streben nach Gleichheit der Menschen, «rechts» dagegen, dass Menschen ungleich seien (nach Stand, Vermögen, Intelligenz ...).
Wo stand Hitler? Weder beim konservativen Statusdenken noch beim sozialistischen Ideal der klassenlosen Gesellschaft. Hitler stellte der Gleichheit das Prinzip biologischer Ungleichheit entgegen. Ordnungsprinzip war nicht die Klasse, sondern die «Rasse». In Mein Kampf betont er, die «völkische Weltanschauung» müsse «den Sieg des Besseren, Stärkeren fördern, die Unterordnung des Schlechteren, Schwächeren verlangen». Es ist die radikale Absage an die universale Gleichheit zugunsten einer biologischen Hierarchie.

Kollektivistisch, aber nicht sozialistisch

Die Nazis nutzten den Begriff «Sozialismus» als Propaganda und etablierten massiven staatlichen Dirigismus: Der NS-Staat zerschlug Gewerkschaften, diktierte Preise und unterwarf die Wirtschaft der Aufrüstung. Privateigentum blieb bestehen, verlor aber seine Autonomie. Das macht das Regime dirigistisch und antiliberal. Aber auch sozialistisch?

«Wer Mittel und Ziel verwechselt, begeht einen Denkfehler.»

Nein. Wer Mittel und Ziel verwechselt, begeht einen Denkfehler. Staatlicher Eingriff war für die Nazis kein Werkzeug zur Errichtung einer gleichen Gesellschaft, sondern zur Mobilisierung für den Rassenkrieg und Eroberung von «Lebensraum». Der NS-Staat ordnete den Einzelnen nicht einer universalen Klasse unter, sondern einer rassisch verengten «Volksgemeinschaft». Die Deutschen sollten als «Herrenrasse» über die versklavten Slawen gebieten. Gleichheit sieht anders aus.

Rechtsrevolutionäre Vision

Wer behauptet, Hitler sei «links» gewesen, weil der Staat tief eingriff, verwechselt Machtmittel mit Zweck. Jedoch war Hitler keineswegs «konservativ». Er wollte die bürgerliche Ordnung und Traditionen nicht bewahren, sondern durch eine totalitäre, rassistische Ordnung ersetzen.

«Die NS-Ideologie war weder sozialistisch noch konservativ noch liberal, sondern eine völkisch-hierarchische und autoritäre Herrschaftsvision. Sie als «links» umzudeuten, ist der Versuch, sich der Auseinandersetzung mit den Abgründen völkischen Denkens zu entziehen.»

Die NS-Ideologie passt nicht ins Schema heutiger Parteipolitik. Sie war weder sozialistisch noch konservativ noch liberal, sondern eine völkisch-hierarchische und autoritäre Herrschaftsvision. Sie als «links» umzudeuten, ist der Versuch, sich der Auseinandersetzung mit den Abgründen völkischen Denkens zu entziehen.

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